Volksbank lässt Federn: Geheime Businesspläne zur Zukunft der Volksbank

Faule Kredite und Ostgeschäfte belasten die Volksbanken-Bilanz. Keinen Cent Dividende wird der Staat für 2010 sehen. Zudem wird der Verkaufsprozess für die Ostholding VBI zur wahren Zitterpartie.

In der Volksbanken AG (ÖVAG) bleibt kein Stein auf dem anderen. Das Spitzeninstitut des Volksbankensektors gilt seit Ende 2008 als Sanierungsfall. Eine Milliarde Euro Partizipationskapital hat die Republik bereits in die Bank gepumpt – bislang ohne Gegenleistung. Weil die ÖVAG bisher Riesenverluste schrieb, konnte sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Im Gegensatz zu Erste Bank oder Raiffeisen Zentralbank, die ihre Partkapital- Dividende brav ablieferten, liegt die ÖVAG mit 93 Millionen Euro im Minus.

Geheimer Verkaufsplan

Für 2010 wird der Staat wohl wieder leer ausgehen. Das geht zumindest aus einem FORMAT exklusiv vorliegenden Statusbericht über die Volksbanken AG hervor. Das Papier speist sich aus Mitteilungen der Finanzmarktaufsicht und der Nationalbank an das Finanzministerium und soll der EU-Kommission zur Bewertung übermittelt werden. Das Dossier beinhaltet brisante Informationen, wie etwa die unveröffentlichte Jahresbilanz 2010, den vertraulichen Businessplan 2011–2016 („Projekt Mittelstandsbank“) und den Status des Verkaufsprozesses rund um die Ostholding Volksbank International (VBI).

In den Verkauf der VBI (547 Filialen; rund 5.500 Mitarbeiter) wird Volksbank-intern die größte Hoffnung gesetzt. Mehrere Probleme würden sich so mit einem Schlag lösen: Risikovorsorgen und Problemkreditvolumen würden sich reduzieren, Investitionspläne könnten wieder auf Österreich fokussiert werden, und Konjunktureinbrüche in der Region CEE würden die Volksbank AG nicht mehr erschüttern. Zudem würde die Trennung von der VBI die komplizierte Restrukturierung der Kernbank beschleunigen.

Zwei große Bankhäuser zählen zu den VBI-Interessenten: die russische Sberbank und die Banque Populaire. Während die Franzosen, die Aktionäre der VBI sind, nicht mehr als den Buchwert zahlen wollen, sind die Russen laut Statusbericht „engagierter“ – und finanzstärker. Denn für die Sberbank hat die VBI einen strategischen Wert, heißt es: Sie verschafft ihnen schlagartig wertvolle Banklizenzen in neun Ländern.

Deloitte im Datenraum

Für die im russischen Staatsbesitz befindliche Sparkasse verhandeln die Investmentbanken JPMorgan und Société Générale. Rund 150 Personen sind bereits für den „virtuellen“ Datenraum registriert. Die Due Diligence wird von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte und der Rechtsanwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer durchgeführt. Nach Ostern soll ein verbindliches Angebot vorliegen. Die Unterzeichnung der Kaufverträge („Signing“) soll bis Juli stattfinden, der Abschluss des Verkaufsprozesses („Closing“) ist für Dezember geplant.

Sollte es zu keiner Einigung mit Sberbank oder Banque Populaire kommen, wird Volksbanken-Boss Gerald Wenzel zu Plan B greifen – und die Auslandstöchter einzeln verkaufen.

Doch so weit darf es eigentlich gar nicht kommen. Denn laut Statusbericht würde das den straffen Businessplan gehörig durcheinanderbringen. Demnach soll der ÖVAG-Konzern mit 46,5 Milliarden Euro Bilanzsumme im Jahr 2010 in den nächsten fünf Jahren auf 25 Milliarden Euro schrumpfen – und zu einer „Mittelstandsbank“ für KMUs werden. Die Abenteuer im wilden Osten sollen dann endgültig der Vergangenheit angehören.

Turnaround geschafft?

Offensichtlich ist der Turnaround im Jahr 2010 nicht ganz lupenrein. Zwar liegt der Konzerngewinn nach Steuern bei rund 55 Millionen Euro. Doch laut Einzelabschluss baute die ÖVAG 20 Millionen Euro Verlust. Darum wird das staatliche PS-Kapital nicht bedient.

Auch ein genauer Blick in die (noch) unveröffentlichte Jahresbilanz 2010 macht deutlich, dass die Volksbanken noch einige Federn lassen wird. So sitzt die Bank im Konzern auf Problemkrediten („Non-Performing Loans“; NPL) von 3,5 Milliarden Euro. Bezogen auf Kundenforderungen, beklagen die Volksbanken eine NPL-Quote von 14,8 Prozent. Auch hier sind die Ursachen jenseits der Grenzen zu suchen: Während das Österreich-Geschäft eine NPL-Quote von 7,8 Prozent aufweist, sind die Vergleichszahlen für Kroatien (14,3 Prozent), Rumänien (26,4 Prozent) und die Ukraine (58,9 Prozent) ein Horror. Für heuer rechnen die ÖVAG-Bilanzexperten daher mit einem Anstieg der Problemkredite von 300 Millionen Euro.

Im Vorjahr mussten Kreditrisikovorsorgen von mehr als 360 Millionen Euro gebildet werden, geht aus dem „Vorläufigen Konzernergebnis per 31. Dezember 2010“ hervor. Doch das wird nicht ausreichen. Schon jetzt steht fest, dass der Sicherheitspolster gegen Kreditausfälle in den nächsten fünf Jahren um weitere 500 Millionen Euro aufgefüllt werden muss.

Angesichts der angespannten Finanzlage finden es hohe Beamte im Finanzministerium beachtlich, wie engagiert Volksbank-General Wenzel und sein Aufsichtsratspräsident Hans Hofinger die Abschichtung des staatlichen PS-Kapitals vorantreiben. Offenbar sitzt die Angst tief, den Staat im Aktionärskreis zu haben.

Insgesamt hat die Volksbanken AG eine Milliarde Euro Staatshilfe in Anspruch genommen. Der ambitionierte Plan: Noch heuer sollen 300 Millionen Euro abgeschichtet werden. Die lokalen Volksbanken, denen 58,2 Prozent der ÖVAG gehören, sind dabei. Die anderen Aktionäre – die deutsche DZ-Bank hält 25 Prozent, 10 Prozent gehören der Ergo Versicherung und 6,1 Prozent der RZB – wollen nicht mitziehen. ÖVAG-Boss Wenzel prüft daher alternative Geldbeschaffungsquellen im Konzern wie etwa den Verkauf der ÖVAG-Anteile an der Victoria Versicherung. Im Konzern wurden laut Statusbericht für 2011 rund 190 Millionen Euro als außerordentlicher Buchgewinn aus Verkäufen von Beteiligungen und Immobilien budgetiert.

Schmerzlich wird der Sanierungskurs auch für die Mitarbeiter bleiben. Zwar konnten durch die Fusion von ÖVAG und der auf Unternehmenskunden spezialisierten Tochterbank Investkredit mehr als 20 Millionen Euro eingespart werden. Doch das Management will mehr. Laut Businessplan sollen bis 2016 rund 20 Prozent der 1.400 Mitarbeiter abgebaut sein. Und die Kern-ÖVAG, also ohne Leasing- und Factoring, soll bis 2016 770 Mitarbeiter haben. Das ist nicht sehr viel. Zum Vergleich: Die Bank Austria beschäftigt in Niederösterreich und der Steiermark exakt 770 Mitarbeiter.

– Ashwien Sankholkar

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