Telekom Austria: Was Carlos Slim vor hat

Telekom Austria: Was Carlos Slim vor hat

Seit Ende letzter Woche herrscht beim Betriebsrat der Telekom Austria (TA) ziemliche Aufregung. „Weil unser Aktienkurs seit einiger Zeit sehr niedrig ist, wäre eine Übernahme für América Móvil sehr günstig. Wenn wir die Entwicklungen bei der KPN sehen, ist ein solches Szenario auch für die Telekom Austria möglich“, glaubt Belegschaftsvertreter Alexander Sollak.

Die Forderung des Betriebsrats, Finanzministerin Maria Fekter möge sich klar zum staatlichen Miteigentum an der Telekom bekennen, blieb bislang unerfüllt.

Holland als Vorbild?

Die Aufregung der Telekom-Mitarbeiter ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Weil der niederländische Telekomanbieter KPN, an dem América-Móvil-Boss Carlos Slim bislang 30 Prozent hielt, seine deutsche Mobilfunk-Tochter E-Plus gegen den Willen des Tycoons an die Telefónica-Tochter O2 verkaufen wollte, reagierte der Mexikaner sauer – und legte den KPN-Aktionären ein Übernahmeangebot. Denn Telefónica zählt zu Slims Intimfeinden. Nicht einmal ein mit den Niederländern abgeschlossenes Stillhalteabkommen, die 30 Prozent-Schwelle nicht zu überschreiten, hielt Slim von dem Schritt ab. „Er hat demonstriert, wie rasch er reagieren kann. Und die Situation der Telekom Austria ist mit jener der KPN durchaus vergleichbar“, glaubt Aktionärsvertreter Wilhelm Rasinger.

Auch die Analysten denken ähnlich: „América Móvil gibt sich nicht mit Minderheitsbeteiligungen zufrieden. Das haben wir schon mehrfach beobachten können“, sagt RCB-Analyst Bernd Maurer. Die Mexikaner besitzen 26,8 Prozent an der TA, deren Aktie seit Bekanntwerden des KPN-Deals schon etwas an Boden gewinnen konnte. Und noch etwas würde für ein mögliches Übernahme-Offert sprechen: Am 25.September läuft die einjährige Frist ab, in der Slim nur zu seinem ursprünglichen Einstiegskurs von kolportierten 9,50 Euro je Aktie zukaufen darf. Danach wird es deutlich billiger, schließlich ist die Telekom-Aktie aktuell schon um 5,60 Euro zu haben.

Für Teile der SPÖ ist die Gefahr einer feindlichen Übernahme der Telekom ein willkommenes Wahlkampfthema. Aus dem Büro von Finanzstaatssekretär Andreas Schieder heißt es etwa: „Wir sind klar gegen eine weitere Privatisierung durch die Hintertür.“ Bei der Telekom und deren größtem Aktionär, der ÖIAG, gibt man sich zugeknöpft. Mehr als dass er sich „stabile Rahmenbedingungen“ wünsche, will TA-Chef Hannes Ametsreiter nicht dazu sagen.

Wie FORMAT in Erfahrung brachte, dürfte ein Takeover auf absehbare Zeit aber nicht auf der Agenda von Slim stehen. Dies liegt einmal daran, dass er jetzt alle Hände voll mit der KPN zu tun hat und dass Ratingagenturen wie Moody‘s América Móvil bereits die Rute ins Fenster gestellt haben. Die Kasse des Telekom-Giganten leert sich bedrohlich, die Refinanzierung wird immer teurer für ihn, so befürchten die Ratinghäuser.

Zum anderen hat es auch damit zu tun, dass die Beziehung zwischen den Mexikanern und den Österreichern deutlich entspannter ist als mit den Niederländern. Während es bei der KPN von Anfang an Auseinandersetzungen gab, schwärmen in Wien alle von der guten, harmonischen Zusammenarbeit. Die zwei Vertreter Slims im Aufsichtsrat haben sich – entgegen anders lautenden Erwartungen – eher ruhig verhalten. Die Mexikaner liebäugeln mittlerweile sogar mit der Verlegung ihrer Europa-Zentrale von den Niederlanden nach Österreich. Das sei in Gesprächen mit Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl, dem Industriellen-Präsidenten Georg Kapsch, Sozialminister Rudolf Hundstorfer und Vizekanzler Michael Spindelegger thematisiert worden.

Der Investor und Slim-Partner Ronny Pecik, der im TA-Aufsichtsrat sitzt, spricht sich sogar ausdrücklich dafür aus, dass die Republik eine Sperrminorität an der Telekom behält, und lobt die Kooperation mit der ÖIAG.

Kapitalerhöhung ante portas

Vor allem spricht gegen ein Übernahmeangebot, dass América Móvil auf andere Weise Geld in die Telekom Austria investieren will: und zwar für eine Kapitalerhöhung, die möglichst bald stattfinden soll. Nicht irgendeine Kapitalerhöhung, sondern eine beträchtlichen Ausmaßes. Von rund einer Milliarde Euro ist laut Insidern die Rede. Im Vergleich zur aktuellen Marktkapitalisierung von gerade einmal 2,5 Milliarden Euro eine enorme Summe.

Zwar betont Telekom-Sprecher Peter Schiefer, das Unternehmen sei ausreichend finanziert und es gebe keine unmittelbare Notwendigkeit für frisches Kapital. Hinter den Kulissen werden aber schon Pläne für die Aufstockung gewälzt. Die TA soll nach Jahren der Lähmung durch Skandale wieder expandieren. Ein Teil des Geldes würde für die Versteigerung weiterer Mobilfunk-Lizenzen in Österreich benötigt.

Die Mexikaner wollen, dass die Telekom endlich wieder wächst. Denn bislang hat sich ihr Investment in Österreich nicht wirklich gelohnt: 440 Millionen Euro Buchverlust und eine Mini-Dividende für Slim schreien förmlich nach einer Offensive.

Der Plan sieht vor, die Telekom Austria durch Zukäufe zu verstärken. Auch TA-Chef Ametsreiter bekräftigte kürzlich in einem Interview, dass er sein Unternehmen zum „größten Spieler“ am Balkan machen wolle. Gute Gelegenheiten zum Zukauf gibt es momentan jede Menge, zu günstigen Preisen. So hat die Telekom ein Auge auf den serbischen Kabelbetreiber SBB geworfen, am kroatischen Anbieter H1 besteht Interesse, und auch die Telekom Slovenija steht zum Verkauf.

ÖIAG will mitziehen

Schwierig ist die Sache für die ÖIAG, die bei einer Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro um die 250 Millionen locker machen müsste, soll ihr TA-Anteil nicht sinken. Die Staatsholding glaubt sich dafür aber gerüstet: „Das aktuelle ÖIAG-Gesetz sieht jedenfalls vor, unseren derzeitigen Anteil an der Telekom Austria zu halten“, lässt ein Sprecher wissen. Für die Aufnahme des Geldes bräuchte man theoretisch nicht einmal die Zustimmung der Regierung, heißt es.

Was jedoch auf jeden Fall fehlt, sind klare Worte aus der Staatsholding. ÖIAG-Chef Rudolf Kemler ist zwar nun fast schon ein Jahr im Amt, glänzt aber bislang eher durch Unauffälligkeit. Auch zu den aktuellen Übernahmegerüchten wollte er sich aus terminlichen Gründen nicht äußern. Das verärgert zum Beispiel Telekom-Betriebsrat Walter Hotz: „Das ÖIAG-Gesetz gehört dringend geändert“, sagt er. Damit wenigstens der Spielraum etwas größer wird.

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