Zahl der Beraterprüfungen soll steigen: FMA-Chefs Ettl und Pribil im Interview

Die FMA-Chefs Harald Ettl (im Bild links) und Kurt Pribil (im Bild rechts) kündigen im FORMAT-Interview mehr Härte gegen Finanzberater an.

FORMAT: Was tut die FMA, um sicherzustellen, dass die Beraterqualität von Finanzberatern gewährleistet ist?
Kurt Pribil: Wir sind dafür verantwortlich, dass das Umfeld passt. Das heißt: Wir stellen sicher, dass die Finanzberater zu entsprechenden Schulungen gehen, wir fordern bestimmte Kontrollmaßnahmen ein, führen regelmäßig Gespräche mit Managern von Wertpapierfirmen, und natürlich gehen wir konkreten Beschwerden nach.
Harald Ettl: Durch die Umsetzung der MiFID Ende letzten Jahres haben wir noch mehr Möglichkeiten bekommen. Die Anforderungen an Transparenz für die Berater sind gestiegen. Das sieht man auch in einem Bereinigungsprozess am Markt. Die Zahl der Wertpapierfirmen ist seit 2005 von 330 auf 266 zurückgegangen.

Von 5 auf 30 Prüfungen
FORMAT: Wie oft führt die FMA eigentlich Vor-Ort-Prüfungen durch?
Pribil: 2006 hat es fünf routinemäßige Prüfungen gegeben, 2007 wurde die Zahl etwas angehoben, heuer waren es schon 20, und für nächstes Jahr haben wir uns 30 vorgenommen.
FORMAT: Stoßen Sie bei diesen Prüfungen häufig auf Mängel?
Ettl: Sagen wir, die Prüfungen sind erkenntnisreich. Wir entdecken immer wieder Dinge, die nicht passen.
FORMAT: Gerade in Fällen, wo man von Beratungsfehlern hört, etwa bei Immofinanz-Aktien durch den AWD oder bei AvW, heißt es aus Ihrem Haus immer, dafür seien Sie gar nicht zuständig. Gibt es hier Lücken im Gesetz?
Pribil: Es ist eben leider so, dass dort, wo wir aktiv werden und Schlimmeres verhindern können, die Öffentlichkeit nichts davon erfährt. Die AvW-Gruppe, die die Genussscheine begeben hat, ist nicht bei uns konzessioniert und entzieht sich damit unserer Aufsicht. Wir sind nur für AvW Invest zuständig.
FORMAT: Wäre es dann nicht sinnvoll, wenn die FMA auch eine Aufsicht über die Produkte hätte?
Ettl: Das wäre aufgrund der Menge praktisch nicht machbar. Außerdem haben wir gesehen, dass in den kritischen Fällen in den Prospekten meist ohnehin alles drinsteht. Die Leute nutzen die Informationen eben auch zu wenig.

"Strafbescheid-Veröffentlichung sinnvoll"
FORMAT: Am AWD gibt es häufig die Kritik, Hausfrauen und Schuhverkäufer, also schlecht ausgebildete Leute, würden als Berater eingesetzt. Was kann die FMA hier machen?
Pribil: Wir können nur kontrollieren, ob die Gesellschaft AWD ihre Ausbildungsstandards einhält. Für die einzelnen Berater – sie sind selbständig – sind wir aber nicht zuständig. Darüber hinaus wurden uns im letzten Jahr aber nur zwei bis drei Beschwerden über den AWD gemeldet. Denen sind wir nachgegangen.
FORMAT: Sind Sie also im Großen und Ganzen mit den Mitteln, die Ihnen zur Verfügung stehen, zufrieden?
Pribil: Härtere Strafen wären sicher hilfreich. Mit einer Maximalstrafe von 35.000 Euro Geldbuße liegen wir in der EU im unteren Viertel. Auch eine Veröffentlichung der Strafbescheide wäre sinnvoll.

Interview: Angelika Kramer

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