Vergleich statt Prozess: Im Immofinanz-Milliarden Poker wurde Einigung erzielt

Ein Vergleich zwischen Immoeast, Constantia B.V. und Fries-Gruppe steht. Alle müssen Verluste schlucken, die Kleinaktionäre verlieren rund 220 Millionen.

Mehr als einem Dutzend Bankmanagern flatterte diese Woche eine schriftliche Information von Rechtsanwalt Markus Fellner ins Haus. Der Jurist ist für jenes Konsortium tätig, das im Herbst 2008 die Constantia Privatbank (CPB) für einen Euro übernehmen musste. Und die Nachricht war für Bank Austria, Erste und Raiffeisen ausnahmsweise erfreulich: Fellner steht vor einer Einigung im Milliardenpoker zwischen der Immofinanzgruppe, dem Investor Rudolf Fries und der Constantia B.V. von Chris­tine de Castelbajac, der auch die CPB gehört hat. Es geht dabei um den Kern des Skandals rund um die Immofinanz. Deren früherer Boss Karl Petrikovics, gleichzeitig Exgeneral der CPB, hat ohne Wissen der Anleger mit Geld der Immofinanz-Tochter Immoeast in großem Stil Aktienspekulationen innerhalb der Bank betrieben. Rund 1,1 Milliarden Euro hat Petrikovics eingesetzt – und durch den dramatischen Verfall der Immo-Papiere am Ende nahezu komplett verloren.

Vergleich statt Prozess
In der Not musste die Constantia B.V. gegenüber der Immoeast eine Haftung über 512 Millionen übernehmen. Rudolf Fries, der Petrikovics zuvor einen Teil der gekauften Aktien abgenommen hatte, bekam eine Put-Option für seinen gesamten Einsatz (plus Verzinsung) über rund 420 Millionen. Beide Verpflichtungen drohten nach dem Totalcrash jedoch angefochten zu werden – abgesehen davon, dass die Constantia B.V. sie nicht vollständig hätte erfüllen können. Ein riesiger Streit vor dem Kadi stand im Raum. Nun ist ein außergerichtlicher Vergleich unterschriftsreif – bei dem alle Beteiligten kräftig Federn lassen müssen. Christine de Castelbajac muss 400 Millionen Euro hergeben, Fries und die Immoeast-Aktionäre bleiben im Moment mit jeweils etwa 220 Millionen Verlust übrig – und können nur hoffen, dass der Kurs der Aktien wieder etwas steigt. Die Vereinbarung im Detail:

170 Mio Cash für Immoeast
Die Immoeast erhält 170 Millionen Cash. Die Banken schießen der Constantia B.V. das Geld vor. Aus dem bereits eingeleiteten Verkauf von 30 Prozent ihres Verpackungskonzerns Constantia Packaging zahlt Castelbajac den Kredit zurück (Zinssatz und Laufzeit werden noch verhandelt). Weiters werden der Immoeast 36,3 Millionen eigene Aktien übertragen (Wert: aktuell 27 Millionen Euro). Und schließlich bekommt sie das Finanzvehikel DUFF, in dem eine Beteiligung am Laborunternehmen Futurelab (Wert: 50 bis 60 Millionen) geparkt ist, sowie sogenannte Leintuchgesellschaft­en für rund 40 Millionen Euro. In Letzteren befinden sich Immobilien, die Petrikovics als Steuer sparende Bauherrenmodelle aufgelegt hat.

Herausgelöste Managementverträge
Einfach wird es aber nicht für Eduard Zehetner, den neuen Boss der Immofinanz-Gruppe, seinen Aktionären die beträchtliche Differenz zu den 512 Millionen zu erklären, die Petrikovics herausgezogen hat (in Wahrheit fehlen sogar 567 Millionen). Das Hauptargument für Zehetner: Die Managementverträge für Immo­finanz und Immoeast werden gerade aus der Constantia-Bank herausgelöst und gehen demnächst für einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag an die Gesellschaften. Noch im Oktober 2008 wollte die CPB dafür 340 Millionen.

Verzicht auf Put-Option
Die Fries-Gruppe (mit Spitz-Eigentümer Walter Scherb) verzichtet auf ihre Put-Option. Sie behält ihre 56 Millionen Immofinanz-Aktien, deren innerer Wert mit 170 Millionen be­ziffert wird (derzeit liegen sie allerdings nur bei knapp 40 Millionen). Und die Gruppe ­bekommt 20 Prozent der Constantia Packaging: Dieses Paket taxiert Fries auf 160 Millionen. Mit der Constantia B.V. schließt der Investor einen Syndikatsvertrag ab, weshalb auch eine Anfrage an die Übernahmekommission gestellt wird, ob ein Pflichtangebot an die Kleinaktionäre der Packaging gelegt werden muss. Seine Put-Option hielt Fries zwar für wasserdicht, er bezweifelte jedoch die Einbringlichkeit in voller Höhe und ließ sich deswegen auf den Deal ein.

Unterschrift bis Ende März
Für den 3. März ist eine nächs­te Besprechung des Bankenkonsortiums angesetzt. Aber die Sache steht. Bis Ende März soll der Vergleich auch formal über die Bühne gehen. Die strafrechtlichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Petrikovics und Co laufen indes auf Hochtouren weiter.

Von Andreas Lampl

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