Urlaub im Weltraum

Urlaub im Weltraum

Rakete statt Flugzeug, Schwerelosigkeit statt Badestrand: Dieses Jahr starten die ersten Angebote für kommerzielle Reisen ins All. Noch sind die Preise jedoch astronomisch.

Hotels im Weltraum, Luxusressort am Mond oder gleich die exklusive Kreuzfahrt zum Mars. Ginge es nach Science-Fiction-Ideen der 50er-Jahre, würden wir schon längst unsere Urlaubsdestinationen abseits des blauen Planeten wählen. Doch irgendwie war das mit dem Weltraumtourismus nicht ganz so einfach, wie sich Visionäre das vorgestellt hatten. Bremse war nicht etwa mangelnder technologischer Fortschritt - es fehlte schlicht an Unternehmern, die ein derartiges Projekt ernsthaft angehen wollten. Raumfahrt war Regierungssache.

Erst in den letzten Jahren ist frischer Wind in die private Raumfahrt gekommen. Und wieder ist es der Tourismus, der den jungen Weltraumunternehmen zum Erfolg verhelfen soll.

Urlaub auf der Raumstation

Mit dem Titel, "erster Weltraumtourist“ zu sein, kann sich der US-Unternehmer Dennis Tito schmücken. Im Jahr 2001 verbrachte er ganze acht Tage in einer Erdumlaufbahn - sieben davon an Bord der Internationalen Raumstation ISS. Den Eintrag in die Geschichtsbücher ließ sich Tito die stolze Summe von 20 Millionen Dollar kosten. Trotz heftigen Widerstands vonseiten der NASA gelang es noch sechs weiteren Multimillionären, eine Woche an Bord der ISS zu weilen. Der bisher letzte Weltraum-Trotter, Cirque-du-Soleil-Gründer Guy Laliberté, verbrachte 2009 einen 40-Millionen-Dollar-Urlaub auf der ISS.

Noch 2014 will das US-Unternehmen Space Adventures erneut Flüge zur ISS anbieten. Russland spielt bereits mit, die NASA sträubt sich allerdings noch. Der Preis für ein Ticket soll nun bei 50 bis 60 Millionen Dollar liegen.

Ryanair des Weltraums

Angesichts solcher Preise klingt das Angebot von Virgin Galactic geradezu wie die "Ryanair des Weltraums“: 250.000 Dollar soll ein Flug an Bord von "SpaceShipTwo“ kosten. Mehr als 600 Personen haben ihr Ticket bereits reserviert. Die Liste liest sich wie ein Who-is-Who der amerikanischen A-Prominenz: Ashton Kutcher und Justin Bieber haben sich ihren Platz genauso reserviert wie auch Steven Hawking und Leonardo DiCaprio.

Gründer von Virgin Galactic ist Richard Branson, Boss der Virgin-Gruppe und bekannt für seine Weltrekordversuche mit Ballon und Segelboot. Noch ist sein Raumfahrzeug jedoch nicht bereit für den kommerziellen Einsatz. Erst vor wenigen Wochen machte man den ersten - erfolgreichen - Test des Raketentriebwerks. Technisch soll bereits Ende dieses Jahres der Weg für tägliche Flüge in den Weltraum frei sein. So die Hoffnung. Im Vergleich zum mehrtägigen Aufenthalt auf einer Raumstation ist das Angebot von Virgin Galactic allerdings etwas dürftig. Gestartet wird nicht mit einer Rakete, sondern via Flugzeug: Das eigentliche Raumshuttle "SpaceShipTwo“ ist an den Bauch des Trägerflugzeugs "LauncherOne“ geschnallt. Erst in einer Höhe von 10.000 Metern koppelt sich das Shuttle mit den Passagieren ab und zündet eine kleine Raketenstufe. Wenige Minuten später ist, in 110 Kilometern, die Maximalhöhe erreicht. Mehr als ein paar Momente der Schwerelosigkeit und ein kurzer Blick auf den Rand des Weltraums dürfte sich für die Fahrgäste nicht ausgehen. Für eine Umrundung der Erde reicht die Leistung von SpaceShipTwo bei Weitem nicht aus - dazu müsste sie rund zehnmal höher sein.

Bürokratie

Die derzeit größte Hürde wurde Branson bisher von unerwarteter Seite in den Weg gestellt: Die amerikanische Flugsicherheitsbehörde FAA sieht noch keine Möglichkeit, privaten Weltraumanbietern eine Fluggenehmigung zu erteilen. Obwohl Virgin Galactic nicht gegen Vorschriften verstößt - bisher hat die FAA noch nicht einmal einen Pflichtenkatalog für private Raumflüge erarbeitet. Mindestens bis Oktober 2015 will man sich dafür noch Zeit lassen - begonnen hat man im Jahr 2004. Bransons Plan, noch in diesem Jahr mit den ersten Flügen zu starten, könnte daher an bürokratischer Trägheit scheitern.

Und allzu lange wird Branson den Markt für Suborbitalflüge ohnehin nicht für sich allein haben. Mit XCOR steht ein weiteres Unternehmen kurz vor Fertigstellung seines ersten Raumflugzeugs. "Lynx“ soll 2015 bis zu viermal täglich zahlende Passagiere auf einen 100 Kilometer hohen Parabelflug bringen. Schwerelosigkeit und Weltraumaussicht inklusive. Die Kosten sollen mit 100.000 Dollar nochmals deutlich unter denen von Virgin Galactic liegen. Dafür muss man auf die Gesellschaft exklusiver Mitreisender verzichten. Lynx bietet nämlich nur Platz für zwei Personen: für einen Piloten und einen Passagier.

Einmal Mond und zurück

Deutlich höher hinaus - dreitausend Mal, um genau zu sein - will man da schon bei Space Adventures. Für das Jahr 2017 bietet das Unternehmen die ersten Mondumrundungen an. Angesichts der bisherigen Erfolge von Space Adventures ist dieses Vorhaben durchaus glaubwürdig. An Bord einer russischen Raumkapsel, so der Plan, fliegen zwei Passagiere mit einem Kosmonauten nur 100 Kilometer über der erdabgewandten Seite des Mondes. Space Adventures setzt dabei nicht auf neue Technologien, sondern auf Altbewährtes: Die Technik kommt aus Russland und wurde bereits auf der Raumstation MIR erfolgreich eingesetzt. Über den Preis schweigt man bei Space Adventures noch - obwohl sich schon die ersten Kunden gefunden haben sollen. Experten schätzen, dass eines der ersten beiden Tickets wohl 200 Millionen Dollar kosten wird.

Noch ambitionierter ist der amerikanische Hotelgigant Robert Bigelow. Sein für Weltraumtourismus gegründetes Unternehmen Bigelow Aerospace hat bereits vor zehn Jahren die Entwürfe des stillgelegten TransHab-Programms der NASA gekauft. Dabei handelt es sich um Raumstationsmodule, die sich im Weltall aufblasen lassen - sozusagen das Schlauchboot unter den Raumstationen. Seit 2006 wurden bereits mehrere erfolgreiche Versuche durchgeführt. Beide bisher in eine Umlaufbahn gebrachten Testmodule sind bis heute im Orbit. Wirklich losgehen soll es 2015. Ein erweiterbares Wohnmodul mit 330 Kubikmetern Innenvolumen (ca. so viel wie eine Wohnung mit 100 Quadratmetern) soll den Grundstein für das erste Weltraumhotel legen.

Der Startschuss für die touristische Nutzung des Weltraums scheint gefallen zu sein. Noch sind die Preise für den Trip ins All zwar exorbitant, Experten rechnen in den nächsten Jahren aber mit einer wahren Preisschlacht: Nach Schätzungen der ESA könnte 2025 ein Weltraumflug bereits für unter 5.000 Euro zu haben sein.

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