Viel Geld und viel Macht: Traumberuf Gutachter?

Viel Geld und viel Macht: Traumberuf Gutachter?

Üppige Honorare und viel Macht auf der einen Seite, wachsender Druck von Anwälten bis zu strafrechtlichen Ermittlungen auf der anderen: das Leben von Gerichtsgutachtern.

Werner Festa will jetzt einmal richtig schön Urlaub machen. Drei Wochen lang, irgendwo auf einer Alm. Möglichst ruhig muss es sein. Schließlich hat der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater zehn Monate praktisch nonstop an einem Gerichtsgutachten zur Causa Hypo Alpe-Adria gearbeitet, seinem bislang größten Gutachterauftrag überhaupt. 2,88 Millionen Euro - inklusive Umsatzsteuer - will Festa dafür.

Dieser Betrag hat nicht nur bei den Anwälten der BayernLB, die mit der Hypo im Clinch liegt, für einen Aufschrei gesorgt. Die Internetforen sind voll mit Beiträgen wie diesem: "Super, den Job hätte ich auch gerne. 1.000 Seiten schreiben und dafür die Gage!“


2,88 Millionen Euro will Wirtschaftsprüfer Werner Festa für ein 1.000-seitiges Hypo-Gutachten. Bild: © Format/Wolfgang Wolak

Tatsächlich ist für Festa der Gutachterjob so etwas wie ein Traumberuf, aber nicht wegen des Geldes, sagt er. "Man erlebt immer wieder Neues, und man bewegt auch etwas. Das hat mit langweiligem Ärmelschonerjob nichts zu tun“, sagt der Sachverständige. So war er mit Richterin Charlotte Schillhammer einmal mit in München und hat Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon befragt. Festa: "Sehr spannend.“

Die Diskussion über seine Honorarforderung kann der 54-Jährige nicht ganz nachvollziehen: "Wir waren ja auch ein Riesenteam.“ Zehn Leute haben insgesamt an dem Hypo-Auftrag gearbeitet. Der durchschnittliche Stundenlohn, so Festa, sei unter 200 Euro gelegen. Sein eigener bei rund 300 Euro. "Verglichen mit der Griss-Kommission ist das nicht übertrieben.“ Die Experten dieser Regierungskommission erhalten 450 Euro/Stunde.

Millionen-Business

In den letzten Jahren gerieten explodierende Kosten für Gerichtsgutachter öfter in die Kritik. Etwa im Fall Meinl: Fünf Gutachter hat der Fall bislang verschlissen. Kostenpunkt: zwei Millionen Euro. Vor allem die Arbeit von Thomas Havranek bleibt im Gedächtnis: Für ein 23-seitiges Vorgutachten kassierte er mehr als 600.000 Euro.

Insgesamt werden österreichweit jährlich mehr als 92 Millionen Euro für Gerichtsgutachten (siehe Tabelle) ausgegeben. Der Löwenanteil entfällt auf Arbeitsrechtsfälle, deren Kosten von der Sozialversicherung gedeckt werden. Aufwände in Zivilverfahren wie dem erwähnten Hypo-Fall zahlt der Verlierer. Bei Strafverfahren muss der Steuerzahler herhalten. 2013 waren das immerhin mehr als 33 Millionen Euro.


Fritz Kleiner war zwei Jahre als Meinl-Gutachter tätig. Von den geforderten 457.000 Euro hat ihm die Justiz erst 80.000 bezahlt. / Bild: © trend/Rene Prohaska

Fritz Kleiner, einer der am besten beschäftigten Gutachter aus Graz, meint dazu: "Für Qualität ist eben zu zahlen. Ich sehe nicht ein, warum ich für den Staat billiger arbeiten sollte als für gerichtsfremde Klienten.“ Ein Honorarabschlag von 20 Prozent im Hinblick auf die öffentliche Aufgabe der Rechtspflege zum Wohl der Allgemeinheit sei ohnehin im Gebührenanspruchsgesetz vorgesehen.

Im Justizministerium ist man sich des Problems bewusst und hat in einem vor Kurzem ergangenen Erlass die Staatsanwälte eigens aufgefordert, die Kosten niedrig zu halten. Auch die Zahl der internen Experten - in der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sind aktuell neun im Einsatz - soll weiter erhöht werden, um zu sparen.

Aber nicht allein die hohen Gutachterkosten werden von Beobachtern als problematisch eingestuft, auch die Beschränkung auf einige wenige Experten sorgt für Kritik. So hat der Rechnungshof in seinem Bericht zu den Staatsanwaltschaften jüngst angemerkt: "Bei den überprüften Staatsanwaltschaften stellte der RH eine Konzentration sowohl von Aufgaben als auch von Ausgaben, insbesondere in Wirtschaftsstrafsachen, fest.“ 2012 entfiel auf die drei meistbeschäftigten Sachverständigen in Wien ein Anteil von 43 Prozent. Insider meinen, dass diese drei die Herren Gerhard Altenberger, Thomas Keppert sowie das Duo Martin Geyer und Matthias Kopetzky sein könnte. Vor allem Altenberger war in letzter Zeit sehr gut im Geschäft: Buwog/Immofinanz, Kommunalkredit, Telekom, Aliyev.


Thomas Keppert hat im Straffall YLine 388.000 Euro gefordert und wird dafür vom Hauptbeschuldigten, Werner Böhm, massiv angegriffen. / Bild: © Format Lukas Ilgner

Vor allem seine Rechnungen im Fall Immofinanz haben die dort engagierten Anwälte in Rage versetzt. Insgesamt 3,86 Millionen Euro will er für seine Arbeit. Aber nicht nur die Höhe seiner Honorare erzürnt die Anwälte, sie seien auch "unüberprüfbar“, bemängelt Rechtsanwalt Otto Dietrich in zahlreichen Beschwerden. Besonders ungewöhnlich: Altenberger verrechnete auch den Kauf von Notebooks, Büromaschinen und eine Büromiete in der Wiener City.

Dietrichs Beschwerden prallen jedoch bei den zuständigen Gerichten ab. "Ich habe noch nie erlebt, dass eine von mir beanstandete Honorarnote reduziert wurde.“ Gutachter hätten sehr freie Hand in der Gestaltung ihrer Einnahmen, findet er.

Gutachter Kleiner sieht das freilich anders, seine Honorarnote im Fall GAK wurde um zehn Prozent reduziert, und im Fall Meinl wartet er seit eineinhalb Jahren auf ausständige 380.000 Euro. "Beschwerden, Einsprüche gegen Honorarnoten oder Ablehnungsanträge sind viel häufiger geworden“, berichtet er.


Gerhard Altenberger ist bei Wiens Staatsanwälten sehr beliebt. Im Fall Buwog/Immofinanz hat er 3,86 Mio. Euro verrechnet. Bild: © Profil Michael Rausch-Schott

Alexander Schmidt, Syndikus des Hauptverbands der Gerichtssachverständigen, bestätigt, dass seiner Zunft ein rauerer Wind entgegenweht: "Der Druck auf die Gutachter hat sicher zugenommen, auch weil sie immer öfter angezeigt werden.“ So wie Gerhard Altenberger, gegen den die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft - wie auch gegen zwei weitere Gutachter - im Fall Birnbacher ermittelt hat. Derzeit wird überlegt, ob die Erhebungsergebnisse in eine Anklage oder eine Einstellung münden sollen.

Auch Festa hat bereits Erfahrungen mit strafrechtlichen Ermittlungen gesammelt: "Das hat mir anfangs sicher geschadet. Vor allem Aufträge für Strafgutachten habe ich eine Zeit lang keine mehr bekommen.“ Doch nun ist wieder alles gut, und der Gutachter hofft, dass er bald sein restliches Hypo-Honorar ausgezahlt bekommt und Folgeaufträge nicht lange auf sich warten lassen: "Es spricht sich bei den Richtern herum, wenn man gute Arbeit geleistet hat.“


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