Zahlen, Fakten und Prognosen

Griechenland - Kaum Verbesserungen am Abgrund

Griechenland Trotz Schuldenschnitts und Hilfspaketen bleibt die Krise.

Das erste Hilfspaket über 110 Milliarden Euro wurde im März 2010 verabschiedet; weil es nicht reichte, folgte ein Jahr später das nächste. Ein Schuldenschnitt erleichterte die Staatsschuld um 105 Milliarden Euro, ein Sparprogramm jagt das andere, und dennoch steht das Land am Abgrund. Das fünfte Jahr der Rezession hat die Arbeitslosenrate auf über 20 Prozent hochschnellen lassen, die griechischen Banken müssen aufgefangen werden. Das Volk hat seinen Frust bei den Wahlen zum Ausdruck gebracht. Die bisherigen Pläne, dem Land wieder auf die Beine zu helfen, zeigen wenig Erfolg. Die EU-Kommission hat über 100 Projekte definiert und den Zugang zu Strukturfonds und Förderungen erleichtert, doch es dauert noch, bis diese Maßnahmen greifen. Chancen bestehen vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien und im Tourismus.

Kennzahlen 2011
Wirtschaftswachstum: -6,9 %
Schuldenquote: 165 % des BIP
BudgetDefizit: -9,1 %

Prognose 2012
Wirtschaftswachstum: -4,4 %
Schuldenquote: 160 % des BIP
BudgetDefizit: -7,0 %

Italien - Äthiopische Verhältnisse

Italien Italiens Justizsystem schreckt Investoren ab.

Italiens Wirtschaft ist zwar in einigen Nischen, etwa Kleidung und Lebensmittel, konkurrenzfähig. Gleichzeitig deckt das Land fast seinen gesamten Energiebedarf aus dem Ausland. 90 Prozent der Betriebe sind Familienunternehmen. Große Firmen wie Fiat fahren ihre Gewinne im Ausland ein. Ein Faktor, der Investoren abschreckt: das Justizsystem. Im Weltbank-Ranking zur Rechtssicherheit rangiert Italien auf Platz 157 von 183 Ländern hinter Äthiopien. Der Schuldenberg von 1,9 Billionen Euro ist nur deshalb noch kein EU-weites Problem, weil die Schulden im Land bleiben. Privatpersonen und heimische Geldinstitute stehen für 60 Prozent der Summe gerade. Premier Mario Monti hat jüngst ein ehrgeiziges Sparpaket geschnürt. Nicht zuletzt wegen explodierender Arbeitslosenzahlen (ein Drittel der 16- bis 24-Jährigen sind ohne Job) könnte er den Fiskalpakt jetzt infrage stellen.

Kennzahlen 2011
Wirtschaftswachstum: 0,4 %
Schuldenquote: 120 % des BIP
BudgetDefizit: -3,9 %

Prognose 2012
Wirtschaftswachstum: -1,9 %
Schuldenquote: 120 % des BIP
BudgetDefizit: -4,3 %

Frankreich - Den Anschluss verpasst

Frankreich Der unternehmerische Mittelbau wird klein gehalten.

François Hollande hat im Wahlkampf wie alle Konkurrenten kleine und mittelständischen Unternehmen thematisiert. Denn während die im Börsenindex CAC-40 angesiedelten Top-Konzerne überwiegend gut aufgestellt sind, geht es dem Mittelbau schlecht. Er zeichnet für die Wettbewerbsschwäche Frankreichs verantwortlich, das 2011 ein Außenhandelsdefizit von 70 Milliarden Euro aufwies. Mittelständische Unternehmer klagen über zu hohe Abgaben, schlechte Kreditbedingungen und überbordende Bürokratie. Die Chancen auf unternehmerisches Wachstum sind gering. Als Messlatte für mangelnde Konkurrenzfähigkeit werden die Lohnstückkosten herangezogen, die ausdrücken, wie viel Lohn für ein Produkt gezahlt werden muss. Sie stiegen seit 1999 um 31 Prozent. Frankreichs Wirtschaft wird heuer schrumpfen, mit wenig Aussicht auf Besserung.

Kennzahlen 2011
Wirtschaftswachstum: 1,7 %
Schuldenquote: 85,8 % des BIP
BudgetDefizit: -5,2 %

Prognose 2012
Wirtschaftswachstum: 0,4 %
Schuldenquote: 89,2 % des BIP
BudgetDefizit: -5,3 %

Portugal - Hoffnung im Südwesten Europas

Portugal Die EU-Kommission stellt Portugal gute Noten aus.

Die Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung Portugals wirken düster: Seit sieben Quartalen ist die Wirtschaft nicht mehr gewachsen, im laufenden Jahr könnte sie gar um über 3 Prozent schrumpfen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei rekordhohen 15 Prozent, Konjunkturwerte wie Konsumentenvertrauen, Anlageninvestitionen und Baugenehmigungen liegen auf historischen Tiefstständen. Aber die Lage ist nicht aussichtslos. Portugal verfügt über konkurrenzfähige Unternehmen, etwa in der Automobil- und Elektroindustrie. Defizite in der Handelsbilanz und dem Staatshaushalt konnten abgebaut werden. Die Landwirtschaft birgt noch viel Aufwärtspotenzial, außerdem gibt es mit Brasilien und Angola zwei portugiesischsprachige Wachstumsmärkte. Experten der EU-Kommission erwarten in den kommenden Jahren Wachstumsraten von über zwei Prozent und die Rückkehr an die Kapitalmärkte.

Kennzahlen 2011
Wirtschaftswachstum: -1,6 %
Schuldenquote: 107,8 % des BIP
BudgetDefizit: -4,2%

Prognose 2012
Wirtschaftswachstum: -3,3 %
Schuldenquote: 111 % des BIP
BudgetDefizit: -4,5%

Spanien - Banken als tickende Zeitbomben

Spanien Verstaatlichungen werden immer wahrscheinlicher.

Die billigen Kredite der vergangenen zehn Jahre haben in dem bis in die 1990er-Jahre von hoher Arbeitslosigkeit geplagten Spanien für eine Immobilienblase gesorgt, unter deren Folgen nun das ganze Land, vor allem aber seine Sparkassen leiden. Diese sollen nun entgegen ursprünglichen Plänen doch mit Staatsgeld aufgefangen werden. Die Arbeitslosigkeit ist von acht Prozent vor der Krise auf mittlerweile 24 Prozent - 5,3 Millionen Menschen - angestiegen. Die Regierung hat allein in den vergangenen Monaten Sparprogramme in der Höhe von 37 Milliarden Euro verabschiedet. Zuvor wurden auf breiter Basis die Steuern erhöht: Dennoch ist die Abgabenquote von 37 auf 32 Prozent gesunken. Zukünftige Wachstumschancen sieht das Land vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien. Weitere Möglichkeiten werden im Export von Lebensmitteln und Autos gesehen.

Kennzahlen 2011
Wirtschaftswachstum: 0,7 %
Schuldenquote: 68,5 % des BIP
BudgetDefizit: -8,5 %

Prognose 2012
Wirtschaftswachstum: -1,0 %
Schuldenquote: 73,8 % des BIP
BudgetDefizit: -5,9 %

Eurozone - Zerfall der Währungsunion ist möglich

Eurozone Der Austritt Griechenlands ist keine Utopie mehr.

Griechenland versinkt im Chaos, die Bildung einer Regierung gestaltet sich nahezu unmöglich, in wenigen Wochen könnte wieder gewählt werden. Dass die Griechen sich mit ihrer Wahl so deutlich gegen die Fortsetzung der Sparpolitik ausgesprochen haben, heizt die Möglichkeit eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone an. Laut Analysten der Citigroup liegt die Wahrscheinlichkeit, dass dies bis Ende 2013 erfolgen könnte, nun bei 50 bis 75 Prozent. Viel akuter jedoch besteht die Gefahr, dass die Troika aus EU-Kommission, IWF und den Eurostaaten Griechenland die nächste Hilfstranche streicht und der Staat deshalb im Juni in die Pleite rutscht. Mittlerweile wird die Möglichkeit eines Austritts offen diskutiert - allerdings ist nach wie vor ungewiss, welche Folgen er für die Eurozone hätte. Als "verkraftbar“ stufen den Austritt Griechenlands etwa Analysten von ING Management ein. Banken hätten ihr Exposure mittlerweile abgebaut, der größte Gläubiger sei nunmehr die EZB. Die Citigroup rechnet nicht mit Ansteckungsgefahr - die EZB werde weitere Maßnahmen ergreifen, um den Rest der Eurozone zusammenzuhalten.

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

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Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

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Innovation - der wichtigste Rohstoff