"Was wir liefern, sind auch Informationen, die nicht öffentlich zugänglich sind"

Seine sonore Stimme und seine klaren Analysen - meist zu militärisch komplexen Themen - haben Brigadier Gerald Karner einem breiten Fernsehpublikum bekannt gemacht.

Die Stimme und seine Analysefähigkeit sind Karner geblieben, einzig die Auseinandersetzung mit Heeresangelegenheiten ist für ihn ein wenig in den Hintergrund gerückt. Vor fünf Jahren ließ sich der 56-Jährige beim Bundesheer karenzieren, nach eigenen Angaben, weil er nicht mehr "nur Papier produzieren wollte“.

200 bis 300 Informanten weltweit

Seit kurzem ist Karner nun Geschäftsführer des neu gegründeten Unternehmens Aventus. Seine Analysen will er dort nun Firmen zugutekommen lassen, die auf der Suche nach Informationen jedweder Art sind. Mit "Corporate Intelligence“ oder "Informationsgewinnung“ umschreibt der Jungunternehmer sein neues Betätigungsfeld. Dabei sollen ihm zwischen 200 und 300 Netzwerkpartner, die über den gesamten Globus, mit deutlichem Übergewicht in Ost- und Südosteuropa, verstreut sind, helfen. Anwälte und Lobbyisten zählen ebenso zu diesen Partnern wie ehemalige Angehörige von Nachrichtendiensten, meist persönliche Kontakte des Militärstrategen.

"Was wir liefern, sind auch Informationen, die nicht öffentlich zugänglich sind“, erläutert Karner. Will ein Unternehmen etwa in ein neues Land expandieren, checken die Aventus-Leute die Rahmenbedingungen - von politischen Hintergründen bis hin zu rechtlichen Aspekten - ab. Oder will eine Firma einen neuen Manager einstellen, screenen Karner und sein Netzwerk die infrage kommenden Personen auf Herz und Nieren. Unauffällig, versteht sich.

Auch bei feindlichen Übernahmen ist Aventus zur Stelle und versorgt die Zielobjekte mit interessanten Daten und Storys über den Angreifer. Ein weiteres breites Betätigungsfeld: die IT-Systeme der Unternehmen auf ihre Sicherheit zu überprüfen. Doch die Arbeit Karners reicht über die bloße Informationsbeschaffung und -analyse weit hinaus: Kürzlich wandte sich ein südafrikanisches Land mit dem Bestreben, ein Grenzüberwachungssystem zu errichten, Hilfe suchend an Karner.

Seit das Projekt Aventus Ende letzten Jahres erste Formen annahm, konnte der Herr Brigadier jedenfalls schon fünf Mandate, darunter eines von einem ausländischen Unternehmen, an Land ziehen. Konkrete Kundennamen kann Karner allerdings nicht nennen, denn selbstverständlich ist alles "top-secret“. "Diskretion und Seriosität sind Teil unseres USP“, sagt er. Deshalb möchte er seine Tätigkeit auch nicht mit "Wirtschaftsspionage“ betitelt wissen. "Das hat so etwas Zerstörerisches und richtet sich immer gegen irgendjemanden. Wir wollen aber für Unternehmen tätig sein.“

C-Quadrat-Gründer als Geldgeber

Neben Karner sind im eben bezogenen Aventus-Büro in der Wiener Innenstadt noch drei weitere Leute beschäftigt. Und auch der Firmeneigentümer, Alexander Schütz, Gründer der Fondsgesellschaft C-Quadrat, bringt sich rege mit seinen Kontakten in das Geschäft ein. Schütz, der Karner vor einigen Jahren über einen gemeinsamen Freund kennengelernt hat, ist Feuer und Flamme für sein neuestes Investment: "Es gibt im deutschsprachigen Raum keine Gesellschaft, die diesen Bereich strukturiert und professionell mit derartiger fachlicher Kompetenz und einem so breiten Informationsnetzwerk abdeckt. Ich bin überzeugt, dass jedes zweite börsennotierte Unternehmen wesentlichen Nutzen aus einer Zusammenarbeit mit Aventus ziehen könnte“, meint Schütz.

Tatsächlich kommen die Hauptkonkurrenten am Markt der Business Intelligence aus dem angloamerikanischen Raum: Hakluyt & Company, Central Risks und Kroll heißen die Wettbewerber von Aventus. "Österreichische Firmen legen aber meist auf österreichische Ansprechpartner mit einem Standort in ihrer Nähe Wert“, weiß Karner, der in seiner Zeit vor Aventus selbst für einen internationalen Consultant tätig war.

KMUs im Visier

Anders als die angloamerikanische Konkurrenz will Aventus auch kleinere und mittelständische Firmen als Kunden ansprechen. Karner: "Kleineren Kunden kommen wir natürlich auch bei der Honorargestaltung etwas entgegen.“ So sind KMUs mit einem hohen vierstelligen Betrag für ein Screening mit von der Partie, größere Konzerne können bei komplexeren Aufträgen aber auch mit deutlich sechsstelligen Beträgen rechnen. Gelegentlich kann auch einmal eine Erfolgsprämie vereinbart werden. Dass Aventus bald satte Gewinne abwirft, davon sind die beiden Geschäftspartner Karner und Schütz überzeugt. "Ich glaube, dass Aventus in den nächsten Jahren ein ähnlich dynamisches Wachstum an den Tag legen wird wie C-Quadrat in den ersten Jahren“, meint der C-Quadrat-Chef.

Ganz ohne Militär geht es aber dann doch nicht. Der Name Aventus bezeichnet immerhin einen griechischen Krieger, einen Bogenschützen, der immer ins Schwarze trifft. Das passt, findet Karner, denn auch seine Analysen seien immer sehr treffgenau. Wie etwa diese: "Auseinandersetzungen erfolgen in der Wirtschaft nicht auf einem Schlachtfeld. Sie sind nicht unbedingt fair.“

Zur Person: Gerald Karner, 56, kann auf eine langjährige Karriere beim Bundesheer zurückblicken: Nach Absolvieren einer Offiziersausbildung und eines Generalstabslehrgangs wurde der Oberösterreicher im Jahr 2002 Leiter der Abteilung Militärstrategie im Verteidigungsministerium. 2006 ließ er sich karenzieren und heuerte beim Personalberater Hill International als Managing Partner an. Später wechselte er zu einem internationalen Unternehmensberater, seit Dezember ist er Geschäftsführer der Firma Aventus.

- Angelika Kramer

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