Tillmann Fuchs schupft Frank Stronachs vielfältige Projekte

Tillmann Fuchs, Sohn des berühmten Malers, ist Frank Stronachs Statthalter in Österreich. Er setzt die vielfältigen Ideen des Magna-Gründers in die Realität um: Familienpark, politische Partei und medizinisches Diagnosezentrum.

Tillmann Fuchs will hoch hin aus. Wann immer es sein Dienstplan zulässt, setzt sich der 46-Jährige in sein privates Propellerflugzeug und entschwindet in die Lüfte. „Das Schöne in einem Flugzeug ist diese Eigenverantwortung, die ganz alleine auf dem Piloten ruht“, gerät Fuchs ins Schwärmen.

In seinem Job hingegen ist Abheben nicht angesagt. Fuchs ist seit mehr als drei Jahren in Frank Stronachs Diensten. Der Milliardär und Magna-Gründer hatte den ehemaligen Chef des privaten TV-Senders ATV ursprünglich an Bord geholt, um wieder Schwung ins schwächelnde Pferdebusiness des Magna Racino zu bringen. Doch jedes Jahr kommen neue Aufgaben für Fuchs dazu, vor allem seit sich Stronach bei Magna zurückgezogen hat und über genug Zeit und Bargeld verfügt, um Dutzende Projekte zu verfolgen.

Mittlerweile leitet Fuchs nicht nur die Magnolia Projektentwicklungs GmbH, sondern ist auch Geschäftsführer in der Frank Stronach Beteiligungs GmbH und der Merkur Entertainment GmbH, einer Glücksspielgesellschaft, an der Stronach beteiligt ist. „Frank sprudelt über vor Ideen, die er dann mit mir bespricht. Er ist ein Visionär und verkappter Künstler.“ Und dieser Visionär schätzt es auch, dass man ihm sagt, wann eine Idee umzusetzen ist und wann nicht. Diese Aufgabe kommt Fuchs zu, der sich selbst als Vernunftmensch bezeichnet.

Familienpark vor Baubeginn

Eine Idee, die in ihrer Umsetzung schon sehr weit gediehen ist, ist die eines Familienparks in unmittelbarer Nähe der Pferderennbahn in Ebreichsdorf. Ein „deutlich zweistelliger Millionenbetrag“ fließt in die Errichtung des Parks, der im Mai 2013 aufgesperrt werden soll. Fuchs, der sich im Vorfeld überall auf der Welt Themenparks anschaut, ist überzeugt, dass die Sache im zweiten Anlauf klappt. „Die Flächenwidmung ist durch, in den nächsten Wochen erwarte ich die Baugenehmigung“, ist Fuchs erleichtert. Ende der 90er-Jahre, als Stronach eine ähnliche Idee – mit Riesen-Weltkugel – dem Land Niederösterreich präsentierte, ist er damit spektakulär gescheitert.

Seinen Eifer hat das jedoch nicht gebremst. Der 79-Jährige sitzt oft stundenlang gemeinsam mit Fuchs über den Bauplänen und bestimmt, wo welche Bäume zu stehen haben. Ist es nicht schwierig, mit einem derart dominanten Menschen wie Stronach zusammenzuarbeiten? „Für mich nicht“, kommt es wie aus der Pistole geschossen von Fuchs. So etwas sei er von klein auf gewöhnt. Schließlich hat er auch einen sehr bestimmenden Vater, den Maler Ernst Fuchs. „Man muss einfach Verständnis für ihre kreative Ader haben.“ Und oftmalige Schwenks und Kehrtwendungen geduldig über sich ergehen lassen.

Geduldig scheint Stronachs Statthalter in Österreich tatsächlich zu sein. Auch beim FORMAT-Interview- und -Fototermin klingelt sein Handy im Minutentakt, daneben lässt er sich vom Fotografen herumdirigieren und beantwortet Fragen ausführlich. Und das alles mit einem Lächeln auf den Lippen. „Frank mag keine komplizierten Menschen. Und ich versuche, es nicht zu sein.“ Sieht so aus, als gelinge ihm das ganz gut.

Karriere mit Lehre

Aber nicht nur Fuchs’ unkomplizierte Art dürfte es dem Magna-Gründer angetan haben. Auch im Lebenslauf der beiden Männer finden sich einige Parallelen. Beide haben ähnlich begonnen; Stronach als kleiner Werkzeugmacher, Fuchs verdingte sich nach der Schule als Kfz-Mechaniker in Simmering. Dass Stronach für Aufsteiger etwas übrig hat, das kam auch Ex-Magna-Manager Siegfried Wolf zugute, der ebenfalls als Werkzeugmacher ins Berufsleben startete.

Nach der Lehre begegnete Fuchs schon bald der nächste starke Mann in seinem Leben. Kurt Falk holte ihn von der „Kronen Zeitung“ zur „Ganzen Woche“. Später arbeitete Fuchs am Entstehen von „ Täglich Alles“ mit. Die Zusammenarbeit mit Falk, der auch als nicht gerade unkompliziert galt, habe ihn besonders intensiv geprägt, erzählt er. Dieser sei sein Förderer und Mentor gewesen – und: „Falk war ein Finanzgenie und hat gewusst, wie Menschen funktionieren.“

Von diesen Eigenschaften kann der Stronach-Manager nun auch etwas brauchen, denn Frank legt großen Wert darauf, dass das Business läuft. Auf erste Erfolge im Magna Racino kann Fuchs immerhin schon verweisen. Die Umstellung des Entertainment-Centers auf Firmenveranstaltungen und die Ausweitung von Pferderennen auf andere Pferdesport-Events scheint sich allmählich zu rechnen. „Wir werden heuer sehr knapp an der roten Null dran sein“, ist der Manager, der selbst kein ausgeprägtes Faible für Pferde hat, zufrieden.

Als Fuchs an Bord geholt wurde, schrieb das Unternehmen noch Verluste von mehr als zehn Millionen Euro jährlich. Auch für den Familienpark gibt es ehrgeizige Business-Pläne: Im dritten Jahr soll der Cashflow positiv sein. 400.000 bis 450.000 Besucher jährlich werden mittelfristig angestrebt. Überhaupt ist das Finanz-Know-how von Fuchs – er absolvierte ein MBA-Studium – immer häufiger gefragt. Denn seit sein Chef letztes Jahr rund eine Milliarde Dollar für seine Magna-Anteile kassiert hat, werden fast täglich Geschäftsideen an ihn herangetragen. Von Immobilienprojekten bis hin zu riesigen Industriebeteiligungen ist alles dabei. Nicht selten landen diese Ideen auf dem Tisch von Tillmann Fuchs, der sie vorsondiert. Im Laufe der Zeit ist der Manager deshalb Experte auf vielen Gebieten geworden. Im Glücksspielrecht ist er mittlerweile ebenso firm wie in der österreichischen Ärztelandschaft. Denn eines der größten Projekte von Stronach in Österreich ist die Errichtung eines Diagnostikzentrums in der Steiermark.

Kampf gegen den Staatsfunk

All die unterschiedlichen Projekte verlangen nach einem gewissen Maß an Vielseitigkeit und Flexibilität – und manchmal auch Kampfgeist. Michael Krüger, der Vertrauensanwalt von Frank Stronach, hat Fuchs als Kämpfer kennen gelernt: „Er ist ungeheuer smart und schlau.“ Mit Krügers anwaltlicher Hilfe etablierte Fuchs Ende der 90er-Jahre den ersten terrestrischen österreichischen Privatsender, ATV, auf dem Markt. Damals musste er einige heftige Sträuße mit dem ORF ausfechten, der sein Monopol mit allen Mitteln halten wollte. Unerbittlich, aber strategisch klug habe Fuchs damals gehandelt, bescheinigt ihm Krüger. Letztlich sei Herbert Kloiber, dem Eigentümer von ATV, Fuchs’ Strategie sogar deutlich zu unerbittlich gewesen. Denn Filmhändler Kloiber brauchte den ORF auch als Abnehmer und wollte die totale Konfrontation mit dem Staatsfunk vermeiden.

Aus der Zeit bei ATV sind Fuchs viele politische Kontakte geblieben. Kontakte, die er jetzt als Manager für Stronach wieder aufwärmt. Denn der Magna-Gründer will nun nach seinem Ausstieg bei Magna auch politisch aktiv werden. „Ich will Österreich besser machen“, meinte Stronach kürzlich in einem Interview mit FORMAT . Ein erster Schritt in diese Richtung wurde dieser Tage getan: Das Stronach-Institut für sozial-ökonomische Gerechtigkeit wurde aus der Taufe gehoben; eine Art politischer Thinktank, der irgendwann in eine Partei münden könnte. „Wir arbeiten gerade eine Liste an Leuten ab, die wir für diesen Thinktank gewinnen wollen“, berichtet Fuchs. Gesucht sind Querdenker, die Interesse und Verständnis für Wirtschaft haben und im Establishment nicht zu sehr verankert sind. Erste Gespräche mit Sportlern und Fernsehgrößen sollen schon stattgefunden haben.

Bürgerliche Bande

Obwohl politisch stark interessiert, will Fuchs selbst keine führende Rolle in einer Partei spielen. Das ist nicht seine Welt. Sein Bekannter, der ÖVP-Politiker Günter Stummvoll, musste kürzlich einiges einstecken, als er von Fuchs in den Aufsichtsrat von Stronachs Glücksspiel-Tochter Merkur Entertainment geholt wurde. „Ich finde auch, dass man Wolfgang Schüssel im Nachhinein sehr Unrecht getan hat“, meint der Stronach-Manager, der von seinen Bekannten selbst eher dem bürgerlichen Lager zugerechnet wird. Eine Beziehung zur ÖVP-Abgeordneten Karin Hakl gehört aber der Vergangenheit an.

Mittlerweile ist der Sonnyboy mit einer Britin glücklich verheiratet und hat zwei Kinder. Zu seinem Vater, dem berühmten Maler, pflegt er regelmäßigen Kontakt, und er fungiert auch als Geschäftsführer in dessen Werkvermittlungsgesellschaft. Über seinen Vater hat Tillmann Fuchs auch seinen jetzigen Arbeitgeber kennen gelernt. Stronach gilt als Fan der Fuchs-Bilder. Vor einigen Jahren soll er ihm drei Werke um rund eine Million Euro abgekauft haben, und letztes Jahr war der Austro-Kanadier Ehrengast beim achtzigsten Geburtstag des Malerfürsten.

Beiden Männern hat Tillmann Fuchs viel zu verdanken, sie haben ihn stark geprägt. Und doch ist er manchmal froh, wenn er in sein Flugzeug steigen und alles hinter sich lassen kann. Denn in der Luft hat er allein das Sagen.

– Angelika Kramer

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