„Wir sind nicht die Caritas“ A-Tec-Chef und Investor Mirko Kovats im FORMAT-Interview

Mirko Kovats, Chef der börsennotierten A-Tec, über die Finanzkrise, Gier als gesunden Antrieb und falsche Sozialromantik im Geschäftsleben.

FORMAT: Herr Doktor, Sie gelten als knallhart. Was sagen Sie zu Ihrem Ruf?
Kovats: Das ist eine subjektive Wertung. Mir ist es wichtig, Vereinbarungen klar auszusprechen und einzuhalten. Wenn man das als knallhart bezeichnet, dann bin ich knallhart. Ich bin ein direkter Mensch, vom Wiener Schmäh halte ich wenig.
FORMAT: Ihr Spruch „In Europa studieren sie Soziologie, in Indien Ingenieurwissenschaften“ im Film „Let’s Make Money“ hat Ihnen viel Kritik eingebracht. Sie halten Letzteres für die bessere Wahl?
Kovats: Ich stehe zu diesem Satz, er gibt die Realität wieder. Die Universitäten müssen nachfragegerecht produzieren. Nichts gegen Soziologen, aber in der Volkswirtschaft gibt es Dinge, die „musts“ sind, und Dinge, die „nice to have“ sind. Über das „must“ kann man nicht diskutieren, über das „nice to have“ schon.

"Manager sind Getriebene"
FORMAT: Manager stehen unter Beschuss. Sind sie schuld an der Krise?
Kovats: Es gibt welche, die Fehler gemacht haben, andere wiederum nicht. Manager sind Getriebene. Die Firmeneigentümer setzen sie unter Druck, sie müssen Vorgaben erfüllen. Es werden daher Gelegenheiten genutzt, um Gewinne zu optimieren, was angesichts des Drucks, der auf sie ausgeübt wird, verständlich ist.
FORMAT: Zu diesen Entscheidungsfehlern hat es also kommen müssen?
Kovats: Sie waren innerhalb der Rahmenbedingungen jedenfalls möglich. Ich komme aus der Old Economy und bin kein Fan von Finanzmarktakrobatik. Dass man jetzt gewisse Dinge ändern will, finde ich klug. Die Manager, die Fehler gemacht haben, müssen ersetzt, Banken saniert werden. Ein Unternehmen kann im Jahr nicht mehr als maximal acht Prozent Wertzuwachs haben. Wenn man 20 oder 30 Prozent Wachstum hat, dann nur kurzfristig durch Zockerei. Wird dieses „Wachstumsgesetz“ außer Kraft gesetzt, gibt es irgendwann einen Knall. Dass das US-Wirtschaftssystem morsch war, ist nichts Neues.

"Von Natur aus egoistisch"
FORMAT: Der neue Hoffnungsträger heißt Barack Obama …
Kovats: Ich glaube, dass er eine Aufbruchstimmung vermittelt, was bei John McCain sicher nicht der Fall ist. Leider haben beide keine Ahnung von Wirtschaft.
FORMAT: Beide sollen aber gute Wirtschaftsberater haben.
Kovats: Das hoffe ich sehr. Ich glaube an die Amerikaner. Sie haben eine gewisse Brutalität, Probleme zu lösen. Nicht immer richtig, aber sie lösen sie zumindest. Die Europäer reden viel mehr, jammern auch mehr. Die Amerikaner halten mehr aus. Sie sind flexibler, anders eingestellt. Wenn man hier einen Rolls-Royce hat, sagt der Nachbar, dass man ihn gestohlen hat. In Amerika gratuliert er dir.
FORMAT: Porsche-Chef Wiedeking meinte auf die Frage, ob Kapitalismus den Charakter verderbe, dass in der Gier die Wurzel allen Übels liege. Was sagen Sie?
Kovats: Dass Kapitalismus den Charakter nicht verdirbt. Der Mensch ist von Natur aus egoistisch. Man kümmert sich zuallererst um sich selbst, um seine Familie und dann erst um alle anderen. Der Kapitalismus ist eine Folge dieser Denkweise. Die jetzigen Rufe nach links und noch linker sind nicht haltbar.

"Eine allumfassende Gier"
FORMAT: Hilmar Kopper, Ex-Aufsichtsratschef von Daimler-Chrysler, sagte unlängst, dass Macht eine Sucht sei.
Kovats: Macht ist sicher etwas Faszinierendes, und wenn man sie hat, muss man sie verantwortungsvoll nutzen. Macht muss man auch ausüben wollen, wenn man das nicht kann und will, sollte man die Hände davon lassen.
FORMAT: Wie steht es um die Gier?
Kovats: Die Gier ist der Einzelne, der eine Pension will und in einen Fonds einzahlt. Der Fondsmanager konkurriert mit vielen anderen Fondsmanagern. Das ihm anvertraute Geld muss eine gute Performance bringen. Damit geht er dann zu verschiedenen Institutionen, die ihm Investitionsinstrumente anbieten, etwa Hedgefonds, die ihrerseits gut performen müssen. Es ist also eine allumfassende Gier, die man nicht wegkriegen kann.

"Tochterfirmen keine Sorgenkinder"
FORMAT: 2009 bauen viele Unternehmen im großen Stil Mitarbeiter ab. Auch bei der A-Tec soll jeder Zehnte gehen müssen.
Kovats: Wir sind heuer noch gut ausgelastet, im Bereich Energietechnik sogar bis 2010. Der sonstige Auftragseingang schwächelt, im ersten Quartal werden wir es spüren. Im Februar prüfen wir die Lage, optimistisch bin ich aber nicht. Dennoch: Es ist zu früh, um darüber zu reden. Sie können aber davon ausgehen, dass wir diverse Pläne in der Schublade haben.
FORMAT: Die Sorgenkinder sollen die Tochterfirmen ATB und EMCO sein.
Kovats: Von Sorgenkindern kann ich nicht sprechen, beide erwirtschaften nur einen Bruchteil des Gesamtumsatzes. ATB macht rund 400 Millionen Euro. Die dort hergestellten Industriemotoren stehen wegen Produkten aus China und anderen Niedriglohnländern unter Margendruck. Wir arbeiten jetzt an der Restrukturierung einzelner Bereiche. EMCO ist kein Sorgenkind; wie es im nächsten Jahr wird, lässt sich noch nicht sagen.

"Wollen bei Kupfermine mitbieten"
FORMAT: Sie sollen wieder an der serbischen Kupfermine RTB Bor interessiert sein?
Kovats: Ja, es gibt elf Interessenten, darunter die A-Tec. Bis 30. Jänner erfolgt die Abgabe der verbindlichen Angebote. Wir haben vor, mitzubieten, außer es ändert sich etwas an den Bedingungen der serbischen Regierung.
FORMAT: Kostenpunkt?
Kovats: Das Konzept ist diesmal anders. Ein Drittel soll im Staatsbesitz bleiben, zwei Drittel stehen zur Vergabe. Das Investitionsprogramm ersetzt gewissermaßen den Verkaufspreis. Demnach müssen über fünf Jahre hinweg 300 Millionen Dollar investiert werden – inklusive der Übernahme der Altschulden, die ein Drittel davon ausmachen.
FORMAT: Es sollen auch Firmen aus Russland Interesse zeigen.
Kovats: Ja, aber Oleg Deripaska ist diesmal nicht dabei.

Interview: Silvia Jelincic

Zur Person: Mirko Kovats, 60, ist Mehrheitseigentümer der auf die Bereiche Antriebstechnik und Maschinenbau spezialisierten A-Tec-Gruppe. Das Unternehmen setzte im Vorjahr 2,36 Mrd. Euro um und beschäftigt derzeit 14.214 Mitarbeiter.

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