Vom Zug zum Zinshaus: Clemens Schneider, der neue Conwert-Chef

Vom Zug zum Zinshaus: Clemens Schneider, der neue Conwert-Chef

Clemens Schneider, der Vertrauensmann des Bauindustriellen Hans Peter Haselsteiner, wechselt von dessen "Rail Holding", die die Westbahn managt, zum Immobilien-Konzern Conwert. Dort soll er für Ruhe und Renditen sorgen. Es gibt aber auch Kritiker.

Sein Büro in der Wiener Alserbachstrasse hat Clemens Schneider bezogen, Zinshäuser in Wien und Deutschland besichtigt und Aktenberge studiert. Anfang Februar hat der der 49-jährige den Chefsessel des Immobilienkonzerns Conwert übernommen. Der ehemalige ÖGB-Finanzchef gilt als Vertrauensmann des Bauindustriellen Hans Peter Haselsteiner ("HPH“), dessen Privatstiftung größter Einzelaktionär der Conwert ist. Zuletzt leitete Schneider Haselsteiners Zugunternehmen Rail Holding. "Ein Fokus auf den Kunden, sprich den Mieter, ist für die Conwert jetzt sehr wichtig“, sagt Schneider im FORMAT-Gespräch.

Seit sich die Gründer rund um Günter Kerbler aus dem Unternehmen vor drei Jahren zurückgezogen haben, herrscht große Unruhe: Viele verdiente Immobilienmanager wie Jürgen Kelber und Volker Riebel verließen die Conwert ebenfalls. Während die Aktien anderer Immo-Firmen zuletzt stark profitierten, kämpft die Conwert mit sich selbst: 2012 schrieb das Unternehmen 155 Millionen Euro Verlust, harte Restrukturierungsmaßnahmen samt Personalkürzungen folgten - diese Woche stufte auch Goldman Sachs die Aktie trotzdem auf "sell“ herunter.

Groscherlgeschäft Hausverwaltung

Der derzeit amtierende Verwaltungsratsvorsitzende und gelernte Investmentbanker Johannes Meran vernachlässigte offenkundig das "Groscherlgeschäft“ Hausverwaltung und die mühsame Portfolio-Bewirtschaftung zugunsten großer Deals - mit Konsequenzen in Form von relativ hohen Leerständen.

Vor einem Jahr kaufte die Conwert 60 Prozent am deutschen Wohnunternehmen KWG um 260 Millionen Euro. Laut den aktuellen Strategie-Plänen soll Deutschland der wichtigste Markt werden: Bis 2015 will das Unternehmen den Deutschland-Anteil auf 80 Prozent erhöhen. Allerdings warnen Experten bereits, dass die Preise dort bald wieder fallen werden, vor allem in Ostdeutschland.

Auch Hans Peter Haselsteiner dürfte mit der Deutschland-Expansion nicht ganz glücklich sein. Wie FORMAT erfuhr, bot die Conwert ihr gesamtes Deutschland-Portfolio im Spätherbst 2013 dem Konkurrenten Immofinanz zum Kauf an. Ein Abschluss kam jedoch nicht zustande. "Hans Peter Haselsteiner will mit der Conwert ein risikoarmes Geschäft zu vernünftigen Renditen“, so Aktionärsvertreter Wilhelm Rasinger.

Misstimmung im Verwaltungsrat

Mit der Kür von Clemens Schneider will HPH dieses Interesse gewahrt wissen. Allerdings stößt Schneiders Bestellung einigen Mitgliedern des Verwaltungsrats sauer auf. Sie bezweifeln, dass er den Job kann. Der Headhunter präsentierte neben Schneider auch eine Reihe ausgewiesener Immobilienexperten. Schneider hingegen kommt nicht aus der Branche, sondern hatte beim ÖGB nur am Rande mit Immobilien zu tun.

Aber Haselsteiner und Schneider verbindet eine lange Geschichte: Beide sind Freimaurer. Und Schneiders Vater war als früherer Creditanstalt-Vorstand Haselsteiners Geschäftspartner. Gerüchten zufolge half Schneider senior dem jungen HPH vor vielen Jahren mit einem Kredit für ein Nordamerika-Geschäft aus einer Notlage.

Von Kritik an seinem Schützling, der von Bekannten auch als durchsetzungskräftiger "Rabauken“-Typ beschrieben wird, lässt sich der Bauindustrielle nicht beirren. "Flexibilität, schnelle Auffassungsgabe, Zielstrebigkeit, Krisenerfahrung und Nachhaltigkeit - diese mitunter widersprüchlichen, aber wichtigen Eigenschaften vereint Clemens Schneider“, lobt Haselsteiner. Seine Entscheidung wird nicht mehr diskutiert.

Fakten

- Günter Kerbler gründete mit Johann Kowar Conwert im Jahr 2001. Ein Jahr später folgte der Börsegang. (ISIN AT0000697750)

- 2010 stieg die Investmentgesellschaft Petrus Advisers als Kernaktionär ein, Kerbler und Kowar schieden aus. Im März 2012 verkauft Petrus Advisers die Anteile an die Privatstiftung des Industriellen Hans Peter Haselsteiner weiter.

- Hans Peter Haselsteiner ist mit 24,4 Prozent größter Einzelaktionär. Institutionelle Investoren halten 41 Prozent, der Rest gehört zwei Investmentfirmen bzw. ist in Streubesitz.

- 2,8 Milliarden Euro beträgt das Immobilienvermögen. Rund 74 Prozent der Immobilien befinden sich in Deutschland. 2012 schrieb conwert 154,6 Millionen Euro Verlust (EBT)

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