Wiederbelebung von Asamer

Wiederbelebung von Asamer

Statt kurzfristigen Abverkaufs soll der Krisenteil der Asamer-Gruppe langfristig verwertet werden. Die Restrukturierung verlangt von den Banken viel Geduld.

Ganz rund läuft die Sanierung der Asamer-Gruppe nicht. Die Asamer Basaltic Fibers, eine auf die Entwicklung von Hightech-Fasern aus Basalt spezialisierte Firma, musste am Dienstag, 29. Juli 2014, den Weg zum Konkursrichter antreten. Ein Sanierungsverfahren wird beantragt, um die drohende Zahlungsunfähigkeit noch abzuwenden.

Die Basaltic Fibers ist Teil der als eine Art Bad Bank konzipierten Asamer-Nachfolgegesellschaft Quadracir. Diese entstand, indem der oberösterreichische Bau-Mischkonzern Asamer im Mai mit den Gläubigerbanken einen bislang für Österreich einzigartigen Deal vereinbarte. Der gesunde Kernbereich des Familienunternehmens wurde in die Asamer Baustoffe GmbH übergeführt, während zahlreiche Beteiligungen und kritische Unternehmensteile, etwa das Libyen-Geschäft, in die Quadracir ausgelagert wurden. Dort passiert jetzt eines der größten Restrukturierungsprogramme, die Österreichs Wirtschaft je gesehen hat, jedenfalls eines der größten bei einem Familienunternehmen.

900 Millionen Euro betrugen die Schulden. Runde 500 Millionen wanderten in die Quadracir. Die muss nun durch Entwicklung ihrer Assets und den späteren Verkauf an strategische Partner oder Finanzinvestoren diesen Wert erreichen.

Anderenfalls verlieren die Banken Geld. Der Name Quadracir kommt von "Quadratur des Kreises", was die Schwierigkeit der Aufgabe bezeichnet. Da kommt die drohende Pleite der Faserfirma zur Unzeit, auch wenn man von Unternehmensseite zu beruhigen versucht.

Sanierung statt Zerschlagung. Quadracir-Chef Jörn Trierweiler, ein erfahrener Sanierungsprofi aus Deutschland, ist trotzdem optimistisch, den Turnaround zu schaffen: "Wir sind aus der Intensivstation heraußen. Die Banken unterstützen unsere Sanierungspläne und haben erkannt, dass es für den Kapitalgeber sinnvoller ist, Zyklen abzuwarten, als rasch zu zerschlagen."

Lange Zeit stand Asamer für eine Erfolgsstory. Das einstige Vorzeigeunternehmen hat sich unter Patriarch Hans Asamer seit den 1970er-Jahren zu einem der größten Arbeitgeber Oberösterreichs gemausert. Der Schotterbaron drückte einer ganzen Region seinen Stempel auf.

Waghalsige Immobilienprojekte und nicht ganz ausgereifte Projektideen der Söhne, politische Schwierigkeiten in Ungarn und vor allem die blutigen Auseinandersetzungen in Libyen ließen den Höhenflug platzen. Die Zementproduktion steht dort über weite Strecken still. Es mangelt an Logistik, Infrastruktur und Vertriebskanälen. Der Einflug von Austro-Managern scheitert derzeit an Rebellenkrieg und Flughafensperren.

Druck der Banken. Kein Wunder, dass das Gläubiger-Konsortium -Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Sparkasse Oberösterreich, Oberbank, Bank Austria - die Reißleine zog. Mit der Aufspaltung der Gruppe ging auch die nahezu vollständige Entmachtung der Asamer-Familienmitglieder einher. In der Quadracir spielen die Asamers auch im Aufsichtsrat keine Rolle mehr, da sich das Unternehmen als eine Art Treuhandgesellschaft der Gläubigerbanken versteht. Die drei Söhne haben zwar noch Kontrollfunktionen in der Baustoffe GmbH, aber für Hans Asamer ist klar: Sein Lebenswerk ist ruiniert. Zumal Raiffeisen OÖ auch auf Anteilen der Baustoffe GmbH die Hand drauf hat, falls die Quadracir-Sache nicht klappt.

Die Banken geben Quadracir fünf bis sieben Jahre Zeit zur Sanierung und Umstrukturierung. Diese lange Zeitspanne ist in Österreich bislang einzigartig. Jörn Trierweiler berichtet allerdings, dass dieser Modus in Deutschland unter dem Namen doppelseitige Sanierungstreuhand gebräuchlicher ist: "Die Banken wollen nicht abverkaufen, sondern geben uns eine Chance auf Neuentwicklung. Und wir wollen beweisen, dass wir auf diese Art mehr für sie herausholen können."

Beteiligungsmulti. An entwicklungsfähigen Quadracir-Unternehmensteilen mangelt es nicht. Neben Libyen gibt es zum Beispiel Beton- und Kieswerke in Russland und Rumänien, ebenso Kalk- und Talkrohstoffvorkommen in den beiden Ländern. Insgesamt hält das Unternehmen über 30 Beteiligungen im In-und Ausland, bis hin zu den Skiliften in Gosau.

Den Sanierungsweg unterstützen neben Neo-CEO Jörn Trierweiler auch Deloitte und die Wirtschaftsrechtsexperten Eisenberger & Herzog. Es gibt bereits erste Angebote für Assets, auch wenn diese eher vom Hedgefondsbereich stammen. Für drei Beteiligungen laufen aber laut Trierweiler bereits ernsthafte M&A-Prozesse. Ob die konkursgefährdete Basaltic Fibers auch darunter ist, bleibt jedoch offen.

PERSONALIE - Der Sanierer
Der Deutsche Jörn Trierweiler ist seit über zehn Jahren als Controller und Finanzexperte bei Sanierungsaufträgen aktiv. Seine Visitenkarte ist die Restrukturierung des Anlagenbauers A. Ziemann GmbH sowie des Autozulieferers PLDS Philips & Lite-On Digital Solutions. Seit Dezember 2012 arbeitet Trierweiler für Asamer und ist seit dem heurigen Juni CEO der Quadracir (vormals Asamer Holding).

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