Wien droht der Kompetenzverlust

In gut einem halben Jahr wird das Büro in Wien aufgelassen, die Heineken-Osteuropa-Zentrale wird nach Amsterdam übersiedeln. Auch wenn dieser Abschied ein leiser ist, läuten doch bei vielen Experten die Alarmglocken. Denn Heineken ist kein Einzelfall. Auch andere multinationale Unternehmen ziehen Funktionen aus Österreich ab.

Wien droht der Kompetenzverlust

"Vor allem Headquarters mit CEE-Kompetenzen kommen zunehmend unter Druck“, meint Brigitte Jank, Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer. Das liegt zum einen daran, dass auch in den anderen zentral- und osteuropäischen Staaten mittlerweile leichter passende Mitarbeiter zu finden sind. Zum anderen, dass viele Ost-Töchter lieber direkt an eine Konzernzentrale berichten. Und drittens daran, dass Unternehmen angesichts des Kostendrucks laufend über Umstrukturierungen nachdenken. Oft werden Support-Funktionen wie IT oder Gehaltsabrechnung ausgelagert und dabei gleich Zuständigkeiten neu geordnet.

Nokia hat im Vorjahr das CEE-Headquarter von Wien nach Budapest verlegt. Japan Tobacco International hat das regionale Headquarter in Österreich aufgelöst. Die Luxusholding Labelux ist in die Schweiz abgesiedelt. In der Austro-Zentrale der Baumarktkette Obi herrscht Angst, dass die Betreuung einiger CEE-Länder an die deutsche Zentrale abgegeben werden muss. Das Problem ist, dass mit dem Abzug nicht nur die Arbeitsplätze in den regionalen Zentralen abgebaut werden. Sondern auch, dass Dienstleister wie etwa Anwälte, Berater und Banken wichtige Kunden verlieren.

Kommen und Gehen

Laut der Plattform "Headquarters Austria“ gab es im Vorjahr in Österreich 308 regionale Headquarters von multinationalen Konzernen. Vier große Headquarters gingen Österreich 2012 verloren. Dazu kommen 22 weitere Unternehmen, die zwar in Österreich aktiv geblieben sind, aber überregionale Funktionen abgegeben haben. Im Gegenzug sind sechs Headquarters im Vorjahr neu dazugekommen - etwa die des rumänischen Softwarebetreibers TotalSoft oder des IT-Dienstleisters CSC. Doch die richtigen Boom-Zeiten, in denen steuerliche Vorteile wie die Gruppenbesteuerung und die günstige Lage zu einem Ansturm neuer Zentralen geführt haben, sind vorbei.

"Österreich besitzt noch immer eine gute Wettbewerbsposition“, sagt der Chef der Betriebsansiedlungsagentur ABA, René Siegl. Er setzt darauf, die Headquarter-Verantwortlichen hierzulande künftig stärker mit Fakten zu versorgen, damit sie Argumente für Österreich in der Hand haben. Mit dem Hervorstreichen der Vorzüge hofft man, weitere Absiedlungen verhindern zu können.

Die Wackelkandidaten

Novartis wird immer wieder nachgesagt, dass Wien die Ost-Zuständigkeit abgeben wird. Das Unternehmen dementiert dies aber beharrlich.

Magna : Im Herbst 2013 übersiedelt Magna von Niederösterreich nach Wien. Ein echtes regionales Headquarter ist Magna in Österreich aber schon jetzt nicht mehr.

Bank Austria : Der "Bank der Regionen“-Vertrag läuft 2016 aus. Fraglich, ob der UniCredit-Chef Federico Ghizzoni danach Wien als Ost-Zentrale halten wird.

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