Wie sich die Krise der italienischen UniCredit auf Österreich auswirkt

Die Krise der italienischen UniCredit findet auch hier ihren Niederschlag: Jobs und Rating der Bank Austria wackeln, die AVZ-Stiftung schlittert in ein Desaster.

Harte Zeiten. Für manche sind sie schon Realität. Am Montag dieser Woche, Punkt 16.30 Uhr, wurden die zwölf Mitarbeiter des in Wien ansässigen Aktienhandels- und Analyseteams der UniCredit Bank Austria eilig zu einer Sitzung zusammengetrommelt. Sie seien mit sofortiger Wirkung freigestellt, ihre Mitarbeit werde vorerst nicht mehr benötigt, erfuhren sie dort. Wenige Minuten später wurden die Systeme runtergefahren, die Mitarbeiter hatten keinen Zugang mehr zu ihren Computern.

Zur selben Zeit verkündete Konzernboss Federico Ghizzoni in Mailand einen Rekordverlust seines Instituts in Höhe von 10,6 Milliarden Euro. Nur für das dritte Quartal, wohlgemerkt. In den nächsten Jahren wird in der krisengeschüttelten Bank kein Stein auf dem anderen bleiben, ein groß angelegter Konzernumbau steht den insgesamt noch 160.000 Mitarbeitern bevor, ließ Ghizzoni wissen. Bis 2015 sollen 6.500 Jobs gestrichen werden, der Großteil davon im Investmentbanking. „Die UniCredit ist eine europäische Bank. Aber eine Bank kann nicht alles machen, daher werden wir ein anderes Modell wählen – die UniCredit wird von der Universalbank zur Kommerzbank. Wir werden unser Netzwerk in Italien redesignen und weniger Investmentbanking betreiben.“

Dieses italienische Erdbeben lässt auch in Österreich die Wände wackeln. Auch wenn die Bank Austria, die Österreich-Tochter der UniCredit, vergleichsweise besser dasteht (der Quartalsverlust hielt sich mit 600 Millionen Euro in Grenzen): Sparen ist hierzulande genauso angesagt. 800 der 10.800 Jobs werden bis 2015 gestrichen, verkündete Bank-Austria-Chef Willibald Cernko an jenem schicksalhaften Montag. Dies sei aber über die Fluktuation möglich, versuchte der Bankchef eilig zu beruhigen.

Den zwölf freigestellten Mitarbeitern ist das wohl ein geringer Trost; sie stehen allerdings auf der Payroll der deutschen HVB. Diese Konzernschwester muss weltweit 370 Stellen im Investmentbanking abbauen. Dass der eine oder andere in Wien noch dazukommt, kann nicht ausgeschlossen werden. Dem italienischen Sparstift zum Opfer fällt auch die legendäre alljährliche Investorenkonferenz der Bank Austria in Kitzbühel. Schon 2012 soll sie nicht mehr stattfinden.

Trotz allem überwiegt in Wien aber die Erleichterung, hatte es doch in jüngster Vergangenheit immer geheißen, die Uni-Credit wolle sich aus einzelnen Märkten in Osteuropa gänzlich zurückziehen. Damit würde auch die Stellung der Bank Austria als Osteuropa-Drehscheibe geschwächt. Als möglicher Verkaufskandidat wurde zum Beispiel die boomende Türkei-Niederlassung genannt. Dem schob Ghizzoni aber vorerst einen Riegel vor: Die Türkei und Polen seien „die Juwele“ der UniCredit-Gruppe. Auch Russland und Tschechien stünden weiter im Fokus der Bank. Allerdings werden bestehende Expansionspläne auf Eis gelegt. Etwa in Rumänien, wie der Nachrichtendienst Bloomberg berichtet. 50 UniCredit-Filialen hätten dort heuer noch aufsperren sollen. Daraus wird vorerst nichts.

Desaster für AVZ

Die massive Krise der UniCredit führt auch zu einem Desaster für einen früheren Bank-Austria-Eigentümer und jetzigen UniCredit-Aktionär, die der Stadt Wien nahestehende AVZ-Stiftung. Denn gelingt es der UniCredit, wie geplant, ihr Kapital um 7,5 Milliarden Euro aufzustocken, wird die Stiftung endgültig in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Zuletzt soll der Anteil der AVZ-Stiftung auf knapp unter ein Prozent abgesunken sein. Diverse Kapitalerhöhungen und Eigentümerwechsel haben dazu geführt, dass die einst mächtige Stiftung – 2001 besaß sie 22,7 Prozent an der Bank Austria – nun definitiv nichts mehr mitzureden hat. Zwar sitzen die AVZ-Vorstände Friedrich Kadrnoska und Franz Zwickl im Board of Directors der UniCredit. Insider gehen aber davon aus, dass sie spätestens mit Auslaufen des „Bank-der-Regionen-Vertrags“ im Jahr 2016 diese Posten verlieren werden.

Noch betrüblicher für die AVZ-Stiftung sind allerdings die Verluste, die sie über die Jahre mit ihrer Bankbeteiligung eingefahren hat. Im Jahr 2001 war ihr Paket an der Bank Austria 1,7 Milliarden Euro wert. 2008, als der Kurs der UniCredit bei 3,6 Euro lag, war das AVZ-Paket noch 430 Millionen Euro schwer. Nach Berechnungen der ÖVP Wien ist der Wert heute schon unter 100 Millionen Euro gerutscht. Denn der Kurs der UniCredit-Aktie legte in den letzten Monaten einen beispiellosen Absturz hin. Die Ankündigung einer Kapitalerhöhung verstärkt die Tendenz nur noch. In nackten Zahlen heißt das für die größte italienische Bank, dass ihr Kurs diese Woche unter 0,74 Euro gerutscht ist und ihre Marktkapitalisierung lediglich bei 14 Milliarden Euro steht.

Dass die AVZ-Stiftung bei der kommenden Kapitalerhöhung mitzieht, wird ausgeschlossen. Sie müsste dafür viele Millionen auftreiben. Geld, das sie nicht haben dürfte. Die Stiftung selbst, in der einige frühere Bank-Austria-Chefs wie Gerhard Randa und Karl Samstag untergekommen sind, schweigt zu Fragen über ihre Zukunft eisern. Nicht so die ÖVP Wien, die sich um die Finanzen der Stadt Wien – per 2010 haftet sie für Schulden der AVZ-Stiftung mit 9,6 Milliarden Euro – sorgt.

„Die Stadt hätte bei einem Verkauf der Aktien im Jahr 2001 noch 1,7 Milliarden Euro lukrieren können. Jetzt können wir froh sein, wenn wir überhaupt etwas davon wiedersehen“, heißt es aus dem ÖVP-Rathausklub. Im Büro der zuständigen Finanzstadträtin bleibt man angesichts der Turbulenzen in Italien gelassen: „Wenn die UniCredit baden geht, dann sind die Haftungen der Stadt Wien auch schon egal“, sagt eine Sprecherin.

Rating wackelt

Doch während man in Wien und in der Bank Austria bemüht ist, die Wogen zu glätten, frischt der unangenehme Wind aus dem Süden schon wieder kräftig auf. Die allseits beliebten Herren der Ratingagentur Moody’s haben der Bank Austria nämlich ihren baldigen Besuch in Aussicht gestellt. Aber nicht, weil deren eigene Zahlen so schlecht wären, sondern weil sie sich Sorgen um die Zahlen der italienischen Mutter machen. Diese könnten auch einen negativen Einfluss auf die Ratings der Bank Austria haben. Und auf einmal könnte das komfortable A2-Rating der größten österreichischen Bank dahin sein. Und dann werden die Zeiten noch einmal spürbar härter.

– Angelika Kramer
Mitarbeit: Florian Horcicka

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