Unruhe bei Top-Playern: Aktien von Luxus- marken befinden sich auf spürbarer Talfahrt

Die internationale Finanzmarktkrise lässt nun auch die Aktienkurse der Luxuskonzerne einbrechen. Die Verluste sind aber – noch – überschaubar.

„Luxury, please“: Die international viel beachtete Ausstellung geht in die dritte Auflage. Vom 21. bis 23. November zeigt Veranstalter Gerhard Krispl in den Prunksälen der Wiener Hofburg Ware vom Feinsten – von Bulgari bis Haban, von Bugatti bis Yves Saint Laurent (siehe auch Interview mit Krispl ).

Getrübte Stimmung
Im Vorfeld des Spektakels ist die Stimmung allerdings empfindlich getrübt: Die internationale Finanzmarktkrise überschattet erstmals auch die schillernde Welt der Luxuslabels, milliardenschwere Konzerne wie die französische LVMH-Gruppe ­(Louis Vuitton Moët Hennessy) jammern über schwächelnde Umsätze – allerdings noch auf höchstem Niveau. Denn während die übrige Handelsbranche seit Monaten mit sinkenden Einnahmen kämpft, darf sich der Großteil der Luxusunternehmen immerhin über moderate Zuwachsraten im oberen einstelligen Bereich freuen. Die Frage ist nur, wie lange noch.

Das Ende eines Mythos
Lange Jahre galt die Luxusgüterindustrie als konjunktur­unabhängig, trotzte Krisen wie 9/11 und der Lungenkrankheit Sars. „Die Reichen kaufen immer“, lautet eine alte Börsenwahrheit, die jetzt überdacht werden muss. So ist der World Luxury Index, der die Kurse der größten zwanzig Luxuskonzerne abbildet und von der Deutschen Börse errechnet wird, von seinem Hoch im Oktober 2007 von gut 100 Punkten auf ein Tief von aktuell 60,15 Punkten gefallen. Die Un­ruhe unter den Top-Playern wird jetzt ­immer deutlicher spürbar.

Spürbare Umsatzrückgänge
Erst Mitte des Monats meldete der Marktführer LVMH einen Rückgang des Umsatzwachstums im dritten Quartal. Nur noch um 3,2 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro sind die Erlöse des Herstellers von Bekleidung, Uhren und Champagner gestiegen. Im zweiten Quartal betrug das Plus noch 12 Prozent. Auch Richemont spürt die Flaute. So finden in den USA und Japan Schmuck und Uhren der zur Gruppe zählenden Marke Cartier keinen reißenden Absatz mehr. Das Unternehmen soll nun restrukturiert werden.

Luxusmarken strudeln
Einigen wird die Service- und Qualitätsoffensive aber nur bedingt helfen: In den ersten neun Monaten gingen etwa die Erlöse des Modeherstellers Hugo Boss um ganze drei Prozent auf 279 Millionen Euro zurück, 2009 sollen die Zahlen noch schlechter werden. Auch der Hongkonger Luxusriese EganaGoldpfeil (Cerruti 1881, Carrera, Joop!) ist ins Strudeln geraten: Die zum Konzern gehörende Uhrenmarke Junghans meldete soeben Insolvenz an, die Schuhfirma Salamander, ebenfalls Teil der Gruppe, soll auf Druck veräußert werden.

Stellenabbau bei Swarovski
In Österreich sieht es nicht besser aus. Die internationale Vorzeigemarke Swarovski steht vor einem radikalen Personal­abbau. Allein 2008 sollen am Firmensitz in Wattens 740 Arbeitsplätze gestrichen werden. Swarovski geht nun in die Offensive und will noch 2009 mitten in Wien eine neue Kristallwelt eröffnen. Das Jahr 2009 soll laut Experten aber für kein Luxusgüterunternehmen leicht werden, und spätestens dann werden sich viele nach dem Niveau zurücksehnen, auf dem heute gejammert werden darf.

Von Silvia Jelincic

Siehe auch das Interview mit Veranstalter "Luxury, please"-Veranstalter Gerhard Krispl.

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