Zahlen rot bei Ankerbrot

Zahlen rot bei Ankerbrot

Es sind ein paar harte Brocken, die die kürzlich beim Firmenbuch hinterlegte Ankerbrot-Konzernbilanz offenbart: "Der Fortbestand des Unternehmens ist kurzfristig und mittelfristig bedroht, wenn keine Lösung zur Deckung des weiteren Liquiditätsbedarf getroffen werden kann“, steht etwa in den Erläuterungen zur Bilanz.

Und weiter unten wird ausgeführt: Die Sanierungsfähigkeit sei gegeben, wenn die Planung halte, die Restrukturierungsmaßnahmen greifen und es weiterhin eine "Gewährung von Lieferantenkrediten - keine Vorauskassa“ gebe.

Der Wiener Traditionsbetrieb, der größte Bäckerei-Filialist Österreichs, der 2003 Ausgleich anmelden musste, hat 2012 erneut rote Zahlen geschrieben: Der Umsatz ging um 5,8 Prozent auf 128 Millionen Euro zurück, der Jahresverlust lag bei 562.000 Euro, deutlich besser als die 4,7 Millionen Euro Minus 2011.

Peter Ostendorf, Chef und Miteigentümer von Ankerbrot, ist dennoch optimistisch: "2011 war für uns aufgrund der explodierenden Rohstoffkosten ein Problemjahr, das operative Geschäft war bereits 2012 deutlich besser.“

Teure Schließungen

Der Verlust im Vorjahr sei in erster Linie auf Änderungen im Filialnetz zurückzuführen, denn jede Schließungen koste viel Geld. In den vergangenen eineinhalb Jahren wurden 20 Filialen zugesperrt, darunter auch das Geschäft am Airport Bratislava, das erst 2010 eröffnet wurde. "Die Frequenz am Flughafen hat sich nicht so entwickelt, wie das erwartet worden ist“, so Ostendorf.

Derzeit gibt es rund 130 Ankerbrot-Standorte - vor allem in Ostösterreich. Einige davon sind neue Outlets: 2012 wurden an der Wiener Mariahilfer Straße, am Keplerplatz, in einem Einkaufszentrum in Bratislava und im Landeskrankenhaus Salzburg eine Anker-Filiale eröffnet, vor wenigen Wochen kam eine neue am WU Campus Wien dazu. Im kommenden Jahr wird Ankerbrot auch am neuen Wiener Hauptbahnhof aufsperren, für den Salzburger Hauptbahnhof gibt es ebenfalls schon eine Zusage. Standorte im Ausland werden künftig nur noch auf Franchisebasis vergeben, eigenes Geld will die Großbäckerei dafür nicht in die Hand nehmen.

Produktionsstandort gesichert

"Die ersten drei Quartale 2013 verliefen positiv, wenn die Entwicklung so weitergeht, werden wir dieses Jahr schwarze Zahlen schreiben“, sagt Ostendorf. Auch die Probleme mit der Liquidität habe Anker in den Griff bekommen, das negative Eigenkapital sei kein Problem, denn darin inkludiert sei ein Darlehen der Gesellschafter in Höhe von 2,7 Millionen Euro.

Zudem wurde zu Jahresbeginn ein zäher Rechtsstreit aus dem Weg geräumt: Im Jänner konnte sich Ankerbrot die Liegenschaft am Produktionsstandort in Wien-Favoriten wieder sichern, zuvor war der Großbäckerei schon mit Räumungsklagen gedroht worden. "Wir sind heilfroh, dass wir hier wieder eine längerfristige Perspektive haben“, betont der Ankerbrot-Chef. Der Produktionsstandort wurde modernisiert, auch 2014 sind Investitionen geplant.

Die Bäcker - nicht nur Ankerbrot - leiden schon längere Zeit darunter, dass ihre Rolle als Nahversorger, vor allem in Städten, schwindet. Frisches Brot und Gebäck gibt es auch in fast allen Supermärkten, daher ist das neue Zauberwort nun Convenience für die "Verzehrkunden“, also fertig belegte Brote, Snacks für Zwischendurch und Coffee to go. "In diesem Bereich haben wir starke Zuwächse“, sagt Ostendorf. Besonders viel nachgefragt würden gesündere Snacks, auch eine eigene "Dinkel-Welt“ hat Ankerbrot ins Leben gerufen.

Wichtig für diese Convenience-Filialen sei aber, dass sie an belebten Straßen und Plätzen stehen. Ankerbrotfilialen in den schlechteren C-Lagen, davon gibt es noch zehn bis 15, könnte hingegen mittelfristig das Aus drohen.

Höhere Kosten durch Kollektivvertrag

Dass andere Bäcker-Ketten wie Der Mann und Ströck in Ostösterreich fleißig expandieren, erhöht ebenfalls den Druck auf Anker. "Weil wir im Gegensatz zu den Mitbewerbern einen anderen Kollektivvertrag bezahlen, haben wir höhere Kosten. Das macht es nicht leichter“, sagt Ostendorf.

Auch der Bereich Handel - deutlich mehr als die Hälfte des Umsatzes werden durch die Belieferung von Supermärkten erzielt - ist Veränderungen unterworfen. Denn immer höher wird der Anteil der Tiefkühl-Backlinge, die Ankerbrot absetzt. "Dies zieht allerdings andere Anforderungen im Bereich der Logistik nach sich“, sagt Ostendorf.

Trotz der schwierigen Aufgaben meint der 42-Jährige, der seit dem Vorjahr allein an der Spitze von Ankerbrot steht: "Mir macht mein Beruf viel Spaß und Freude.“ Auch an einen Verkauf der Anteile ist derzeit nicht gedacht. "Wir haben nicht gekauft, um zu verkaufen, sondern sind angetreten, um Erfolg zu haben“, sagt Ostendorf. Vielleicht zeichnet ja wirklich schon die kommende Bilanz ein deutlich optimistischeres Bild der Bäckerkette.

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