„Wetten, dass …?“ Glücksspiel-Anbieter freuen sich über klingelnde Kassen

bwin lockt zur WM mit 32.000 Wetten und rechnet mit mehr als 250 Millionen Euro Spieleinsatz von Fußballfans. Auch andere Online-Anbieter werden sich über klingelnde Kassen freuen.

Ausgerechnet Frankreich. Jenes Land, in dem die bwin-Bosse im September 2006 wegen des Verdachts auf illegales Glücksspiel inhaftiert worden waren, hat nun einen Kurswechsel vollzogen: Gleich zwei Lizenzen gab es am Dienstag für den börsennotierten Online-Wettanbieter bwin, eine für Sportwetten, eine für Poker.

Damit kann die Tochter-Firma bwin Entertainment Services auf bwin.fr künftig Wetten anbieten – gerade rechtzeitig zur Fußball-WM.

Aber nicht nur die späte Genugtuung in Frankreich freut die Vorstände Manfred Bodner und Norbert Teufelberger. Sie fiebern auch der Fußball-WM entgegen. Bodner erwartet quasi einen 13. Umsatzmonat. Beim Mitbewerber bet-at-home.com geht man gar von zusätzlichen zwei Monatsumsätzen aus. Das Unternehmen hat während der WM sogar eine Urlaubssperre für die Mitarbeiter verhängt.

Boni für Wettkunden

Die Konkurrenz ist jedoch groß. Mit attraktiven Spielofferten buhlt die Branche schon seit Wochen um die Gunst der Zocker. Bet-at-home.com verdoppelt Einsätze mit Boni von bis zu hundert Euro, und bwin will Neukunden dreißig Euro zahlen, wenn diese zumindest auch so viel setzen. Neben österreichischen Anbietern rühren auch internationale kräftig die Werbetrommel, darunter Sportingbet, Interwetten, Betfair und Gamebookers.

Die Marketingausgaben der Firmen klettern bei solchen Großereignissen traditionell in die Höhe. Bei bwin sind es für die WM kolportierte 200.000 bis 250.000 Euro. Bringen soll der Sportevent bis zu eine Million Umsatz (Bruttospielertrag) – pro Tag. Zum Vergleich: Die Fußball-WM 2006 bescherte dem Online-Wettanbieter zusätzliche 568.000 Euro pro Tag, die EM zwei Jahre später 800.000 Euro pro Tag.

„Wir werden jetzt mehr umsetzen als bei der EM 2008, weil die WM ja auch länger dauert“, sagt Bodner. 2009 erzielte bwin 226,3 Mio. Euro Umsatz (Wetteinsätze minus ausgezahlte Gewinne). Die über 25 Millionen, die jetzt während der Fußball-WM erwartet werden, bedeuten also einen zusätzlichen Monatsumsatz.

32.000 Wetten auf WM-Spiele

Zur WM bietet bwin zu jedem der 64 Spiele im Schnitt 300 Wetten und darüber hinaus auch Live-Wetten an: insgesamt 32.000 Wetten. „Die Klassiker sind Wetten auf den WM-Sieger oder den Spieler mit den meisten Toren“, sagt der bwin-Kommunikationsverantwortliche Matthias Winkler. Es kann zum Beispiel aber auch während des Spiels darauf gesetzt werden, dass in den letzten zehn Minuten noch ein Tor fällt.

bwin rechnet mit mehr als 250 Millionen Euro Spieleinsatz, von denen rund 90 Prozent wieder an die Gewinner zurück fließen. „Die meisten kommen aus Europa“, sagt Bodner.

Auch tipp3-Chef Philip Newald hegt große Hoffnungen: „Wir können so viele Neukunden wie sonst nie gewinnen.“ Großer tipp3-Favorit auf den Titel ist Spanien. Gewinnt der amtierende Europameister die WM, zahlt tipp3 seinen Kunden den fünffachen Einsatz.

Risikobereiten bwin-Zockern würde der Einsatz von nur einem Euro stolze 1.500 Euro bringen, wenn sie auf Neuseeland oder Nordkorea als Weltmeister setzen. Deren Chancen sind freilich gleich null.

Bodner will den Sieger schon ausgemacht haben: „Mit Trainer Maradona und Stürmer Messi wird Argentinien es schaffen.“ Bodners Kunden sehen das aber anders. So wie die tipp3-Spieler glaubt die Mehrheit, dass die Spanier siegen werden.

– Silvia Jelinic

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