"Wir setzen dem Berg gerne eine Haube auf, brauchen aber keine Haubenküche."

Gletscher, Seilbahnen, Hotels: Den Zillertaler Geschwistern Schultz gehört das größte Skigebiet in privater Hand. Ein Porträt der Umsatzkaiser von Tirol.

Die schlechte Nachricht: Ös­terreich droht derzeit im Schnee zu ersticken. Die gute Nachricht: Es gibt nicht wenige heimische Unterneh­men, die mit der üppigen weißen Pracht gute Geschäfte machen. Dazu zählt auch die Schultz-Gruppe, ein Unternehmen, das im Tiroler Zillertal beheimatet ist und dessen Kerngeschäft der Tourismus samt Bergbahnen, Hotels, Restaurants und einem Reisebüro ist. Umsatz: 80 ­Millionen Euro. Beschäftigte: 700. Die Schultz sind Österreichs größte private Seilbahnbetreiber. „Gott sei Dank sind wir mit einem gesunden Eigenkapital ausgestattet“, lacht Heinz Schultz, 42, mit 52 Prozent Mehrheitseigentümer der Gruppe. Den Rest der Anteile halten die beiden Geschwister Martha, 45, und Georg, 30, zu gleichen Teilen. Die einzige Fremdbeteiligung hält Hans Peter Haselsteiner. Er ist am Mölltaler Gletscher und am Ankogel über die Strabag Miteigen­tümer.

Vom Bankdirektor zum Touristiker
Doch von nichts kommt nichts. Den Grundstein für das florierende Unternehmen hat der Vater vor 35 Jahren gelegt. Als Bankdirektor in der örtlichen Raiff­eisenbank war er unter anderem für die Errichtung der Spieljochbahn zuständig. Das hat den Mann offenbar auf den Geschmack gebracht. Sein erstes großes eigenständiges Projekt entwickelte er gemeinsam mit seinem Schwiegervater Heinz Hirschhuber: die Bergbahnen Hochzillertal, die heute mit 155 Pistenkilometern (36 Anlagen) das Herzstück des Familienbetriebes bilden. „Wie in allen unseren Skigebieten kann man auch hier bis Ende April Ski fahren“, erzählt Martha Schultz, die für alle Marketingangelegenheiten der Gruppe verantwortlich zeichnet.
Vater Schultz war seinen drei Kindern Heinz, Martha und Georg (dieser studiert noch) ein guter Lehrmeister. „Er hatte nichts und hat alles von der Pike auf­gebaut“, erzählt Heinz. Das Startkapital kam von Mutter Gertrud, die aus einem großen landwirtschaftlichen Betrieb stammt. Die haben schon frühzeitig auf biologische Viehwirtschaft umgestellt. Heute ist die Sennerei Hirschhuber Österreichs größte Privatkäserei. Die Mutter ist mit ihren 64 Jahren noch im Betrieb tätig. „Sie ist die Weise im Hintergrund. Ihr ­Steckenpferd ist unsere Wohnbaufirma, wo sie noch immer die Lohnverrechnung macht“, plaudert Heinz Schultz aus der Schule.

Unter der gestrengen Hand des Vaters
Die Geschwister Martha und Heinz ha­ben schon in jungen Jahren im Familienbetrieb mitgearbeitet. Heinz wollte eigentlich studieren, doch dafür war keine Zeit. Der Vater hatte selbst alle Hände voll zu tun und war darauf angewiesen, von Martha und Heinz entlastet zu werden. „Vater hatte eine knallharte Hand, das war aber gut, sonst hätte mir des nie g’schafft“, erinnert sich Martha. Dafür bekamen die beiden Geschwister von ­Anfang an eine praxisorientierte Ausbildung.
Martha, eine quirlige Tirolerin mit einer guten Portion Schmäh, absolvierte die Höhere Lehranstalt für Tourismusberufe Schloss Klessheim bei Salzburg und interessier­te sich von Anfang an für Marketing. Sie versteht es, Menschen für sich zu gewinnen und die einzelnen Skiregionen gut zu verkaufen. Dass Airliner Lauda mit seiner Niki dreimal die Woche um 99 Euro (samt Skipass) zu Tagesflügen ins Hochzillertal abhebt, ist ihr Verdienst. Im Frühjahr lädt sie zu „Mountain and Soul“ mit groovi­gem Jazz oder veranstaltet Vernissagen. Auch sonst ist Martha Schultz sehr umtriebig: Sie ist Vizepräsidentin des Tiroler Skiverbandes und seit Juli des Vorjahres Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Tirol und Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft.

Haubenküche ohne Haube
Im Winter konzentrieren sich die Geschwister ausschließlich aufs Business. Erholung suchen beide beim Skifahren, Bergwandern oder Radelfahren. Doch wenn die Saison im April vorbei ist, begibt sich Martha auf Fact Finding Mission in ganz Europa: „Gute Ideen kann ma ja immer guat brauchen“, lacht sie.
Das Juwel der Schultz-Gruppe ist die Kristallhütte im Hochzillertal. Dort sind die Zimmer auf Jahre ausgebucht. Das ­Tiroler Haus spielt alle Stückerln: Die Zimmer sind großzügig angelegt, die Fernsicht ist prachtvoll, und wer Lust hat, kann in Lammfell gehüllt die Sonne auf der Terrasse genießen oder ein Bad im Außen-Whirlpool nehmen. Die Zimmer kosten pro Person 125 Euro inklusive vier­gängigen Menüs.
Da können sich auch Gäste wie Bundes­präsident Heinz Fischer und sein deutscher Kollege Horst Köhler einquartieren, ohne sich den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, in Luxusherbergen abzusteigen. Die Gourmetmenüs haben Haubenqualität. Doch Martha Schultz lehnt solche Auszeichnungen ab: „Wir haben eine Familienausrichtung und wollen hohe Qualität zu leistbaren Preisen anbieten. Wir setzen dem Berg gerne eine Haube auf, brauchen aber keine Haube.“

Familienbetrieb mit 1000 Betten
Zur Schultz-Gruppe gehören neben der Kristallhütte auch das Sporthotel Sillian und das Großglockner Resort. Alles in allem hat der Familiengroßbetrieb tausend Betten. Kinder sind in allen Schultz-Betrieben herzlich willkommen. „Man muss vor allem Kinder beim Skifahren fördern, denn ohne die gibt es keine Zukunft“, so Heinz Schultz.
Für die Zukunft haben die Geschwister Schultz noch viele Pläne. In der nächsten Wintersaison wird die Wedelhütte, ein Pendant zur Kristallhütte, nur ein wenig exklusiver, eröffnet. Und für den 18-Loch-Golfplatz läuft gerade die Umweltverträglichkeitsprüfung. Wenn der erst gebaut ist, kann sich der Familienbetrieb auch im Sommer verstärkt auf den Tourismus konzentrieren.

Von Gabriela Schnabel

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