"Zukunfts-Blues in die Sache bringen“

"Zukunfts-Blues in die Sache bringen“

FORMAT: Ließe sich Baumgartners Stratosphärensprung für ein neues österreichisches Markenbild verwenden?

Stolba: Ein Marke ist nichts, was man am grünen Tisch erfinden kann, die lebt und hat Wurzeln. Da müssen Menschen involviert werden, sonst gibt es so etwas wie eine Marke nicht. Die Frage ist außerdem, ob Red Bull eine Kooperation wollen würde. Die spielen in einer anderen Liga.

Nilsson: Trotzdem ein wunderbarer Kontrapunkt zum historischen Klischee, das in der Welt über Österreich vorherrscht, ein positives Zeichen auf internationaler Ebene.

Obwohl der touristische Verkauf Österreichs als Idylle zwischen Mozart und heiler Bergwelt durchaus funktioniert, soll mit dem Nation-Branding-Projekt davon abgegangen werden. Gut?

Stolba: Der Wettbewerb nimmt mit jeder Minute zu, ohne selbstbewusstes Auftreten durch eine moderne Nation Brand kann man heute keine Rolle mehr spielen.

Nilsson: Österreich ist mehr als ein Tourismusland. Daher brauchen wir ein Nation Branding.

Ihr Buch "Hättiwari“ räumt mit den Österreich-Klischees auf. Kontraproduktiv oder hilfreich für einen erfolgreichen Verkauf des Landes in der Welt?

Nilsson: Es ist Aufgabe der Öster-reich Werbung, mit Nullachtfünfzehn-Klischees Touristen ins Land zu holen. Aber man könnte sich überlegen, ob nicht auch neuere Ge-danken Platz hätten. Lipizzaner und Mozartkugeln sind nicht mehr län-ger frisch.

Stolba: Unsere Gäste wollen sehen, wie wir in Gegenwart und Zukunft mit dem umgehen, was wir in der Vergangenheit gebaut haben. Sie deuten das, was Frau Nilsson in ihrem Buch als "Hättiwari-Mentalität“ beschreibt, als "charmant“, und wir sehen es als notwendige Kulisse für das Tourismusmarketing.

Sind Kardinal Schönborn und Elisabeth Gürtler die richtigen Experten für die Entwicklung einer neuen Markenidentität für Österreich?

Stolba: Das sind Persönlichkeiten, von denen ich sicher bin, dass sie innovative Lösungen finden werden.

Nilsson: Wir sollten alle Österreicher als Markenbotschafter einsetzen. Jedenfalls sollte man das Land wahrscheinlich mit mehr als nur historischen Werten wachküssen.

Wenn sich trotzdem herausstellt, das Österreich nur ein Operettenstaat ist?

Nilsson: Auf der Operettenklaviatur lässt es sich zwar schön spielen, aber wir müssen aus unserem Grantel-Moll treten und endlich Zukunfts-Blues in die Sache bringen. Wir brauchen im kleinen Österreich größere Dimensionen. Historie hat in Österreich derzeit noch eine bessere Lobby als Gegenwart und Zukunft. Das reicht aber bald nicht mehr.

Stolba: Wir werden vom Nation-Branding-Prozess als Standort gut profitieren können, da wird mehr als nur ein Placebo herauskommen.

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff