Tyrolean vs. AUA – Grüne Tücher gegen rote Strümpfe

Tyrolean vs. AUA – Grüne Tücher gegen rote Strümpfe

Doch so ganz gelingt das nicht. Dabei drängt die Zeit: Schon in knapp 14 Tagen wird der Flugbetrieb der AUA auf die günstigeren Tyrolean-Verträge übergeführt.

Es sind Unterschiede, die eigentlich nur Insidern auffallen: Stewardessen der AUA müssen zum Rock rote Strümpfe tragen. Flugbegleiterinnen der AUA-Tochter Tyrolean hautfarbene. Bei der AUA-Mannschaft ist das Halstuch blau, die Krawatte der Piloten rot. Bei der Tyrolean-Crew sind die Accessoires grün.

In rund 14 Tagen wird aus den beiden Firmenteilen eins: Der Flugbetrieb wird dann auf die Tyrolean übergeleitet, die Uniformen werden vereinheitlicht. Dann gibt es rote Strümpfe und silber-rot gemusterte Halstücher für alle. Doch abgesehen davon, ist man von Einigkeit im AUA-Konzern weit entfernt.

Wie FORMAT vergangene Woche berichtete, wirft der Tyrolean-Betriebsrat Bord den Kollegen aus dem AUA-Betriebsrat vor, alles zu blockieren und das Unternehmen in eine Sackgasse geführt zu haben. Daher sei es schwierig, einen gemeinsamen Konzernkollektivvertrag zu verhandeln. Zudem ist nicht ganz klar, wer nach dem Betriebsübergang für die 3.200 Piloten und Flugbegleiter zuständig ist. Theoretisch sind das die Tyrolean-Vertreter - was den Konflikt weiter schürt.

"Ruhe wäre wichtig"

Rudolf Kaske, Chef der Gewerkschaft Vida, versucht nun, die Wogen zu glätten. "Das Ausspielen muss ein Ende haben“, fordert er. "Uns wäre wichtig, dass wieder Ruhe einkehrt, denn der Streit nützt nur dem Management.“ Um den Konflikt in den Griff zu bekommen, wurde auch eine Mediatorin eingeschaltet, die freilich bislang wenig ausrichten konnte.

Weil ihnen zu wenig weitergeht, preschen die Tyrolean-Betriebsräte vor: Sie haben bereits einen fertigen Entwurf für einen gemeinsamen Kollektivvertrag (KV). Dieser wird diese Woche nicht nur dem Management präsentiert, sondern auch allen 3.200 betroffenen Mitarbeitern per Newsletter. Ziel ist, eine offene Diskussion zu führen. Der Schritt erhöht den Druck auf die AUA-Belegschaftsvertreter. Sie haben sich wie die Tyrolean-Betriebsräte schriftlich verpflichtet, bis Ende November einen gemeinsamen Entwurf vorzulegen.

Der neue Vertrag ist notwendig, weil AUA- und Tyrolean-KV gekündigt wurden. Der eine vom AUA-Management, das entnervt Fakten setzen und mit den vielen AUA-Privilegien aufräumen wollte. Der andere, günstigere, im Gegenschritt von der Gewerkschaft. "Das war nicht unüberlegt“, verteidigt sich Kaske.

Mehr Gewerkschaftssolidarität mit AUA?

Beobachter sehen in dem "Arbeitskampf“ eine Zäsur. Denn noch nie zuvor hat ein Betriebsrat in Österreich gegen die Gewerkschaft demonstriert - wie dies Tyrolean-Vertreter getan haben. Und dass ein Konflikt zwischen zwei Betriebsräten so offen ausgetragen wurde, war bislang auch nie der Fall. "Streit gibt es immer wieder“, relativiert Kaske. Doch er muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass die Gewerkschaft mehr Solidarität gegenüber den AUA-Vertretern pflegt. Es stimme zwar, dass mehr Vida-Mitglieder AUA-Stewardessen und -Piloten sind, sagt Kaske, aber: "Wir versuchen, uns neutral zu verhalten.“ Man habe für beide Gruppen viel Verständnis. Er sieht die Hauptschuld am Konflikt im Management. "Es wurden im Konzern viel zu lange zwei Firmen gelebt, um Konkurrenz im eigenen Konzern zu haben. Arbeitnehmer können sich das Firmengeflecht nicht aussuchen“, sagt Kaske. Doch die Vergangenheit solle man ruhen lassen. "Jetzt muss die Zukunft im Vordergrund stehen.“

Diese Zukunft werden 118 Piloten der AUA nur noch am Rande mitbekommen. Sie haben den Betriebsübergang zum Anlass genommen, die AUA zu verlassen - ein Gutteil davon wechselte mit Abfertigungen von bis zu 550.000 Euro Richtung Pension. Dass einige dieser Captains nun bei der AUA nachgefragt haben, ob sie und ihre Familien weiterhin ein Anrecht auf Gratis-Tickets haben, hat im Management zu heftigem Kopfschütteln geführt. Die Ansuchen wurden abgelehnt. Dass ein neuer Wind bei der AUA weht, ist eben nicht nur an den vereinheitlichten Uniformen zu erkennen.

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