Wegen fehlender Aufträge des Bundesheeres wackeln bei Steyr SSF 350 Arbeitsplätze

Das österreichische Traditionsrüstungsunternehmen Steyr SSF kommt nur noch schwer an Aufträge des heimischen Bundesheers heran. In Simmering wackeln deshalb 350 Arbeitsplätze.

Im September 2008 regierte bei Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeuge (Steyr SSF) in Simmering noch das Prinzip Hoffnung. Zwei größere Ausschreibungen des österreichischen Bundesheeres standen an – Gesamtwert bis zu 300 Millionen Euro –, und SSF sah sich mit seinem „Eagle IV“ gut gerüstet. Der Eagle sei seinem Hauptkonkurrenten, dem italie­nischen Iveco LMV, technisch weit überlegen, und auch das Kriterium der lokalen Wertschöpfung werde bestens erfüllt, war Lutz Kampmann von der SSF-Mutter General Dynamics damals überzeugt. Allein, es kam anders. Iveco erhielt den Zuschlag für 150 Mehrzweckfahrzeuge, die Ausschreibung über weitere 150 Allschutzfahrzeuge wurde vom Verteidigungsministerium aus budgetären Gründen gestoppt. War im September 2008 noch die Rede davon, dass bei SSF, sollte es nicht zum Zug kommen, 560 Arbeitsplätze wackeln, so sind es jetzt immerhin noch 350. Der Rest wurde bereits gekündigt. Aber die verbleibenden wackeln dafür stärker denn je. „Steyr SSF ist zwar immer noch der größte österreichische Arbeitgeber im Bereich Wehrtechnik, aber ohne Auftrag des Bundesheeres“, zeigt sich Kampmann resignativ. Was ist also passiert, dass der einstige Hauptlieferant des Bundesheeres so ins Abseits geraten ist? „Bei uns entscheidet das bes­te Preis-Leistungs-Verhältnis. Steyr kann nicht automatisch jeden Auftrag bekommen, nur weil es ein österreichisches Unternehmen ist“, sagt Stefan Hirsch, Sprecher des Verteidigungsministeriums. Wesentli­ches Auswahlkriterium sei auch die von Iveco versprochene Wertschöpfung von 51 Prozent gewesen, wähnt man sich auf der sicheren Seite.

Besseres Lobbying  
In der Branche wird ein derartiger Wert jedoch für unrealistisch gehalten. „Iveco produziert in Bozen, wie soll man da auf mehr als 50 Prozent Wertschöpfung kommen?“, fragt ein Rüs­tungsexperte, der anonym bleiben möchte. Was Iveco auch geholfen haben dürfte: das bessere Lobbying. So hatte bei der Auswahl der Fahrzeuge die bei der Wirtschaftskammer angesiedelte Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Wirtschaft ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Diese sei von Anfang an im Lager von Iveco gestanden, ist zu hören. Denn deren Obmann, Hans Empl, hat auch ein Stück vom Iveco-Kuchen ab­bekommen: Der Tiroler Fahrzeugbauer, übrigens ein Vertrauter des ehe­maligen Ver­teidigungsministers Günther Platter, erhielt von Iveco einen 20-Millionen-Euro-Auftrag für Aufbauten von Mehrzweckfahrzeugen. Und noch eine bedeutende Stimme hatte Iveco auf seiner Seite: jene des Wiener Waffenlobbyisten Walter Schön, der auch bei den Eurofighter-Gegengeschäften nicht schlecht ausgestiegen sein soll. Schön ist in der Branche als Lobbyist von Iveco bekannt. Er wollte sich auf FORMAT-Anfrage ­allerdings nicht dazu äußern.

Ausschlusskriterium  
Wann die gestoppte Ausschreibung der 150 Allschutzfahrzeuge wieder in Gang kommen wird, ist nicht bekannt. Schon jetzt stehen aber die Chancen für SSF eher schlecht. Denn in den ursprünglichen Ausschreibungsunterlagen wird eine durchgehende Windschutzscheibe gefordert – ein Ausschlusskriterium für die Steyr-Fahrzeuge. Immerhin ein Trost bleibt Steyr SSF: Die deutsche Bundeswehr hat den Eagle zwei Jahre lang getestet und erst kürzlich 198 Stück bestellt. Der Standort Simmering hat davon allerdings nicht viel. Die Fertigung soll in Deutschland und der Schweiz erfolgen.

Von Angelika Kramer

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