"Wir sind keine wüsten Kapitalisten“

"Wir sind keine wüsten Kapitalisten“

Unternehmer und Ex-ÖVP-Obmann Josef Taus prüft die Übernahme von Schlecker-Filialen in Österreich und Deutschland. Damit würde seine Gruppe die Milliarden-Umsatz-Schallmauer durchbrechen.

Mit 79 Jahren steht der frühere ÖVP-Spitzenpolitiker Josef Taus vor einem Höhepunkt seiner Unternehmer-Karriere. Seine Management Trust Holding (MTH) ist ein ernst zu nehmender Kandidat für die Übernahme von Schlecker Österreich mit knapp 950 Filialen. Einige Standorte der insolventen Drogerie-Diskontkette in Ostdeutschland könnten ebenfalls ins Portfolio der MTH wandern. Damit würde Taus den Umsatz seiner Gruppe mit einem Schlag von derzeit rund 700 Millionen auf eine Zahl weit jenseits der Milliarden-Euro-Marke pushen. Zur möglichen Schlecker-Übernahme erklärt Taus: "Wir stehen am Beginn einer Prüfungsphase, haben aber nicht viel Zeit für eine Entscheidung. Fix ist: Wir nehmen nur das, was wir können. Unangenehm ist, dass alles gleich in der Zeitung steht.“

Dabei hat Taus in den vergangenen Jahren auch ohne Schlecker-Coup - weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit - eine schlagkräftige Firmengruppe geschmiedet. Im mit Februar zu Ende gegangenen Geschäftsjahr bilanzierte die Holding mit einem Vorsteuergewinn von 42 Millionen Euro. Das Beteiligungsreich spannt sich von Pharmafirmen über Spezialisten für Verkehrsleitsysteme und Zutrittskontrollen bis zu landwirtschaftlichem Maschinenbau.

Stille Expansion

Die bekanntesten Aushängeschilder sind allerdings die in der MTH Retail unter Führung von Taus-Schwiegersohn Martin Waldhäusl gebündelten Handelsfirmen Libro und Pagro in Österreich sowie Mäc Geiz und Pfennigpfeiffer in Deutschland.

Waldhäusl, der rund 700 Filialen und vier Marken in zwei Ländern unter seinen Fittichen hat, stapelt tief: "Für österreichische Verhältnisse sind wir eine schöne Gruppe. International haben wir aber noch nicht ganz die relevante Schwelle überschritten. Da sind Unternehmen wie Kik oder Müller mit bis zu 3.000 Standorten weit größer.“ Gestaltungspläne für eine mögliche Neuausrichtung von Schlecker will er erst in ein paar Wochen bekanntgeben - fix ist aber, dass die Marke Schlecker nicht fortgeführt wird. Eventuell würden die Austro-Filialen auf Mäc Geiz umbenannt werden. Mit dieser Kette gebe es die meisten Synergien, weil Mäc Geiz als Non-Food-Diskonter ebenfalls Drogeriewaren im Sortiment hat.

Turnaround-Rezepte

Sanierungserfahrung kann man Taus und Waldhäusl spätestens seit der Libro-Rettung nicht absprechen. Ersterer erläutert die Erfolgsfaktoren: "Die besten Führungsleute übernehmen wir - wenn es nicht läuft, muss man aber auch Köpfe austauschen. Wir veranstalten keine Blutbäder unter der Belegschaft und versuchen, so viele Mitarbeiter wie möglich mitzunehmen. Denn wir sind keine wüsten Kapitalisten.“ Als weitere Stärke der MTH nennt Taus die jahrzehntelange Erfahrung der Führungsmannschaft und der Eigentümer. Wichtig sei die richtige Balance aus Rechnern, Marketingleuten, Technikern und Strategen.

Gelenkt wird das Reich vom niederösterreichischen Guntramsdorf aus sowie von einem Palais im Diplomatenviertel in Wien-Wieden. Mit Stefan Juhls ist zuletzt ein neuer dynamischer Manager von Eurobilla in die MTH-Gruppe eingezogen.

Taus selbst lebt demonstrative Bescheidenheit vor. Barocke Büroausstattung oder sonstige Statussymbole sind ihm, der in einfachen Verhältnissen aufgewachsen ist, fremd. Ganz im Gegensatz zum jetzt in die Pleite gerutschten Schlecker-Gründer Anton Schlecker. Dieser kutschiert trotz Insolvenz seines Unternehmens in Porsches der Modellreihen 911 und Cayenne, Aston Martin oder einem raren McLaren Mercedes - ein Umstand, den die deutsche Presse gerne genüsslich ausbreitet.

Erfolgsgeschichte

Die letzten Unternehmenszahlen scheinen Taus Recht zu geben. Seit dem Geschäftsjahr 2009/10 legte der Umsatz um satte 40 Prozent zu. Mehr als 5.000 Mitarbeiter arbeiten für die Gruppe.

Einzig mit der Sanierung des oberösterreichischen Motorradherstellers KTM scheiterte Taus Anfang der 90er-Jahre spektakulär. Und sein Mitwirken an der Übernahme der bulgarischen MobilTel und deren anschließendem Verkauf an die Telekom Austria gemeinsam mit Ost-Geschäftsmann Martin Schlaff bescherte ihm neben mehreren Millionen Euro auch negative Presse. Eine Fortsetzung dessen erlebte Taus bei den geheimnisvollen Deals der Telekom in Serbien. Seinem unternehmerischen Ruf haben die Affären nicht genutzt, aber auch nicht nachhaltig geschadet.

Als ÖVP-Urgestein hält der Wiener mit seinen wirtschaftspolitischen Ansichten ungern hinterm Berg: "Die Lage zeigt, dass statt Wirtschaftspolitik in Europa der Irrsinn regiert. Österreich ist klein, und dadurch leider hilf- und harmlos. Aber es müssen dringend Anreize für mehr Investitionen her. Woher soll sonst die Nachfrage kommen - von einer immer ärmer werdenden Bevölkerung wohl kaum.“ Auch an Basel III lässt er kein gutes Haar: "Die Lage ist fatal. Österreich ist ein reiner Befehlsempfänger. Wir haben nichts zu reden.“

Taus selbst ist bereit zu investieren. Er könnte im fortgeschrittenen Alter zum Chef der nach Spar zweitgrößten rein österreichischen Handelsgesellschaft werden.

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