Wegbereiter einer neuen Industrie

Wegbereiter einer neuen Industrie

Mit dem Schlagwort Industrie 4.0 werden revolutionäre Änderungen der Industriewelt prophezeit. Die Voraussetzungen dafür sind bereits vorhanden.

Mit dem Wort Revolution sollte man vorsichtig umgehen, zumal in der Wirtschaft. Doch die Änderungen, die nun auf die Industrie - und damit auf uns alle - zukommen, haben durchaus revolutionäre Züge. Drei gravierende technologische Änderungen haben im Laufe der Geschichte die Industrie verändert: Die Dampfmaschinen im 18. Jahrhundert lösten den ersten Schub aus, später sorgte die Einführung der Fließbandarbeit für eine Beschleunigung der Produktion, ehe die Automatisierung - angetrieben von ausgeklügelten Steuerungen und Robotik - den bisher letzten Umbruch einläutete. Nun steht aber die vierte industrielle Revolution an: Ausgehend von der Vernetzung der Maschinen und ihrer selbstständigen Kommunikation untereinander soll die Produktion von Waren flexibler, rascher und dezentraler werden.

Grundgerüst

Freudig erregte Industrievordenker und Forscher üben sich gerade im Bullshit-Bingo der gut klingenden Schlagworte und Trends: Internet of Things, 3D-Druck, Big Data, Cloud Computing, Ubiquitous Computing (Allgegenwart der Rechner) sind für sich alleine genommen schon wichtige Themen, zusammen bilden sie das Grundgerüst der Industrie der Zukunft. Diese wird auch in den Technologiegesprächen beim Forum Alpbach thematisiert werden, etwa bei der Diskussion "Industrie 4.0" (21. August, 14 Uhr, Erwin-Schrödinger-Saal).

David Rejeski wird dort einer der Referenten sein. Der Direktor des Forschungs- und Innovationsprogramms des Woodrow Wilson International Centers, eines der wichtigsten unabhängigen Forschungsinstitute der USA, gilt als Topexperte für Industrie 4.0, Nanotechnologie und 3D-Druck. Für ihn gehen die jüngsten Entwicklungen Hand in Hand: "Diese industrielle Revolution ging von Deutschland aus, nun werden 3D-Druck und Dezentralisierung für weitere grundlegende Änderungen sorgen", sagt Rejeski. In Ergänzung der cyber-physischen Prozesse in der Produktion würden nun auch cyber-biologische Prozesse diese Veränderungen weiter vorantreiben, auch die Nanotechnologie spiele eine Rolle.

Was heißt das aber konkret? Zunächst sollte festgestellt werden, was Industrie 4.0 nicht bedeutet - nämlich dass der Mensch überflüssig wird. Im Gegenteil: Gerade wenn Maschinen untereinander kommunizieren und Informationen in Sekundenbruchteilen zu logistischen Änderungen führen können, werden humane Kreativität und Organisationsfähigkeit notwendiger denn je. In einer Studie des Fraunhofer-Instituts ist sogar davon die Rede, dass die zu erwartenden Umbrüche zumindest kurzfristig zu einem Mehrbedarf an Personal führen werden. Speziell für komplexe Produktionsaufgaben ist menschliches Zutun unverzichtbar.

Ganze Systeme

Verfeinerte Sensorik von Produktionsmaschinen und Anbindung ans Internet machen es möglich, dass in Betrieben Maschinenbau, Elektrotechnik und IT zu einem ganzheitlichen System verschmelzen. Ein konkretes Beispiel: Beim Kärntner Unternehmen Geislinger, das Teile für Großmotoren herstellt, werden die Aufgaben der einzelnen Mitarbeiter ständig neu berechnet - es gibt keine statischen Arbeitspläne, sondern rasches Reagieren auf neue Aufträge, Warenlieferungen etc. Der Maschinenbauer Trumpf wiederum baut in seine Biegewerkzeuge Chips ein, wodurch diese flexibler agieren können.

Bessere Auslastung, bessere Steuerung der Produktion, Vermeidung von Leerläufen sind einige der Möglichkeiten, die durch das Interagieren von Maschinen möglich werden. Die Produktionshalle der (nahen) Zukunft muss nicht jedes Mal groß umgestaltet werden, wenn sich die Auftragslage ändert oder neue Produkte herzustellen sind.

Technologische Grundlage für diese industrielle Revolution ist unter anderem Breitbandinternet - die entsprechende finanzielle Dotierung des Ausbaus der Internetinfrastruktur in Österreich ist nach Drängen des Verkehrsund Technologieministeriums nun durch: Ministerin Doris Bures darf ab 2016 mit jährlich 200 Millionen Euro für die Versorgung Österreichs mit schnellem Internet rechnen. Aber auch in organisatorischer Hinsicht wird ein Umdenken erforderlich sein - weg von starren Firmenstrukturen, hin zu kleinen, selbstständig agierenden Einheiten. Es führt nach Ansicht von Experten aber ohnedies kein Weg daran vorbei, hier zu investieren - schon gar nicht in einem Hochlohnland wie Österreich.

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff

50 Millionen Euro Umsatz macht die von Ronnie Seunig gegründete Excalibur City pro Jahr und schafft 500 Jobs. Roger Seunig tritt in die Fußstapfen seines Vaters und setzt dessen pittoreske Visionen fort.
 

Business

Roger Seunig - der Ritter von Kleinhaugsdorf