Teurer EZB-Stresstest

Teurer EZB-Stresstest

Es wird immer teurer. Anfang März marschierten 35 Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungskanzlei PwC in der Wiener Kolingasse 14-16 ein. Bis Juli wird die Truppe nicht nur alle Besprechungszimmer im ersten Stock der ÖVAG-Zentrale belegen, sondern rund 1.000 auffällige Kreditakten auf Herz und Nieren geprüft haben.

Zehn PwC-Männer wurden erst zu Wochenbeginn von Wien nach Bukarest geschickt, um das Problemkreditinstitut VB Romania genauer abzuklopfen. Dort werden schlummernde Milliardenrisiken für die teilstaatliche ÖVAG vermutet.

Anfänglich rechneten die Volksbanker damit, dass der im Rahmen des EZB-Banken-Stresstests verordnete Vor-Ort-Check-up höchstens drei Millionen Euro kosten würde - für das Spitzeninstitut ÖVAG und 48 regionale Volksbanken. Doch das großzügige Budget hielt nicht lang. Aktuell summieren sich die Gesamtkosten auf sieben Millionen Euro. Davon entfallen rund fünf Millionen Euro auf die PwC-Leute. Neben üppigen Stundensätzen von bis zu 400 Euro fallen Spesen an. Vom Lufthansa-Flugticket über die Hilton-Übernachtung bis zur Pizzabestellung muss die Bank jede Beraterrechnung begleichen.

Eigentlich soll der Banken-Stresstest dafür sorgen, dass Europas Finanzsystem sicherer und stabiler wird. Paradoxerweise wird das ambitionierte Ziel in Österreich aber verfehlt. Denn das größte systemische Risiko geht von den Landeshypos aus - und die sind im laufenden Stresstest nicht erfasst. Geprüft werden sechs österreichische Banken sowie die zur UniCredit-Gruppe gehörende Bank Austria. Letztere wird von italienischen Bankprüfern durchgetestet.

Momentan ist nur eines sicher: Dienstleistungen von Sparkassen, Raiffeisen- und Volksbanken werden teurer werden. Denn die Banken werden jede Belastung an den Kunden weitergeben. So werden sich die jährliche Bankensteuer (rund 600 Millionen Euro), die geplanten jährlichen Aufbaukosten für die EU-Einlagensicherung (150 Millionen), aber auch die Stresstest-Kosten, die sich auf etwa 50 Millionen Euro summieren, in steigenden Kreditzinsen und saftigen Gebührenerhöhungen niederschlagen.

Die Kostenlawine in der Volksbanken-Gruppe ist kein Einzelfall. Bei der Bawag P.S.K. sind die Beraterkosten ebenfalls auf fünf bis sieben Millionen Euro explodiert. Alleine die von der EZB entsandten Prüfteams kosten die sechs Austrobanken insgesamt rund 30 Millionen Euro (siehe Aufstellung ). Hinzu kommen Aufwendungen, die wegen des Stresstests anfallen. Diese bankinternen Opportunitätskosten liegen aktuell bei rund 20 Millionen Euro. Klaus Buchleitner, Chef der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, beziffert seine Prüferkosten mit drei Millionen Euro. Die Zusatzausgaben, wie etwa für die Bereitstellung von Bankmitarbeitern, werden auf zwei Millionen Euro geschätzt.

Drehen an der Preisschraube. Die Arbeiterkammer rechnet indes mit dem Schlimmsten. "Banken drehen besonders gerne an der Spesenschraube“, sagt AK-Präsident Rudolf Kaske. Das haben seine Mitarbeiter im Rahmen des "AK Bankenmonitorings“ festgestellt. Dort wird seit 2010 die Preisentwicklung von 53 Bankdienstleistungen in den Bereichen Kredite, Sparen, Wertpapiere und Zahlungsverkehr beobachtet. Laut dem AK-Experten Christian Prantner orientieren sich zwar "Preisanpassungen im Massengeschäft regelmäßig an der Inflationsrate“. Jedoch: "Spannender sind die Vergleiche von Neuverträgen.“ So werden gewaltige Preiserhöhungen von mehr als 30 Prozent versteckt. Auch für Schalterdienste, Mahnungen oder bei Kontoüberziehung muss der Kunde immer mehr zahlen. So sind laut AK beispielsweise Mahnspesen von 100 Euro keine Seltenheit. Zum Vergleich: Früher wurden 30 Euro verrechnet.

Der nach Sommer abgeschlossene Banken-Stresstest könnte einen weiteren Preisschub auslösen, wenn nämlich die EU-Bankenaufsicht zum Schluss käme, dass Erste Group, Raiffeisen und Co. frisches Kapital für künftige Krisen brauchen. Die Kapitalpolster müssten dann bis Mitte 2015 gefüllt sein. Personalabbau allein reicht da nicht aus, um die Finanzlücke zu schließen. Die Entwicklung der letzten Jahre legt nahe, dass Kredite und Bankdienste teurer werden müssten.

Die Steuerkeule

Die prekäre Finanzlage zwingt Großbanker, ihren Ärger über Politik und Aufsicht zu artikulieren. Wenn das Schwingen der Steuerkeule nicht bald aufhöre, sei eine Verlegung von Konzernzentralen kein Tabu mehr, ist immer häufiger zu hören.

Zwar sorgten Erste-General Andreas Treichl und RLB-OÖ-Chef Heinrich Staller mit Drohungen, das Land zu verlassen, für mediale Aufregung. Doch die Regierung ließ das kalt. Im Gegenteil: Die Ankündigung provozierte sogar die zurückhaltende Sonja Steßl. Die SP-Finanzstaatssekretärin gab bekannt, dass sie eine Ausweitung der Bankenabgabe prüfen wolle. Derzeit würden nur 60 von 800 Kreditinstituten zahlen. Für Steßl könnten es "bisserl mehr“ sein. Damit scheint vorerst eines garantiert: Noch mehr Stress für noch mehr Banker.

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