Telekom Austria: Pläne für Fusion mit der ägyptischen Orascum-Gruppe

Die Pläne für eine Fusion der Telekom Austria mit dem Imperium des Ägypters Naguib Sawiris sind weiter gediehen als gedacht. Sitz des neuen Konzerns soll Wien sein.

Roadshows bei Investoren in den USA sind für Manager an sich kein Honiglecken. Die Fragen der Fondsmanager sind hart, umso mehr, wenn die Gewinne niedriger als gewohnt ausfallen – wie aktuell bei der Telekom Austria (TA). Die Antworten werden klar und präzise erwartet. So kam es TA-Boss Boris Nemsic höchst ungelegen, als ihn am Dienstag dieser Woche zwischen zwei Investorengesprächen in den USA die Nachricht erreichte, dass zuhause ein möglicher Deal mit der ägyptischen Orascom öffentlich geworden ist.
In den vergangenen Wochen war die Telekom-Führung nämlich peinlich dar um bemüht, den Eindruck, sie sei aktiv auf Partnersuche, zu verwischen. Zur Diskussion über einen weiteren Privatisierungsschritt sagte Nemsic in einem FORMAT-Interview nur: „Wir täten uns schon leichter, wenn wir zwei- oder dreimal so groß wären.“ Die Anfragen von ausländischen Telekom-Konzernen und Finanzinvestoren wurden aber als reine Interessenbekundungen abgetan.

Weit gediehene Verhandlungen
Diese Strategie des Deckel-Draufhaltens wird sich jetzt nur noch schwer durchstehen lassen, seit die Zeitung „Kurier“ berichtete, es werde an einer Transaktion mit der ägyptischen Orascom-Gruppe gebastelt. Boris Nemsic schweigt dazu zwar nach wie vor. Aber FORMAT-Recherchen haben ergeben, dass die Sache schon ziemlich weit gediehen ist. Zwar können der TA-Kernaktionär, die Verstaatlichtenholding ÖIAG, und Nemsic keine richtigen Verhandlungen mit Orascom-Boss Naguib Sawiris führen, weil es keinen Privatisierungsauftrag für die Telekom Austria gibt. Über das Stadium der Annäherung ist man trotzdem längst hinaus. Seit einem halben Jahr wird geredet, sagt einer, der es wissen muss.

Eine spektakuläre Fusion
Worüber man sich verständigt hat, ist allemal als spektakulär zu bezeichnen. Die Österreicher und der Ägypter, Spross der reichsten Familie Afrikas, streben eine Fusion von Telekom Austria und der im Besitz von Sawiris stehenden Holding Weather Investments an. Sitz der neuen Gesellschaft wäre Wien, das ist ausgemacht. Auch dass dieses Headquarter eines großen Multis langfristig in Österreich bleibt, soll sichergestellt werden. Der Konzern wäre an der hiesigen Börse gelistet und der größte Wert im Hauptindex ATX. Auf diese Weise würde die neue, mit Weather verschmolzene Telekom Austria Die Dachgesellschaft für sämtliche Mobilfunk-Aktivitäten: für die Orascom, die von Ägypten bis Bangladesch tätig ist, für Wind Italien und Wind Griechenland und die österreichische A1 mobilkom. Das Festnetz der TA bliebe ebenfalls im Verbund. Auch über die künftige Führung wurde schon gesprochen: Boris Nemsic soll Vorstandschef werden, Naguib Sawiris der Vorsitzende des Aufsichtsrates.

Headquarter in Wien, Mehrheit bei Sawiris
Die Börsenkapitalisierung läge nach aktuellen Werten bei 20 bis 22 Milliarden Euro, womit die „Weather Telekom Austria“ auf Rang fünf bis sieben in Europa vorstieße. Eine exakte Bewertung der einzelnen Unternehmensteile fehlt zwar noch. Aber es lässt sich schon abschätzen, dass sich der Anteil der Staatsholding ÖIAG, die derzeit knapp 28 Prozent an der TA hält, auf rund zwölf Prozent belaufen würde. Die TA-Streubesitzaktionäre hätten weniger als 30 Prozent, wobei sich die Frage eines Übernahmeangebots stellen wird. Die Mehrheit hätte Sawiris.
TA-Zampano Boris Nemsic und seine Vorstandskollegen halten ein Zusammengehen mit Orascom & Co für strategisch höchst aussichtsreich. Gemeinsam mit den expansiven Ägyptern will man rasch neue Märkte erobern: etwa die GUS-Staaten, weitere asiatische Länder oder die Ukraine. Die Orascom weist zwar nach der auf Pump finanzierten Übernahme von Wind Italien einen hohen Verschuldungsgrad auf. Dennoch hat die TA mit Sawiris, dessen Privatvermögen auf 13 Milliarden Euro geschätzt wird, ganz andere Möglichkeiten für Zukäufe.

Rechte für TA sollen Politik überzeugen
Auf politischer Ebene wird es nicht ganz leicht sein, das Geschäft mit dem nordafrikanischen Tycoon durchzubringen. Allerdings meint ein TA-Mann: „Einen solchen Deal kann man nur mit Leuten aus Schwellenländern machen. Die anderen übernehmen dich schlicht und schicken gleich einmal ein 500-Seiten-Manual, was du alles nicht mehr darfst.“ Nicht irgendeine Landesgesellschaft werden, sondern Headquarter bleiben, das ist das Ziel des Telekom-Austria-Managements. Und so sollen auch die Politiker überzeugt werden.
Dass die Causa jetzt in die Öffentlichkeit gelangte, könnte auf das Konto von SPÖ-Kreisen gehen, die Sand ins Getriebe streuen wollen, so eine der unternehmensinternen Vermutungen. Eine FPÖ-Kampagne im Wahlkampf gegen den Ausverkauf österreichischen Eigentums an einen Neo-Pharao aus dem muslimischen Morgenland wäre tatsächlich nicht hilfreich für den Plan. Umso mehr wird betont, dass Sawiris ein Christ ist.

Hoffnung auf Privatisierungsauftrag
Gewisse Abstimmungen mit der Politik haben ÖIAG und TA bereits getroffen. „Das ist aber mit Sicherheit noch nicht gegessen. Erfahrungsgemäß nutzen Unternehmen auch Vorwahlzeiten, um im Windschatten zu agieren“, stellt SPÖ-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter fest. Bis zur Wahl am 28. September ist ein Privatisierungsauftrag für die Telekom Austria überhaupt kein Thema. Für danach, während der Koalitionsverhandlungen, ist in der TA leise Hoffnung zu vernehmen, die scheidende Regierung könnte noch grünes Licht für konkrete Verhandlungen geben. Realistischer ist jedoch, dass erst die neue Regierung sich mit dem heißen Thema beschäftigt. Von dieser wird die Zustimmung aber dann wohl zu bekommen sein. Denn weder die Gewerkschaft noch SPÖ-Obmann Werner Faymann sind – nach den Erfahrungen bei der AUA – prinzipiell gegen einen strategischen Partner. Der Betriebsrat möchte allerdings, dass eine Sperrminorität bei der ÖIAG bleibt.

Aggressive Russen rüsten auf
Auch zwei russische Telekommunikationskonzerne sind auf die Telekom Austria scharf: Einerseits, wie von FORMAT kürzlich berichtet, Wladimir Jewtuschenkow, Mehrheitseigentümer der Sistema, des größten Handynetzbetreibers in Russland. Das Unternehmen notiert an der Börse London. Der andere Konzern ist Vimpel, die dortige Nummer zwei. Vimpel zählt zum Reich des Oligarchen Michail Fridman, ist an der New Yorker Börse gelistet und umgerechnet 15 Milliarden Euro wert. Beide russische Firmengruppen verfolgen ihr Ziel, bei der Telekom Austria einsteigen zu können, sehr aggressiv und haben ausreichend Cash dazu.

Sistema und Vimpel ernst genommen
Strategisch könnten auch Sistema und Vimpel der TA Vorteile verschaffen und werden von Boss Boris Nemsic daher durchaus ernst genommen. Dass einer der Russen zum Zug kommt, ist also nicht ausgeschlossen. Allerdings werden diese sicher nicht anbieten, ihren Hauptsitz nach Wien zu verlegen. Auch sonst sind die Widerstände gegen mögliche russische TA-Eigentümer größer und haben sich wegen des Kaukasus-Konflikts noch verstärkt. Die Politik würde einen Deal mit Naguib Sawiris eher akzeptieren.
An Angeboten mangelt es der Telekom nicht. Gemeldet haben sich noch zahlreiche andere Firmen, die Interesse an einer Beteiligung signalisierten, darunter auch etliche Finanzinvestoren. Mit diesen wird aber nicht einmal gesprochen.

Andreas Lampl und Angelika Kramer

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