Warum Attila Dogudan an die Börse geht und welche Pläne er hat

Nach dem Börsengang in Istanbul ist die Kriegskasse von Caterer Do & Co randvoll. Das Geld soll für Akquisitionen im großen Stil genützt werden. Die Umsatz-Milliarde kommt für Firmenboss Dogudan in Reichweite.

Vergangenes Wochenende beim Grand Prix von Abu Dhabi, von Abu Dhabi weiter nach London, ein kurzer Abstecher zur Red-Bull-Feier nach Salzburg, und schon geht’s weiter nach Warschau. Stockholm, Brüssel, Zürich, Wien, Mailand und Istanbul waren schon dran oder werden in den nächsten Tagen noch folgen. Die sonst auch nicht gerade spärliche Reisetätigkeit von Attila Dogudan erfährt dieser Tage noch einmal eine deutliche Steigerung. Aber von den Schönheiten dieser Orte hat der Do-&-Co-Boss diesmal nur wenig, denn er hat eine Mission: Er will rund zwei Millionen Stück seiner Do-&-Co-Aktien an den Mann bringen.

Jedes Jahr ein Viertel mehr

Denn Do & Co soll am 2. Dezember als erstes nicht türkisches Unternehmen an der Börse Istanbul debütieren. Allerdings so nicht türkisch ist das Catering-Unternehmen gar nicht, denn neben dem türkischstämmigen Firmenboss und Hauptaktionär Dogudan konnte Do & Co in den letzten Jahren in der Türkei schon beträchtliche Akzente setzen. Seit dem Markteinstieg im Jahr 2005 wuchs das Unternehmen jährlich um rund 25 Prozent. Do & Co erwirtschaftet in Istanbul ein Drittel seines gesamten Umsatzes und beschäftigt hier rund 2.000 der insgesamt 3.800 Mitarbeiter. Tendenz steigend: „Wir werden organisch weiter um die 20 Prozent pro Jahr wachsen, denn bei Turkish Airlines kommen in den nächsten Jahren 80 neue Flieger dazu“, freut sich der Chef über den Erfolg in seiner Heimat. Die stark wachsende Turkish Airlines hat sich mittlerweile zum Hauptkunden des Caterers entwickelt und die AUA überrundet. Istanbul soll Do & Co auch als Sprungbrett Richtung Asien dienen. Mittlerer Osten, Indien und China sollen aus der Türkei vom Caterer beackert werden.

Neben dem Airline-Catering ist Dogudan außerdem mit einem Schulungszentrum für seine Mitarbeiter in Istanbul präsent, und seit rund einem Jahr arbeitet er an einem Prestigeprojekt, dem Luxushotel am Bosporus. 40 Millionen Euro sollen in die Nobelherberge fließen. Genau so viel, wie Do & Co mit der gerade laufenden Kapitalerhöhung einnehmen will. Dogudan ist zuversichtlich, dass er seinen ursprünglichen Bauplan einhalten kann: „Wir warten nur noch auf den finalen Baubescheid, der könnte noch heuer kommen. Ich gehe davon aus, dass wir Ende 2012 – wie geplant – aufsperren können.“

An Geld für den Bau mangelt es jedenfalls nicht, denn neben den 40 Millionen von neuen Investoren sitzt Do & Co auch noch auf einem 60 Millionen Euro großen Cashpolster. Dogudan hat damit Großes vor, er kann sich vorstellen, bald in der Oberliga mitzuspielen. „Jetzt sind wir noch die Kleinsten der Weltgrößten“, sagt der Caterer, der im ersten Halbjahr bereits 223 Millionen Euro umgesetzt hat, bescheiden. Mit dem Geld aus der Kapitalerhöhung im Rücken, angereichert um Geld von der Bank, kann Do & Co zu den ganz großen Käufern im Markt zählen. Obwohl er noch keine konkreten Akquisitionsobjekte im Auge hat, verfolgt der Austro-Türke ein klares Ziel: die Umsatzmilliarde (siehe Interview ).

Großaktionäre verzichten

Für dieses Ziel ist er selbst bereit, einiges aufzugeben, denn Dogudan, bislang mit 54,4 Prozent größter Aktionär, will im Zuge der Kapitalerhöhung mehr als 600.000 eigene Aktien abgeben. Auch der zweitgrößte Aktionär, die zu Raiffeisen Niederösterreich-Wien gehörige DZR Immobilien, folgt seinem Beispiel. Holding-Generaldirektor Erwin Hameseder sieht es mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Natürlich tut es uns leid, dass sich unser Anteil verringert, aber wir sehen den Börsengang in Istanbul als Riesenchance.“ Auch Anlegerschützer Wilhelm Rasinger beurteilt den Schritt positiv: „Das bringt zusätzliche Werbung für das Unternehmen und verstärkte Aufmerksamkeit durch internationale Investoren.“ Des einen Freud, des anderen Leid: Während Istanbul sich also über einen Neuzugang freuen kann, hat die Börse Wien das Nachsehen. „Damit wird die ohnehin schon niedrige Liquidität noch auf zwei Börsen aufgesplittet“, meint UniCredit-Analyst Thomas Neuhold.

Ob die Do-&-Co-Aktie in Istanbul genauso eine Rally hinlegen wird wie dieses Jahr in Wien, muss jedenfalls bezweifelt werden. Denn mit mehr als 130 Prozent Kursplus verweist Do & Co den Mitbewerb im ATX Prime auf die Plätze. Für Dogudan ist die Aktie aber noch immer unterbewertet: „Alle Analysten sagen uns, dass wir viel mehr wert sind.“

Fast so gerne wie über seine Projekte in der Türkei redet der Firmenboss über sein „Baby“ Henry. Die Gourmetlinie (leichte Küche, frisch zubereitete Fertiggerichte), die kürzlich im neuen Billa Corso präsentiert wurde, hat sich in den ersten Wochen ganz nach Wunsch entwickelt und lässt Dogudan jubeln: „Ich sehe im Retail-Bereich noch enorm großes Potenzial.“ Schon im nächsten Halbjahr will er Henry in Wien an zehn Standorten etablieren. Auch in anderen Städten, wo Do & Co schon vertreten ist, wird voll auf Expansion gesetzt.

Dafür steht Dogudan bei der Expansion des Café-Klassikers Demel ein wenig auf der Bremse. Von seinem ursprünglichen Plan, die Zahl der Filialen binnen zwei Jahren auf sechs zu verdoppeln, ist er infolge des Stresses in anderen Bereichen etwas abgekommen. Überhaupt ist der Bereich Restaurants, Hotels und Lounges, in den auch Demel fällt, mit zuletzt 0,1 Prozent plus der am langsamsten wachsende in der Gruppe. Auch das Schließen von Do & Co in den Swarovski Kristallwelten und die schwachen Umsätze im Casino Baden schlagen hier zu Buche.

EURO und Olympia winken

Dogudan kann sich mit der boomenden Event-Catering-Sparte darüber hinwegtrösten. Neben seinem Dreijahres-Exklusivvertrag mit der Formel 1 winkt vor allem das Jahr 2012 mit interessanten Herausforderungen: Do & Co hat den Zuschlag für die EURO in der Ukraine und Polen, den drittgrößten Sportevent der Welt, bekommen, und im Rennen um das Catering für die Olympischen Spiele in London ist das Unternehmen schon in der Finalrunde angelangt. Bei all den interessanten Herausforderungen bleibt Dogudan nur wenig Zeit, sich Gedanken über den aktuellen türkisch-österreichischen Zwist zu machen. Was ihm gar nicht so unangenehm ist. Denn sein Herz schlägt für beide Länder gleichermaßen.

– Angelika Kramer

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