Wie Länder zu ihrem Rating kommen – der S&P-Kreditanalyst A. Strasser im Interview

FORMAT: Ratingagenturen stehen stark in der Kritik, die Europäische Kommission plant strengere Rahmenbedingungen. Haben Ratingagenturen tatsächlich die Macht, über den Fortbestand von Ländern zu entscheiden?

Strasser: Die Aufgabe einer Ratingagentur besteht darin, sich eine Meinung darüber zu bilden, ob ein Schuldner seine Schulden künftig fristgerecht und vollständig bedienen kann. Wir müssen aufzeigen, wo sich bezüglich der Bonität Verbesserungen oder Verschlechterungen ergeben. Diese Aufgabe glauben wir objektiv zu erfüllen.

FORMAT: Wie kommt ein Rating für einen Staat zustande?

Strasser: Der Großteil der Staaten gibt uns das Mandat, Ratings durchzuführen. Eine Minderzahl von etwa 10 Prozent der 127 Länderratings sehen wir uns ohne Mandat an. Grundsätzlich sammeln wir Informationen von den staatlichen Institutionen und planen dann eine gewisse Zeit vor Ort. Dort sprechen wir mit dem Finanzministerium, Wirtschaftsforschungsinstituten, der Nationalbank und anderen wesentlichen Organisationen. Zwei Analysten sind dafür zuständig.

FORMAT: Und diese beschließen auch das Rating?

Strasser: Sie erstellen die Analyse und berufen dann ein Ratingkomitee ein, das aus mindestens fünf stimmberechtigten, also erfahrenen Mitarbeitern besteht. Es werden sowohl die Annahmen der Analyse als auch die Ergebnisse sowie kritische Detailfragen besprochen. Das Komitee entscheidet demokratisch.

FORMAT: Wie oft wird neu geratet?

Strasser: So oft wie notwendig, aber mindestens alle zwölf Monate. Ein Analyst sieht sich das Rating ständig an. Wenn sich Fakten maßgeblich verändern, beruft er ein Ratingkomitee ein.

FORMAT: Beschleunigt die Ausnahmesituation einer Krise diesen Prozess?

Strasser: Daten ändern sich schneller und häufiger, Analysten sind stärker gefordert.

FORMAT: Warum sind die Bewertungskriterien so intransparent?

Strasser: Das sind sie nicht, sie sind auf unserer Website frei zugänglich. Staaten etwa bewerten wir nach fünf Bereichen: politischen und wirtschaftlichen Faktoren, externen Einflussfaktoren, dem fiskalischen Bereich inklusive der Eventualverbindlichkeiten und nach monetären Faktoren. Die einzelnen Einflussfaktoren und ihre Gewichtung sind klar aufgezeigt.

FORMAT: Wurden die Kriterien seit der Finanzkrise angepasst?

Strasser: Ja, aber vor allem, was ihre Nachvollziehbarkeit betrifft.

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff