Vermögenskollaps vorhergesagt: An den Finanzmärkten könnte nächste Blase platzen

Gefährliche Spekulationsblasen, so sagen Experten, hätten sich heuer auf den Finanzmärkten gebildet. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sie mit lautem Knall platzen und wieder die Realwirtschaft treffen.

Die große Firmenfeier zu Weihnachten wurde bei der US-Bank Goldman Sachs im vergangenen Jahr abgesagt. Zu turbulent war der Herbst 2008: Die Immobilienblase platzte und wuchs sich zu einer Finanzkrise aus. Arbeitsplätze gingen verloren, Umsätze brachen ein. Die Traditionsbank Lehman ging pleite. Goldman Sachs selbst flüchtete unter das schützende Dach der US-Notenbank, gab den Titel Investmentbank auf und bekam zehn Milliarden Dollar aus der US-Staatskasse. Heuer wird es ebenfalls kein Weihnachtsfest bei Goldman Sachs geben. Denn man will nicht zu sehr protzen, jetzt, wo das Geschäft besonders gut läuft und an den Finanzmärkten eine Party nach der anderen gefeiert wird.

Die Blasen-Maschine
Goldman Sachs gilt als großer Gewinner der Krise. Das Geld an den US-Staat wurde vorzeitig zurückgezahlt. Für heuer wurde bislang ein Gewinn von 8,4 Milliarden Dollar gemeldet. Das US-Magazin „Rolling Stone“ nannte Goldman Sachs „die große amerikanische Blasen-Maschine“, weil es die Bank schaffe, als Berater, Finanzierer, Vermögensverwalter und Investor immer auf der richtigen Seite des Geschäfts zu stehen. Zudem sind Hauptkonkurrenten an der Wall Street, Bear Stearns, Lehman und Merrill Lynch, geschluckt und praktisch von der Bildfläche verschwunden, Mitbewerber wie Citigroup oder die schweizerische UBS sind angeschlagen.

Goldman gibt sich gelassen
Goldman hingegen glänzt – und steht unter Beschuss. „Ich versteh auch nicht, warum immer die kritisiert werden, denen es ohnehin gut geht“, meint der Österreich-Chef von Goldman Sachs im Gespräch mit FORMAT. Dass demnächst weitere Spekulationsblasen mit lautem Knall platzen und die Weltwirtschaft erschüttern könnten, fürchtet er nicht. „Wenn man den richtigen Investmenthorizont hat, sind Aktien attraktiv.“ Andere machen sich mehr Sorgen. Etwa Nouriel Roubini, der die Krise 2008 kommen sah. Seither wird der New Yorker Wirtschaftsprofessor auch „Dr. Untergang“ genannt. Derzeit prophezeit Roubini den „größten koordinierten Vermögenskollaps der Geschichte“. Dieser werde stattfinden, wenn der Dollar wieder im Vergleich zum Euro erstarkt und Investoren wieder zur US-Währung zurückkehren. Er spricht von einer gefährlichen „Monsterblase“, die mit staatlichem Geld aufgepumpt werde.

Wiederholt sich alles?
Drei Billionen Dollar haben Notenbanken und Regierungen seit 2008 in die Hand genommen, um den Absturz der Weltwirtschaft abzufedern und die Märkte zu retten. Viel war vor einem Jahr davon die Rede, dass die Finanzwirtschaft neue Regeln brauche. Passiert ist wenig. „Die Geschichte ist dabei, sich zu wiederholen“, schreibt der deutsche „Spiegel“: Wieder gebe es zu viel billiges Geld. Wieder gingen zu viele Leute zu hohe Risiken ein. Nur diesmal mit dem Wissen, dass der Staat zur Stelle ist, wenn es hart auf hart kommt. Blasen-Probleme ortet selbst die Europäische Zentralbank (EZB). Die Investoren überschätzten die Wirtschaftsaussichten und schöben die Risiken beiseite, meint EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi. Österreichs Notenbankgouverneur Ewald Nowotny glaubt, dass sich aufgrund des starken Wachstums in Asien „wieder eine Rohstoffpreisblase entwickeln könnte“.

Rohstoffpreise in die Höhe geschnellt
Die Preise für viele Rohstoffe sind heuer stark gestiegen – was auch mit der Dollarschwäche zusammenhängt. Der Preis für eine Feinunze Gold hat sich heuer um rund 35 Prozent erhöht (siehe Artikel ). Für Kupfer und Erdöl wird mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr gezahlt. Der Preis für Blei ist um 140 Prozent gestiegen. Auch vielen Aktionären ging es heuer gut – ungeachtet dessen, dass die Konjunktur heuer so stark eingebrochen ist wie lange nicht mehr. Um die Wirtschaft anzukurbeln, bleiben die Zinsen vorerst niedrig – was Spekulationen weiter beflügelt. Finanzexperten warnen vor weiteren Blasen – etwa am Immobilienmarkt in China, wo sich die Preise binnen eines Jahres fast verdoppelt haben, und bei gewerblichen Immobilien in den USA. Dem Absturz schon näher ist man in Dubai (siehe auch Absturz im Märchenland ).

Notenbankchef Bernanke kalmiert
US-Notenbankchef Ben Bernanke hält die Ängste vor einer Blasenbildung für übertrieben. Nur bei wenigen Anlageklassen gebe es augenscheinliche Überbewertungen. „Mir sind keine großen Fehlentwicklungen im amerikanischen Finanzsystem bekannt“, sagte Bernanke unlängst in einer Rede. Daten geben ihm Recht: US-Aktien sind zwar seit März um 60 Prozent gestiegen, aber das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2010 ist im historischen Rahmen. Von Höchstständen sind die Börsen noch meilenweit entfernt. Die Kreditvergabe amerikanischer Banken ist relativ niedrig, das spricht dagegen, dass alle mit billigem Geld wild drauflosspekulieren. Auch Alois Wögerbauer von der 3 Banken Generali KAG glaubt ebenfalls nicht an eine allgemeine Blasenbildung an den Börsen. Er ortet in vielen Warnungen „Euphorie, Oberflächlichkeit und Naivität“, denn weder bei Rohstoffen noch bei Aktien sei eine Blase zu erkennen.

Goldene Boni
Statt einer Weihnachtsfeier haben 300 Goldman-Sachs-Mitarbeiter heuer zu Thanksgiving Essen an Bedürftige in New York ausgegeben. Damit das Image der Bank als Krisengewinner und als „Meister der Blasen“ („Wirtschaftswoche“) zurechtgerückt wird. Doch ganz funktioniert das nicht: Mindestens 17 Milliarden Dollar werden heuer bei der Bank allein für Prämienzahlungen zurückgestellt – wenn das Geschäft im Dezember auch gut läuft, wird es noch mehr. Das heißt, im Schnitt wird jeder der 30.000 Goldmänner heuer einen goldenen Bonus von rund 600.000 Dollar verdienen.

Miriam Koch

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