Wirtschaftsfaktor Biene

Wirtschaftsfaktor Biene

Über viele Jahre wurde die Leistung von Wildbienen und gezüchteten Honigbienen für die Landwirtschaft unterschätzt. Heute weiß man: Sterben die Bienen, drohen dramatische Auswirkungen auf das weltweite Angebot an Lebensmitteln.

In Gleisdorf in der Steiermark kommt es vor, und auch in manchen Ge­genden der Wachau ist immer wieder davon zu hören: Wenn im Frühjahr die Obstbäume zu blühen beginnen, werden die Bauern nervös. Das hat mit dem Wetter zu tun, weil sich so ein starker Frost wie im vergangenen Jahr furchterregend auf die Ernte auswirken kann. Das hat aber auch mit den Bienen zu tun, besser gesagt mit dem Mangel an Bienen, der die Erträge auf den Obstbäumen sinken lässt. Die Regel ist einfach: weniger Bienen, weniger bestäubte Blüten, weniger Obst – und weniger Geschäft.
Die Biene bringt nämlich nicht nur Honig und Kerzen, sie ist durch ihre Tätigkeit als Bestäuber nicht nur unersetzlich für die Artenvielfalt, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor: Rund 80 Prozent aller Blütenpflanzen werden durch sie bestäubt. Allein in Österreich tragen Bienen dadurch mit 500 Millionen Euro pro Jahr zur Gesamtwirtschaftsleistung bei, durch Honig kommen noch einmal rund 56 Millionen Euro dazu.

Unentgeltliche Dienstleistung

Über viele Jahre wurde die Leistung von Wildbienen und den gezüchteten Honigbienen für die Landwirtschaft unterschätzt. Heute weiß man: „Sterben die Bienen, drohen dramatische Auswirkungen auf das weltweite Angebot an Lebensmitteln“, sagt etwa Kaspar Bienefeld (sic!), der an der Humboldt-Universität Berlin zu Bienen forscht. Wo diese Insekten fehlen, verlieren Tiere und Menschen an Nahrung – und Bauern ihr Geschäft. Ohne Bienen fällt die Ernte von Erdbeeren bis zu 90 Prozent geringer aus, bei Ölfrüchten wie Raps und Sonnenblumen drohen Rückgänge von über 40 Prozent, auch Zwiebeln, Karotten, Tomaten oder Äpfel wären massiv betroffen.

Alarmiert vom weltweit zunehmenden Bienensterben haben französische und deutsche Wissenschaftler deshalb errechnet, was Insekten wie die Biene der Weltwirtschaft jährlich durchs Bestäuben von Pflanzen bringen. Sie kamen auf 153 Milliarden Euro. Für rund 80 Prozent davon sind die Bienen verantwortlich, und das entspricht fast acht Prozent des Gesamtwertes der globalen Nahrungsmittelproduktion.

Ein Massensterben der Bienen würde zwar nicht sofort zu Hungersnöten führen, doch die Landwirtschaft würde sich massiv verändern. In Gegenden, wo das Bienensterben stark fortgeschritten ist, greift man deshalb bereits auf Hilfsmittel zurück. In der chinesischen Provinz Sichuan bestäuben sehr viele Menschen die Obstbäume neuerdings mühevoll per Hand. In Kalifornien reisen Imker mit Trucks an und schicken gegen Bezahlung ihre Bienenvölker los. An von Blüte zu Blüte fliegenden Bienenrobotern wird bereits gearbeitet. Dass diese Maßnahmen Zucht- und Honigbienen ersetzen können, wird aber bezweifelt. „Es ist billiger und ökologisch sinnvoller, die Bienen als natürlich Bestäuber zu erhalten“, sagt der Bienenforscher Bienefeld.

Doch Nachhilfe ist aufgrund von regio­nalem Bienenmangel auch in Österreich bereits gefragt: „Einige Bauern in der Steiermark und in der Wachau greifen auf so genannte Bestäubungsimker zurück“, sagt Christian Boigenzahn vom Imker-Dachverband „Biene Österreich“. Rund 45 Euro kostet der Einsatz angemieteter Bienen, ein neues Geschäftsfeld für Imker. Von ihnen gibt es heute viel zu wenige: Vor rund 20 Jahren gab es 30.000 Imkereibetriebe, heute sind es 25.000. Zumindest der Rückgang bei Imkern – neben Parasiten, Pestiziden und Monokulturen ebenfalls ein Grund für den Bienenmangel – scheint aber gebremst. Denn: „Die Biene ist ein bisschen in Mode“, so Boigenzahn.

Sympathieträger Sumsi

Das sieht man selbst in der Stadt: Auf der Staatsoper und am Wiener Burgtheater wurden Bienenstöcke aufgestellt; die Erste Stiftung erntete im vergangenen Jahr immerhin 30 Kilogramm Honig von ihrem Bienenvolk auf der Secession. So wie es der Sparkassenverein über viele Jahrzehnte tat, trägt die Erste Stiftung die Biene sogar im Logo. Auch das bienengeschmückte Sumsi-Sparbuch von Raiffeisen ist ein Dauerbrenner.

Die Biene steht als Symbol vor allem für das Sparen und Sammeln, zunehmend aber auch für ihren Einsatz für den Menschen. Dass sie bedroht ist, macht sie als Symbol noch wichtiger. Die Lebensmittelkette Hofer setzt sich für ihren Erhalt ein. In ihrer Firmenzentrale wird gerade ein Bienenhaus errichtet, ein Pestizidprogramm soll die Biene nachhaltig schützen und Produkte, die es nur dank der Biene gibt, werden extra ausgewiesen. Das soll gut für die Biene sein. Aber auch gut fürs Geschäft.

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