"VW war ihm näher als seine eigene Familie“

"VW war ihm näher als seine eigene Familie“

In einem neuen Buch beschreibt Ex-"Spiegel“-Chef Stefan Aust mit Co-Autor Thomas Ammann den Aufstieg der Porsches und Piëchs und deren Machtkämpfe.

FORMAT: Herr Aust, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit Porsche. Was fasziniert Sie an dieser Familie und Firma?

Stefan Aust: Mich beeindruckt, dass aus dieser Familie immer wieder einzelne Personen entspringen, die das Unternehmen nachhaltig prägen und in eine komplett neue Richtung lenken können. Es gibt drei Personen, die entscheidend für das Unternehmen waren: der alte Ferdinand Porsche, Ferry Porsche und Ferdinand Piëch.

Ferdinand Piëch, der als Aufsichtsratspräsident den VW-Konzern lenkt, ist eine eigene Persönlichkeit. Sie haben ihn oft getroffen. Wie beschreiben Sie ihn?

Aust: Viele halten ihn für schwierig, weil er die Sache, also das Unternehmen, vor alles andere stellt. Wenn ihm da jemand in die Quere kommt, dann kann er sehr heftig werden. Ich war einmal dabei. Solche Ausbrüche wollen die Betroffenen nicht noch einmal erleben. Er ist ein genialer Techniker, ein absoluter Qualitätsfanatiker und ein äußerst erfolgreicher Manager. Und er kennt sich mit dem Thema aus: Man sagt ihm nach, er könne ein Auto im Dunkeln auseinandernehmen und verbessert wieder zusammenbauen.

Thomas Ammann: Sogar die Gegner von früher sprechen heute mit großem Respekt von ihm und geben etwa zu, dass er als Vorstandschef bei Volkswagen der beste Mann für den Job war.

Piëch war einst Volkswagen-Vorstandsvorsitzender und lenkt seit zehn Jahren als Aufsichtsratspräsident die Geschicke des Unternehmens. Dann versuchte die Familie mit Porsche diesen Riesenkonzern zu schlucken. Haben sich die übernommen?

Aust: Piëch sitzt an entscheidender Position in einem Unternehmen, das vielleicht bald der größte Automobilkonzern der Welt sein wird. Und die Porsche Holding SE hält über 50 Prozent an dieser potenziellen Nummer eins. Da ist offensichtlich viel gelungen.

Dennoch hat man Familiensilber verscherbelt - etwa die Porsche Holding in Salzburg.

Ammann: Die man aber über die Integration in den VW-Konzern, an dem man die Mehrheit hält, ja wieder zurückbekommen hat.

Die Fusion bedeutete für Wendelin Wiedeking das jähe Ende - er war einst Piëchs Liebling.

Aust: Nun, das ist ein Drama. Wiedeking war lange Jahre Ferdinand Piëchs Mann; einer, dem er die Sanierung von Porsche zutraute. Die Grundidee, dass alles unter ein Dach kommen sollte, hatten beide. Sie waren sich nur nicht einig darüber, unter welchem Dach das stattfinden sollte. Da war Piëch der VW-Konzern näher als der seiner Familie, also Porsche.

Die Herrschaften bei Porsche sind schon in einem gesetzten Alter. Wer folgt nach?

Ammann: Das ist eine spannende Frage. Der Porsche-Piëch-Clan umfasst mehr als 60 Mitglieder.

Und was ist mit Ferdinand Piëchs jüngstem Sohn, Gregor Anton, der gerade 18 Jahre geworden ist?

Aust: Dieser Name fällt zuweilen.

Wer ist der tatsächliche Chef der beiden Familien?

Aust: Ferdinand Piëch war und ist es inzwischen wieder, die stärkste Persönlichkeit im VW-Konzern, zu dem jetzt ja auch die Firma Porsche gehört. Dabei ist er gar nicht der offizielle Sprecher der Piëch-Linie. Das ist sein Bruder Hans Michel. Bei den Porsches ist das eindeutig Wolfgang Porsche.

Warum sind die beiden Familien so verfeindet?

Ammann: Das hat lange Tradition, wie vieles bei Porsche. Schon in den 70er-Jahren waren sich die Vettern aus der dritten Generation "voll in die Wolle geraten“, weil sie sich nicht einig waren, wer bei Porsche das Sagen hat.

Aust: Die Eskalation kam mit der Übernahmeschlacht um Volkswagen, als es darum ging, wer wen übernimmt. Aber letztlich geht der Kampf auch um die Frage: Wer ist wirklich Erbe des großen Ferdinand Porsche?

Welche Rolle soll dabei Ursula Piëch, die Frau von Ferdinand Piëch, spielen?

Ammann: Sie wird natürlich künftig eine zentrale Rolle spielen, als Aufsichtsratsmitglied und Chefin von Ferdinand Piëchs Stiftung. Nach seinem Tod soll sie über das Erbe wachen. Und seine zwölf Kinder haben dieser Regelung schon zugestimmt.

Porsche ohne Familie - wäre das denkbar?

Aust: Nein. Die Familie hilft der Marke, sie prägt auch das Unternehmen. Sie müssen einmal erleben, wie Familienmitglieder bei Porsche-Treffen fast wie Heilige verehrt werden.

Zur Person: Gemeinsam mit Co-Autor Thomas Ammann hat Stefan Aust (Bild), langjähriger Chefredakteur des deutschen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel“, die Porsche-Saga geschrieben. Das Buch ist aus einer vierstündigen TV-Dokumentation hervorgegangen und beschreibt Aufstieg und Machtkampf der Porsches & Piëchs.

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