Vor fünf Jahren hat sich die italienische UniCredit die Bank Austria einverleibt

Das Zentrum Europas liegt für UniCredit-Chef Profumo in Italien. Nun droht er, die Bank Austria könnte ihre Osteuropazentrale verlieren.

Nur noch wenige Tage trennen Alessandro Profumo von seinem Tauchurlaub in Asien. Vielleicht strahlt der UniCredit-Boss deshalb so eine Zufriedenheit aus. Vielleicht aber auch, weil sein Resümee über die letzten fünf Jahre sehr positiv ausfällt. Fünf Jahre ist es nämlich her, dass sich die italienische UniCredit die deutsche HVB und mit ihr auch die Bank Austria einverleibte und so zur größten Bank in Osteuropa wurde. „Wir haben alle Erwartungen der Öffentlichkeit übertroffen. Und wir haben in manchen Punkten sogar unsere eigenen Erwartungen übertroffen“, konstatiert Profumo. Nachsatz: „Aber das verflixte siebente Jahr kommt ja erst.“

Und genau in diesem verflixten siebenten Jahr, also 2012, könnte das Eheglück zwischen Italienern und Österreichern tatsächlich auf eine harte Probe gestellt werden. Ende 2011 läuft ein Teil des „Bank-der-Regionen-Vertrages“ aus. Dann könnte die Bank Austria (BA) in eine Holding umgewandelt werden, die eine Österreich- und eine Osteuropa-Tochter unter sich hätte. Diese Holding müsste aber nicht mehr in Wien angesiedelt sein. Und Profumo macht auch sehr deutlich, dass die CEE-Zentrale nicht auf ewig dort bleiben muss. Vor allem dann nicht, wenn Österreich wirklich eine Bankenabgabe einführt und diese auch noch mit anderen Belastungen – etwa in Ungarn – zusammentrifft. „Natürlich wird man das dann überdenken, schließlich zahlen wir schon genug Steuern“, sagt der Star-Banker. Er hoffe aber auf ein Einlenken der Politik, stellt Profumo der heimischen Politik die Rute ins Fenster.

Mann der Tat

Dass der 53-Jährige kein Mann der leeren Worte ist und seine Pläne in den meisten Fällen in die Tat umsetzt, hat er mehrfach bewiesen. 2005 ist er angetreten, eine europäische Bank zu kreieren. Nicht bloß eine Bank in Europa, sondern die europäische Bank. Gemessen an der Marktkapitalisierung, ist die UniCredit mit 41 Milliarden Euro heute die Nummer sieben des Kontinents und hat sich im Ranking seit 2005 um zwei Plätze nach vorne arbeiten können. Worauf die Italiener aber besonders stolz sind, ist die beinhart durchgezogene länderübergreifende Divisionalisierung. Sprich: die Einteilung in vier Sparten. Drei dieser vier Sparten (Retail, Corporate & Investment, Private Banking) werden aus Mailand gesteuert, nur Osteuropa ist in Wien domiziliert, allerdings unter der Führung des Italieners Federico Ghizzoni. Bank-Austria-Chef Willibald Cernko hat viel für die Divisionalisierung übrig: „So funktioniert die Zusammenarbeit über die Grenzen besser.“

Die Struktur hat aber auch dazu geführt, dass einiges von der Bank Austria direkt zur UniCredit oder zur HVB wechselte: Die ehemalige BA-Tochter BankPrivat ist nun Teil der Division Corporate & Investment Banking. Die frühere Investmentbank der Österreicher, die CAIB, wechselte kürzlich zur HVB, und das Leasinggeschäft der Bank Austria wurde in die UniCredit integriert.

Italianità fordert Opfer

Nicht immer wurden die Zentralisierungstendenzen von Bank-Austria-Managern so goutiert wie von Cernko. Der frühere Investmentchef Willi Hemetsberger ging ebenso wie Regina Prehofer, Ralph Müller oder Ex-Chef Erich Hampel. „Wenn die Italiener gute Leute nicht wirklich mitarbeiten lassen, dann gehen diese halt irgendwann“, meint ein ehemaliger Top-Manager resignativ. Auch im Executive Management Committee, dem wichtigsten Strategiegremium der UniCredit, ist nicht BA-General Cernko, sondern sein Vorstandskollege Ghizzoni vertreten. Letzterer wurde soeben von Profumo auch zu seinem Stellvertreter berufen: ein weiteres Indiz, dass die CEE-Kompetenz in Wien wackeln könnte.

„Die Italianità, also die Besinnung auf die italienische Identität, hat sich nach dem Zukauf der Capitalia durch die UniCredit sicher verstärkt. Da mussten eben einige Italiener mit Top-Posten versorgt werden“, erläutert ein Ex-Bank-Austrianer.

Auch die gescheiterten Verhandlungen der Bank Austria um Staatskapital dürften nicht dazu beigetragen haben, dass sich die UniCredit dem österreichischen Standort stärker verbunden fühlt. Hedwig Fuhrmann, ehemalige Betriebsratschefin und jetzt in der Innenrevision der Bank Austria, glaubt dennoch nicht an einen Abzug der Osteuropazentrale: „Die Politik wird die Konsequenzen für den Standort sicher noch einmal überdenken.“ Allerdings sollte sie nicht vergessen – Profumo ist kein Mann der leeren Worte: „Make decisions and stick to them – das ist meine Devise.“

– Angelika Kramer

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