Wie die Fußball-EM Milliarden bewegt

Wie die Fußball-EM Milliarden bewegt

Jürgen Irsigler ist ein richtiger Wettkönig. Der Chef von Admiral Sportwetten hat 2008 darauf getippt, dass Spanien Europameister wird, und er hat den Iberern auch 2010 den Weltmeistertitel zugetraut. Mit seinen Tipps lag Irsigler beide Male richtig.

Heuer ist der Admiral-Chef überzeugt davon, dass Deutschland die Fußball-Europameisterschaft gewinnt. "100 bis 200 Euro wäre mir dieser Tipp schon wert“, sagt er. Gemäß Admiral-Quote könnte dieser Tipp Irsigler einen Gewinn von 300 bis 600 Euro einbringen.

Doch jetzt, so knapp vor dem Ankick zur Fußball-EM in Polen, steht für Wettanbieter wie Irsigler nicht der eigene Profit im Vordergrund. Großereignisse wie Europa- oder Weltmeisterschaften sollen möglichst viele Neukunden in die Wettbüros oder auf die einschlägigen Internet-Wettplattformen treiben. "In Jahren mit Großereignissen steigt der Umsatz der Wettanbieter um rund zehn Prozent an“, weiß Andreas Kreutzer vom Marktforscher Kreutzer Fischer & Partner.

Nicht gekommen, um zu bleiben

Allerdings ist nur ein geringer Anteil der Neu-Zocker gekommen, um länger zu bleiben. Maximal ein Drittel derjenigen, die bei Großereignissen auf den Geschmack kommen, bleiben dem Wettgeschäft auch danach noch treu. Bei tipp3, dem Sportwettenanbieter der Casinos Austria und der Lotterien, versucht man die Spieler deshalb mit sogenannten "KombiAngeboten“ länger bei der Stange zu halten. "Die Angebote gelten für die EURO und drei Wochen danach auch für die Bundesliga“, erläutert tipp3-Chef Philip Newald.

Kreativität bei den Angeboten und auch im Marketing ist in Österreich auch nötig, um Neukunden zu gewinnen. Denn: "Der österreichische Markt ist sehr entwickelt“, sagt Kreutzer. Was Experten darauf zurückführen, dass der heimische Sportwettenmarkt, anders als in anderen Ländern, schon lange liberalisiert ist. Der Wettbewerb hierzulande ist also hart, findet Irsigler: "Marktanteile sind nur über Verdrängung zu gewinnen.“ Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen seien so in den letzten Jahren heimlich, still und leise vom Markt verschwunden. Zählte der österreichische Buchmacherverband vor vier Jahren noch 38 Mitglieder, so ist er nunmehr auf 30 zusammengeschrumpft.

Der Preiskampf hält sich auch in Grenzen, gedumpt wird kaum. Nur gelegentlich, wenn ein Anbieter neu in den Markt einsteigen will, lockt er Kunden mit günstigeren Konditionen und Quoten.

Milliardenumsatz

Insgesamt 2,8 Prozent der Bevölkerung hierzulande, sprich: mehr als 220.000 Österreicher, konsumieren Sportwetten. Dafür wurden laut Buchmacherverband im Jahr 2010 satte 4,2 Milliarden Euro ausgegeben. Und obwohl immer neue Anbieter, wie etwa vor zwei Jahren die britische William Hill Group, ihr Glück in Österreich versuchen, vertrauen Austro-Zocker vorwiegend auf Altbewährtes. Laut Kreutzer Fischer & Partner ist bwin mit rund einem Drittel Marktanteil der größte Anbieter in Sachen Sportwetten, gefolgt von Admiral, einer Tochter der Novomatic-Gruppe, mit rund 15 Prozent. Die restlichen Anbieter dürften im einstelligen Prozentbereich folgen, auch wenn sich tipp3 auf der Überholspur wähnt. "Wir haben beim Bruttospielertrag (Anm.: Umsatz minus Ausspielungen) rund 20 Prozent Marktanteil. Von den Neukunden landen viele bei uns“, sagt Newald.

Was wohl auch daran liegen könnte, dass sich tipp3 seit heuer verstärkt dem Internet zuwendet. Schon jetzt werden in Österreich 85 Prozent aller Sportwetten per Internet oder Telefon abgewickelt. Tendenz: stark steigend. Das weiß auch bwin-Co-CEO Norbert Teufelberger (siehe Interview) . "Die größten Zuwachsraten sind bei den Live-Wetten zu erzielen“, glaubt er. Auch Wetten per Handy werden zunehmend nachgefragt: Schon 16 Prozent aller bwin-Spieler wetten mobil. Im Mobilbereich konnte Österreichs Sportwetten-Marktführer seinen Umsatz im Jahr 2011 um 92 Prozent auf 20,5 Millionen Euro steigern.

Hoffen auf neue Märkte

Abseits neuer Technologien, die das Milliarden-Business ankurbeln, locken vor allem neue Märkte. Ganz Österreich blickt zurzeit gebannt nach Deutschland, wo eine Liberalisierung des Marktes zumindest nicht mehr ganz ausgeschlossen ist. Erst kürzlich konnten bwin und bet-at-home je eine der begehrten Wettlizenzen im Bundesland Schleswig-Holstein ergattern. Doch die darauf folgenden Wahlen machten den Österreichern einen Strich durch die Rechnung. Die neue Regierung fühlt sich nun nicht mehr an die Lizenzvergabe gebunden. Weitere jahrelange Gerichtsstreitigkeiten scheinen programmiert.

Anders im viertgrößten Sportwettenmarkt Europas, Spanien, wo sowohl bwin als auch Interwetten seit Anfang Juni über eine staatliche Wettlizenz verfügen. Berechtigte Hoffnungen machen sich Anbieter auch auf die Öffnung des US-Marktes, wo weitere Milliarden winken. Vor allem im Zockerparadies Nevada und in Kalifornien, wo dringend Einnahmen benötigt werden, sind die Pläne diesbezüglich sehr weit gediehen.

Aber Legalität fordert auch ihren Preis, in Form von Steuern: Für die spanische Lizenz musste bwin jüngst 33 Millionen Euro nachzahlen, in Frankreich sind neun Prozent Umsatzsteuer zu berappen. Unter dem Strich muss Österreichs größter Sportwettenanbieter heuer mehr als 100 Millionen Euro Glücksspielabgabe in diversen Ländern abliefern.

Hälfte illegal

Aber auch herbe Rückschläge wie der jüngste italienische Wettskandal machen der gesamten Branche zu schaffen. Von insgesamt 350 Milliarden Euro, die weltweit jährlich in Sportwetten fließen, soll rund die Hälfte illegal abgewickelt werden. Der Großteil davon im Fußball. Auch Lotterien-Vorstand Friedrich Stickler warnte kürzlich vor der Gefahr: "Die organisierte Kriminalität benutzt Sportwetten, um Geld zu waschen und zu verdienen.“ Die Wurzel des Übels wird zwar im südostasiatischen Raum vermutet, aber auch das südliche Jugoslawien ist für Wettmanipulation ein fruchtbarer Boden, vermuten Experten. Doch die Konsequenzen sind global: In insgesamt 50 Nationalverbänden, darunter auch Österreich, laufen Untersuchungen wegen "Match-Fixings“.

Admiral-Chef Irsigler gibt der Bedrohung eine konkrete Dimension: "Als vor einigen Jahren ein größerer Wettskandal bekannt wurde, sind unsere Umsätze am darauf folgenden Wochenende um 20 Prozent eingebrochen. Es hat zwei Monate gedauert, bis wir wieder auf unserem normalen Niveau waren.“ So schlimm wird der aktuelle Wettskandal die Branche wohl nicht treffen, glaubt er. Und bekanntlich ist Irsigler ja sehr gut bei Vorhersagen.

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