Unser Guttenberg heißt Philipp: Der Bruder des deutschen Politstars im FORMAT-Porträt

Der Bruder des deutschen Wirtschaftsministers lebt als Forstwirt in der Steiermark, ist österreichischer Staatsbürger und sogar Mitglied der ÖVP.

Deutschland wählte – und die 700 Einwohner eines abgeschiedenen Dorfes in der Steiermark zitterten mit. Sie hielten die Daumen für die CDU/CSU, genauer gesagt für deren Jungstar, den deutschen Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Wieso man sich in Radmer, zwischen den Eisenerzer Alpen und den Gesäusebergen, eineinhalb Stunden von Graz entfernt, für deutsche Politik interessiert, hat einen kaum bekannten Grund: Dort lebt Philipp Guttenberg, 36, der um zwei Jahre jüngere Bruder des blaublütigen Ministers. Philipp Guttenberg hat seine Stimme nicht für die CSU abgegeben. Denn sein Hauptwohnsitz ist in Österreich, und er wählt als Doppelstaatsbürger hier. „Ich bin aber für mich, meinen Bruder, Deutschland und Europa glücklich“, erklärt der Forstwirt, der sich über den Ausgang der Wahl in Deutschland freut.

Wurzeln in Österreich
Seinen Bruder nicht wählen zu dürfen ist für Guttenberg der einzige Wermutstropfen an seiner Übersiedlung vor zehn Jahren: „Österreich ist für mich ein Traumland, ich liebe es.“ Seine Mutter Christiane von und zu Eltz hat steirische Wurzeln und ist Österreicherin, daher hatten ihre beiden Söhne aus der Ehe mit dem Dirigenten Enoch zu Guttenberg immer einen besonderen Bezug zu Österreich. Auch der „große Bruder“ hatte die Doppelstaatsbürgerschaft. Philipp Guttenberg ist als Mitglied des steirischen Bauernbundes sogar Mitglied der ÖVP. Nach dem Schulabschluss 1993 übersiedelte er nach Schottland. Beim Studium der Ökologie und Forstwirtschaft lernte er dort seine Frau kennen. Sie entstammt dem schottischen Hochadel. Mit ihr gemeinsam hielt Guttenberg Ausschau nach Land und fand schließlich in der Steiermark geeignete Flächen. „Es war reiner Zufall, dass wir hierher gekommen sind“, sagt Guttenberg. „Ich habe mir eine Heimat gesucht, und Österreich war für mich die erste Wahl.“ Mittlerweile hat er ein paar Millionen Euro in den Erwerb von knapp 4.000 Hektar Land investiert. Rund die Hälfte davon kann bewirtschaftet werden, der Rest sind Gebirge und Ödland. Dazu kommen noch rund 1.000 Hektar Ländereien in Oberfranken und Hessen. Zum Vergleich: Die Familie Mayr-Melnhof, die größten privaten steirischen Forstbesitzer, kommen auf 27.400 Hektar. Aber Guttenberg ist der amtierende Obmann des steirischen Waldbesitzerverbandes.

Happy-Patchwork-Familie
Nach der Scheidung der Eltern im Jahr 1977 wuchsen die Brüder beim Vater auf. „Ich hatte eine glückliche und schöne Kindheit“, sagt Guttenberg. „Obwohl meine Eltern getrennt waren, haben sie bis heute ein wunderbares Einvernehmen. Und meine Mutter hat uns genauso geprägt in der Erziehung wie mein Vater.“ Inzwischen sind beide Eltern erneut verheiratet und haben weitere Kinder. „Die Familie sieht sich oft. Wir sind eine richtige Happy-Patchwork-Familie.“ Zum berühmten Bruder hat Philipp Guttenberg eine besonders enge Beziehung. „Wir telefonieren fast jeden zweiten Tag.“ Manchmal kommt Karl-Theodor auch zu Besuch nach Österreich, ihm gefällt es hier gut. „Aber jetzt geht sich das leider nicht mehr so oft aus, weil er zeitlich etwas angebunden ist.“ Philipp, der Austro-Guttenberg, besuch­te das Internat Schloss Neubeuern in der Nähe des Chiemsees. Mit dem Chef des Swarovski-Konzerns, Markus Langes-Swarovski, einem seiner ehemaligen Mitschüler, ist er immer noch gut befreundet.
Philipp Guttenberg ist Unternehmer, aber einer vom alten Schlag. Er beschäftigt in der Steiermark einen Förster, einen Forstwart und einen Berufsjäger. Besonders ertragreich ist das Geschäft nicht. „Aber für mich persönlich spielt die Renditebetrachtung eine untergeordnete Rolle“, betont der Baron. Es sei nicht ausschlaggebend, so viel Geld wie möglich in kürzester Zeit zu scheffeln. „Für mich liegt die Rendite darin, dass ich das machen darf, was mir am Herzen liegt.“

Kein Stadtmensch
Gemeinsam mit seiner Frau und drei Kindern (5 und 4 Jahre sowie zwei Wochen alt) lebt der Mann mit dem berühmten Namen in Radmer, direkt am Waldrand. Die Größeren gehen dort in den Kindergarten. „Leider sind es nur noch sieben Kinder in der Gruppe.“ Noch gibt es eine Volksschule in Radmer – mit einer Klasse für alle Schulstufen. Doch es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch diese geschlossen wird, denn viel Nachwuchs gibt es in dem kleinen Ort nicht, dessen besondere Sehenswürdigkeit die Wallfahrtskirche zum heiligen Antonius ist. Übersiedeln will Philipp Guttenberg aber nicht. „Ich bin kein Stadtmensch, ich halte es in der Stadt nicht aus“, sagt er (siehe auch Interview ) . Nach Graz, Berlin und Brüssel reist er dennoch oft: Er ist Obmann des steirischen Interessenverbands der Land- und Forstbetriebe sowie Funktionär der steirischen Landwirtschaftskammer. Außerdem ist er Vizepräsident des Europäischen Waldbesitzerverbands CEPF – und als solcher heuer im Dezember zum Welt-Klimagipfel in Kopenhagen delegiert. Wie sein Vater setzt sich Philipp Guttenberg besonders für den Umweltschutz ein. Komponist Enoch zu Guttenberg war Gründungsmitglied des B.U.N.D. (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und hält vor seinen Konzerten gern engagierte Ansprachen.

ÖVP-Hoffnung Guttenberg?
Politik liegt der Familie im Blut. Das Adelsgeschlecht aus dem oberfränkischen Ort Guttenberg in Bayern wurde im Jahr 1158 erstmals erwähnt. Im 17. Jahrhundert waren Guttenbergs Fürstbischöfe. Philipps Urgroßonkel Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg (1902 bis 1945) war Monarchist und hatte enge Kontakte zu den NS-Widerstandskämpfern. Nach Stauffenbergs missglücktem Hitler-Attentat wurde er verhaftet und im April 1945, kurz vor Kriegsende, von der Gestapo hingerichtet. Großvater Karl Theo­dor war Mitbegründer der CSU in Bayern, Staatssekretär im Kanzleramt und beteiligt am Sturz von Ludwig Erhard. Er gehörte zu den Architekten der ersten großen Koalition in der Bundesrepublik. Bruder Karl-Theodor wird in der neuen Koalition von CDU/CSU mit der FDP sehr wahrscheinlich eine wichtige Rolle einnehmen. Er sammelte bundesweit mehr Erststimmen auf sich als jeder andere Politiker. Auch deshalb gilt der bald 38-Jährige, der seit Februar Wirtschaftsminister in Deutschland ist, als kommender Mann der Union. „Wir wurden immer schon auf Verantwortung übernehmen hin erzogen. Das war ganz normaler Bestandteil in unserer Familie“, sagt Philipp Guttenberg. Er selbst ist mit der steirischen ÖVP, etwa Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch und den dortigen Landesräten, gut vernetzt. Wer weiß, vielleicht entdeckt auch die ÖVP noch einen Guttenberg als Zukunftshoffnung.

Von Miriam Koch

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