Vom Deregulierungsminister zum Fonds-
manager: KHG war mehr privat als Staat

Karl-Heinz Grasser setzte sich als Finanzminister für Privatisierung, Deregulierung und den Kapitalmarkt ein.

Sieben Jahre, vom Jahr der schwarz-blauen Wende 2000 bis zum Jänner 2007, war Karl-Heinz Grasser Finanzminister – bei seinem Antritt mit 31 Jahren der jüngste der Zweiten Republik. Zuvor war Grasser, der als ein politischer Ziehsohn des jüngst verstorbenen Jörg Haider galt, vier Jahre lang Landeshauptmannstellvertreter in Kärn­ten. Dazwischen verdiente der Sohn ­eines Autoverkäufers seine Brötchen im Magna-Konzern von Frank Stronach. Als Politiker wurde Mister Nulldefizit bekannt durch seine markigen Sprüche („Ein guter Tag beginnt mit einem ­sa­nierten Budget“) und seinem Leitspruch „Mehr privat, weniger Staat“ – ebenso durch einen lockeren Umgang mit Geschenkannahme, wie bei seiner umstrittenen, von der Industriellenvereinigung finanzierten privaten Homepage oder Yachtausflügen mit Julius Meinl und Wolfgang Flöttl.

Respektable Kritiker
Neben dem Schwiegersohn-Image baute sich Grasser eine Reihe respektab­ler Kritiker auf, die ihm vorwarfen, seine Politik ziele einzig auf Showelemente ab, gehe aber an der verantwortungsvollen Aufgabe eines Finanzministers vorbei. Empirische Belege für diese Vorwürfe gibt es mehrere. So wurde Grassers Bud­getdefizit von 1,2 Prozent aus dem Jahr 2004 erst vor zwei Wochen nachträglich von der Europäischen Eurostat-Behörde auf 4,4 Prozent angehoben. Grund waren 7,5 Milliarden Euro Schuldennachlass des Bundes gegenüber den ÖBB, die Eurostat als defizitwirksam betrachtet hatte, Grasser hingegen nicht. Während seiner Amtszeit betrieb Grasser konsequente Privatisierungspolitik und initiierte Gesetze zur Stärkung des Kapitalmarktes. Heute fordert selbst der bekennende Hayek-Fan Grasser mehr Regulierung für die Finanzmärkte.

Glamour-Faktor
Der Kärntner ist seit 2005 mit der Swarovski-Erbin Fiona Pacifico Griffini verheiratet, mit der er laut Angaben der Tageszeitung „Österreich“ ein 900 Quadratmeter großes Penthouse in der Wiener City um 30.000 Euro Monatsmiete beziehen will. Seit seinem Ausscheiden aus der Politik ist Grasser in erster Linie als Manager der Meinl International Power Ltd (MIP) in Erscheinung getreten. Die kolportierte Jahresgage für sein MIP-Mandat beträgt um die zwei Millionen Euro. Seit Monaten kämpft Grasser aber nun schon um sein berufliches Überleben bei der MIP, das sich am 13. November endgültig entscheiden sollte: Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung in Wien soll die externe MIP-Managementgesellschaft, die zu zwei Dritteln der Meinl-Bank und zu einem Drittel Grasser gehört, von der Londoner Audley Capital Advisors von Michael Treichl, Bruder von Erste-Bank-Chef Andreas Treichl, übernommen ­werden. Treichl gilt als Meinl-Intimus, Grassers Job als vorerst gerettet.

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