www.untergangs-gurus.com: Das Internet beschert Krisenexperten goldene Zeiten

Die Finanzkrise bedeutet für Tipp-Geber aus dem Internet goldene Zeiten. Sie raten zu Investitionen in Edelmetalle. Der Zulauf ist groß, mit der Angst lassen sich daher auch gute Geschäfte machen.

Der „schwarze Herbst“ mit den krachenden Banken und in den Keller rasselnden ­Aktienkursen hat Walter K. Eichelburg nicht überrascht. Seit Jahren schon erwartet er den Untergang des derzeitigen Finanzsystems. „Viele, viele werden ihr Geld verlieren. Und viele ihre Prestige-Jobs“, sagte der Wiener schon 2006 in einem Interview. Es werde auch Blut auf den Straßen fließen und ­Unruhen und Revolutionen geben. „Nichts anderes als Gold/Silber wird mehr ak­zeptiert werden“, so Eichelburg damals. Zu diesem Zeitpunkt interessierte seine Schwarzmalerei kaum jemanden. Jetzt sieht die Zugriffsstatistik seiner Homepage ( www.hartgeld.com ) aus wie ein ­Internet-Papier zu Boomzeiten: Es geht steil nach oben. „Pro Tag habe ich derzeit 100.000 Hits“, sagt Eichelburg.

Euro zerreißt, Gold hält
Auf der Seite des Consulters und ­Autors geht es darum, dass der Untergang naht und die Konsumgesellschaft zu Grabe ­getragen wird. „Das Geld der Sparer ist verloren. Kredite wird es bald keine mehr geben. Den Euro wird es zerreißen. Erst wenn der Großteil der Schulden abgebaut ist, wird es wieder aufwärts gehen“, sagt Eichelburg. Das werde bei uns erst im Jahr 2015 der Fall sein. Als Krisenwährung sieht er Edelmetalle – daher werde der Goldpreis noch in Schwindel erregende Höhen klettern.

Seriöse Endkampf-Seite
Der 56-jährige ehemalige VA-Tech-Angestellte, der sich seit 25 Jahren als ­Investor betätigt, glaubt, dass seine Seite „sicher seriös“ ist. „Es ist halt meine Meinung, natürlich“, sagt er. Und so liest man vom „Endkampf“, davon, dass Geldabhebungen in Deutschland beschränkt seien. „Holt das Geld von der Bank – solange es noch geht!“, steht da, ein Bild zeigt aufgebrachte Bürger, die offenbar vor einer Bank in der Schlange stehen.

Auf Hausbank hören
Andere halten solche Aufforderungen, die Bargeldbestände von der Bank abzuziehen, für extrem unseriös. „In Geldangelegenheiten ist Vertrauen das Entscheidende“, meint Herbert Pichler, Geschäftsführer der Sparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer Österreich. Aus diesem Grund sollte man vor allem unbekannten Seiten im Internet nicht blindlings trauen. „Besonders wenn wer hohe Rendi­ten verspricht, muss man vorsichtig sein, denn das ist immer mit hohem Risiko verbunden“, sagt Pichler. Daher sei das Beste, in Geldangelegenheiten zuerst einmal den Rat der Hausbank einzuholen.

Teurer Rat
Insofern sollte man sich nicht vorschnell freuen, wenn man im ­Internet entdeckt, „Wie Ihr Geld bei der größten Geldentwertungsentwicklung der letzten 60 Jahre sicher bleibt und wie Sie damit mitten in der Krise sogar Gewinne erzielen“. Zwar verspricht Bernd Heim, Vorstandsmitglied der deutschen „Vermögensschutzberatung“, Renditen von 19,7 Prozent „auch in schlechten Jahren“. Doch Garantien gibt es keine, und dieser Rat ist teuer, wie das Kleingedruckte zeigt: Zu einer Einschreibegebühr von einmalig 2.990 Euro fallen ab dem zweiten Jahr noch jährliche Verwaltungsgebühren von 990 Euro an.

Hungriger Nachbar vor der Tür
Eine grundsätzliche Abkehr von unseren derzeitigen Zahlungsmitteln propagiert der Deutsche Gerhard Spannbauer. Auf seiner Internetseite www.krisenvorsorge.com warnt er eindringlich davor, dass alles Papiergeld bald wertlos sein wird. Um für die Krise gewappnet zu sein, sollte man sich auch fragen, was man in Zukunft essen werde, was man tut, wenn der Strom ausfällt, und wie man sich davor schützt, „wenn der hungrige Nachbar vor der Türe steht“.

Armbrüste und Macheten
Antworten auf diese Fragen hat Spannbauer auch – sein Shop verkauft nicht nur Getreidemühlen, sondern auch Elektroschockgeräte, Armbrüste und Macheten. Bezahlt werden müssen diese Artikel übrigens noch ganz konventionell mittels Überweisungen. Spannbauer, der seinen Werdegang „vom arbeitslosen Schreiner zum erfolgreichen Unternehmer“ beschreibt und laut eigenen Angaben einen Porsche 911 Cabrio fährt, hat auch ein Buch geschrieben. Thema: „Wie man sein Einkommen mit weniger Aufwand verdoppelt.“

Verschwörungen und Hexenrituale
Auch zum Thema „Finanzcrash“ gibt es ein Buch von Spannbauer. Erschienen ist es im deutschen Kopp-Verlag, der auch die „Geheimakte Mond“ und andere Werke mit Verschwörungstheorien herausbringt. Im Angebot des Verlags ist um 9,95 Euro übrigens auch ein Hexenritual-Set mit Räuchermischung und Kohletabletten. Helfen soll diese Mischung gegen „Existenzängste“ – auch im „schwarzen Herbst“.

Von Miriam Koch

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