Wer mit Wertpapieren Gewinne erzielt, muss ab 2011 ein Viertel abgeben

Wer ab kommendem Jahr Aktien und andere Wertpapiere kauft, muss für die Kursgewinne KESt zahlen. FORMAT zeigt, wo eine teure Falle lauert und wie man noch Schlupflöcher nutzen kann.

Was Sparer seit langem gewöhnt sind, trifft ab dem 1. Jänner auch die Besitzer von Aktien und anderen Wertpapieren: Auf alle Kursgewinne hebt der Fiskus künftig eine KESt von 25 Prozent ein. Das kann ganz schön teuer werden. Wer es zum Beispiel schafft, Aktien um 10.000 Euro zehn Jahre lang mit einer durchschnittlichen Rendite von zehn Prozent zu vermehren und dann Kasse macht, muss künftig 3.984 Euro Steuern zahlen.

Grundsätzlich sollen alle Wertpapiere von der neuen Vermögenszuwachssteuer betroffen sein, also auch Fonds und Kursgewinne auf Anleihen (ausgenommen bleiben Gewinne innerhalb der Zukunftsvorsorge oder anderer Versicherungen). Bisher waren solche Wertpapier-Erträge nach einem Jahr Behaltefrist völlig legal steuerfrei. Künftig ist es gleich, wie lange ein Wertpapier im Depot liegt, es wird bei Gewinnen generell KESt abgezogen.

Letzte Chance vor Jahresende

Allerdings gibt es für Anleger noch ein letztes Schlupfloch. Wer jetzt schon Aktien hält oder diese noch heuer anschafft, bleibt weiterhin von der Wertpapier-KESt befreit, und das noch viele Jahre. Wenn man allerdings die Aktien über Fonds hält, ist die Regelung deutlich komplizierter.

Hier will der Finanzminister nämlich gleich auf zwei Ebenen zugreifen. Die erste ist die Ebene innerhalb der Fonds. Wenn ein Fonds durch den internen Verkauf von Aktien Gewinne erzielt, sind diese künftig KESt-pflichtig, und das unabhängig davon, ob der Fonds schon heuer im Depot lag oder ab 2011 angeschafft wird. Unterschiede bestehen aber auf der zweiten Ebene, den zusätzlichen Gewinnen, die der Anleger erst beim Verkauf von Anteilen erzielt.

Liegt der Fonds vor Neujahr im Depot, kann man diese künftigen Verkaufsgewinne ungeschmälert behalten. Kauft man erst ab Jänner, sind auch diese externen Kursgewinne voll steuerpflichtig. Dazu ein Beispiel: Ein Fondsanleger kauft einen Fonds um 1.000 Euro. Der Fonds erzielt künftig einen Gewinn von 100 Euro durch den Verkauf von Aktien und weitere 100 Euro Ertrag aus noch nicht realisierten Buchgewinnen, also insgesamt 200 Euro Wertsteigerung. Die ersten 100 Euro sind in jedem Fall steuerpflichtig, gleich wann der Fonds erworben wurde, allerdings gibt es bis 2013 eine Einschleifregel. Die KESt für die zweiten 100 Euro werden nur denjenigen Anlegern abgezogen, die den Fonds ab kommendem Jänner kaufen. Fällig wird die KESt auf die 100 Euro Buchgewinn erst, wenn der Fonds verkauft wird.

Aufhebung der Anonymität bei Verlusten

Eine Falle der geplanten Vermögenszuwachsbesteuerung liegt in der Gegenrechnung von Gewinnen und Verlusten. Während die Banken ab 1. Juli erstmals KESt für erzielte Gewinne aus Aktien und Fonds abziehen werden, müssen Anleger entstandene Verluste selbst beim Finanzamt per Einkommensteuer-Erklärung zurückfordern. Man kann aber in einem Jahr maximal so hohe Verluste geltend machen, wie Gewinne entstanden sind. Darüber hinaus verbleibende Verluste verfallen und können nicht in kommende Jahre übertragen werden.

Das hat mehrere Konsequenzen: Erstens muss ein Anleger bei Verlusten im Rahmen der Steuererklärung offenlegen, dass er das Depot Nr. X bei der Bank Y besitzt, und hebt damit selbst die Anonymität auf. Das könnte das Finanzamt auch zu weiteren Fragen veranlassen, zum Beispiel, was sonst auf dem Depot liegt und wo das Geld herstammt. Zweitens besteht die reale Gefahr, dass man KESt für Gewinne zahlt, obwohl unter dem Strich gar keine Erträge erzielt werden. Beispiel: In einem Crash-Jahr verkauft man Aktien mit einem Verlust von 10.000 Euro, die man nicht geltend machen kann. Im kommenden Jahr verkauft man dank einer Kurserholung Aktien mit 10.000 Euro Gewinn, die man voll versteuern muss. Unter dem Strich hat man nichts verdient, aber der Finanzminister hat trotzdem 2.500 Euro kassiert.

– Martin Kwauka

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