"Wir brauchen einen neuen Generationenvertrag"

"Wir brauchen einen neuen Generationenvertrag"

Format: Überalterung der Bevölkerung, Schieflage im Pensionssystem, immer weniger Geld für die Bildung - was dürfen junge Menschen von der Zukunft erwarten?

Peter Filzmaier: Es gibt drei mögliche Szenarien, wie sich Österreich in den kommenden zwei Jahrzehnten entwickeln kann. Szenario 1: Die Politik treibt das Spiel wie bisher weiter, das Rentenalter wird nur langsam angehoben, dafür werden die Ausgaben etwa für Bildung radikal gekürzt. Die Folge wäre, dass sich die Jugend endgültig vom Gemeinwesen verabschiedet und in Parallelwelten flüchtet oder, wenn überhaupt, dann in außerregulären, durchaus auch gewaltbereiten Bahnen politisch aktiv wird. Dann hätten wir eine entsolidarisierte Gesellschaft, die Sozialpartnerschaft wird illusorisch, die Innovationskraft Österreichs würde sinken.

Format: Ist das der größte anzunehmende politische Unfall?

Filzmaier: Nein, es geht noch schlimmer. Die Politik verharrt im Stillstand und beginnt viel zu spät mit Änderungen. Dann würde in den nächsten Jahren viel Geld für ein nicht aufrechterhaltbares Pensionssystem verschwendet werden, das erst recht zusammenbricht. Gleichzeitig bleiben dann keine Mittel für die Zukunftssicherung übrig, also für Bildung, die Forschung oder eine vernünftige Kinderbetreuung, um die Geburtenrate langfristig wieder zu steigern. Dann hätten wir neben unzufriedenen Jungen auch noch desillusionierte Alte, die beide für antidemokratische Bewegungen ansprechbar wären.

Format: Gäbe es auch eine positive Zukunftsvariante?

Filzmaier: Die gibt es selbstverständlich auch, bedingt aber die politische Einigkeit aller an der heimischen Politik Beteiligten. Es kommt zu einem neuen Generationenvertrag, der sich nicht nach der politischen Mehrheit der Pensionsempfänger richtet, sondern genügend finanziellen Spielraum für Zukunftsinvestitionen lässt. Durch einen raschen Ausbau der Kinderbetreuung und arbeitsrechtliche Maßnahmen wird Kinderkriegen sehr schnell wieder populär gemacht. Wir können es uns nicht leisten, die Geburtenraten erst wieder in 20 Jahren zu steigern. Dazu wird eine gezielte Migration für qualifizierte Personen eingeleitet, und es kommt zu einer generellen Umverteilung der staatlichen Mittel zugunsten von Schule und Bildung.

Format: Für wie wahrscheinlich halten Sie letztgenanntes Szenario?

Filzmaier: Bei Wahlen liegt der Anteil der 16- bis 18-Jährigen unter 3 Prozent. Selbst wenn eine Partei in dieser Zielgruppe um 10 Prozent der Stimmen zulegen kann, verbessert sich das Gesamtergebnis nur um 0,3 Prozent. Wer bei den Pensionisten um 10 Prozent zulegt, steht um 5 Prozent besser da. Dieses Rechenbeispiel kann auch jeder Wahlkampfmanager. Allerdings unterschätzen die Politiker die Bereitschaft der Älteren, etwas zu tun, damit es den Jungen gut geht. Das gibt Hoffnung.

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