Zielpunkt: Neuer Investor und schwarze Zahlen müssen her

Der Lebensmittelhändler Zielpunkt hat turbulente Zeiten hinter sich: Seit der Firmengründung 1967 wurde das Unternehmen mehrmals verkauft, verkleinert, umbenannt, saniert und am Markt neu positioniert.

Ruhig wird es auch in Zukunft nicht: Nach dem Management-Buy-out von Jan Satek im Februar steigt jetzt der Großhändler Pfeiffer zu 24,9 Prozent bei Zielpunkt ein.

Doch auch das dürfte nicht ausreichen, um die Firma wieder auf die Erfolgsstraße zu führen. Wie FORMAT erfuhr, läuft die Suche nach einem weiteren Geldgeber auf Hochtouren. „Ich führe Gespräche mit mehreren Interessenten, werde aber die Kontrolle über mindestens 51 Prozent behalten“, sagt Firmenchef Satek.

Der Mehrheitseigentümer, der bereits beim Kauf von Zielpunkt Unterstützung zweier privater Investoren erhalten hat, will mit seinen neuen Partnern den Fortbestand von Zielpunkt im Kräftefeld von Billa, Spar und Hofer absichern. Leicht wird das nicht.

Geldgeber gesucht

Satek will, so ist zu hören, für knapp 50 Prozent an Zielpunkt 12 bis 15 Millionen Euro. Von Pfeiffer stammt die Hälfte davon. Vor dem Hintergrund der Zielpunkt-Bilanz eine durchaus üppige Summe: 2011 standen 540 Millionen Euro Umsatz 5 Millionen Miese gegenüber. Satek hofft nun, 2013 endlich in die schwarzen Zahlen zu rutschen.

Während der neue Chef betont, dass die Entscheidung über weitere neue Partner offen sei, hält sich ein Name in der Branche hartnäckig: Edeka. Die deutsche Handelskette, die Adeg 2007 an Rewe verkaufte, steht unter Zugzwang. In der Heimat läuft das Geschäft verhalten, die Auslandsexpansion gilt als einziger Ausweg.

Schon in der Vergangenheit hat Edeka zweimal eine Übernahme von Zielpunkt erwogen, zuletzt kurz vor dem Management-Buy-out durch Jan Satek. Doch der Kaufpreis war den Deutschen zu hoch, als Miteigentümer wäre ein Einstieg bedeutend leichter, heißt es.

Auch einige ausländische Finanzinvestoren sollen reges Interesse an Zielpunkt zeigen. Rewe (Billa) und Spar scheiden hingegen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen aus.

Neue Strategie

In nur zwei Jahren hat Jan Satek als Manager aus dem schmucklosen Diskonter einen ansehnlichen Supermarkt gemacht, der sich weniger mit Hofer als mit Billa und Spar matchen möchte. Zwar ist Zielpunkt mit einem Marktanteil von 3,3 Prozent im Vergleich zu Billa, Spar und Hofer, die den Markt mit mehr als 80 Prozent dominieren, ein Zwerg. Doch darum geht es Satek im Grunde gar nicht. Ihm reicht es vorerst, sich am Markt zu behaupten und zarte Gewinne zu schreiben.

Schaffen will der 46-Jährige die Sanierung nicht nur mithilfe neuer Partner. Zum lang ersehnten Comeback soll auch ein jüngst auf vier Mitglieder aufgestockter Vorstand verhelfen, der eine Eigenmarken-Offensive anstrebt. Auch Exkicker Hans Krankl wird als werbewirksames Testimonial weiterhin für Zielpunkt auflaufen. „Wir werden auch das Sortiment weiter optimieren“, sagt Satek. Einige Non-Food-Produkte wie Spielzeug, Gläser und Tassen sollen aus den Regalen verschwinden.

Wie Satek betont, sei sein Engagement bei Zielpunkt langfristig: „Ich bin gekommen, um zu bleiben.“ Doch angesichts der bewegten Firmenhistorie (siehe unten ) fällt es schwer, das zu glauben. Und auch Satek meinte unlängst in einem Interview, dass man über einen Inhaberwechsel nachdenken kann, „wenn jemand mit dem Geldkoffer kommt“.

- Silvia Jelincic

Die Bewegte Firmengeschichte: Zielpunkt wurde 1967 von Walter Löwe unter dem Namen Löwa gegründet, fünf Jahre später erfolgte der Verkauf an Tengelmann (Kik, Obi). 2003 kam es zur völligen Neuausrichtung: Aus Zielpunkt wurde der Hard-Discounter Plus, was zu einem Kundenschwund führte, der durch die Rückkehr zu Zielpunkt nicht aufgeholt werden konnte. Die Handelskette, die heute rund 3.000 Mitarbeiter und 300 Geschäfte zählt, schreibt seither Millionenverluste und wurde in der Folge an den Finanzinvestor BluO verkauft. Im Februar 2012 stieg Jan Satek ein. Auch er holt nun Hilfe.

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