"Wenn es keine Euro-Bonds gibt, müssen wir den Euro auf eine Kernzone reduzieren."

FORMAT: Bekommen Sie Gänsehaut wenn Sie an Griechenland denken?
Zehetner: Ja. Ich habe miterlebt, wie sich die Griechen beim EU-Beitritt über die Förderungen gefreut haben. Unser Fehler war, dass wir zugelassen haben, dass sich die Griechen an die Subventionen der EU gewöhnen. Die Hellenen haben das extensiv ausgenutzt und genau das muss man jetzt wieder abstellen.

Ärgern Sie sich darüber, dass die EU noch immer Geld nach Hellas schickt, obwohl das Land defakto pleite ist?

Ja. Die EU muss sich mit den Konsequenzen des eigenen Tuns auseinandersetzen. Die aktuelle Krise zeigt dieses Versäumnis. Man hat eine Währung in Griechenland eingeführt und sich dann über viele Jahre gewundert. Obwohl jeder wusste, der in meinem alter ist, dass das nicht funktionieren wird. Das ist typisch für Politiker die immer denken, wir müssen uns mit den Konsequenzen unseres eigenen Handelns nicht auseinandersetzten.

Warum war von vorherein klar, dass der Euro in Griechenland nicht funktionieren kann?

Griechenland war meine erste Auslandsdestination in meinem ersten Industriejob. Ich bin 1979 nach Athen gefahren und habe mich dort in ein Büro gesetzt und Businesspläne für die Hellenisierung der Steuer berechnet. Damals ist mir bereits der Mechanismus der griechischen Inflation und Außenabwertung aufgefallen. Das Unternehmen für das ich tätig war, hat Militärfahrzeuge partiell in Österreich und Griechenland produziert. Die griechische Arme hat in Schilling bezahlt und so die Inflation mitbezahlt. Sie können Sich vorstellen wie viel das Unternehmen damals verdient hat. Das war unglaublich. 1983 hat der Konzern eine Milliarde Drachmen verdient. Das war damals der profitabelste Konzern an dem der griechische Staat direkt oder indirekt beteiligt war.

Haben Sie eine Vorstellung wie man das Griechenproblem in Griff bekommen könnte?

Eurobonds könnten die Lösung sein. Die Quersubventionierung über Zinssätze kann aber nur mit einer einheitlichen Fiskalpolitik funktionieren. Ansonsten sollte man den Euro auf eine Kerneurozone reduzieren, dann müssen halt die Spanier, die Italiener, die Franzosen wieder eine eigene Währung bekommen, die sie in altgewohnter Manier abwerten können, wenn sie nicht in der Lage sind international konkurrenzfähig zu werden. Es gibt ja auch einige US-Bundesstaaten die auch pleite sind. Nur das Lustige ist, dass von denen niemand spricht. Über die Amerikaner könnte ich mich jetzt zwei Stunden lange aufregen, weil die haben dort viel größere Probleme als Europa. Sie zeigen aber immer nur mit dem Finger auf uns um von den eigenen sensationellen Problemen abzulenken.

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