Telekom Austria: Der Gegenangriff der ÖIAG

Die ÖIAG ruft bei der bevorstehenden Telekom-Hauptversammlung in der Wiener Stadthalle zum Widerstand gegen Großaktionär Ronny Pecik (Bild) auf.

Geplant war die Sache eigentlich ganz anders. Nach seinem Einstieg bei der Telekom Austria (TA) im Herbst 2011 wollte der Wiener Investor Ronny Pecik einen möglichst raschen Exit für seine Anteile organisieren. Der 50-Jährige führte dazu Verhandlungen mit mehreren Telekommunikationskonzernen, darunter die russischen Gruppen MTS und Sistema sowie der norwegische Telenor-Konzern.

Nachdem die Russen abgesprungen waren, sah es schon nach einem Zuschlag für die Norweger aus. Doch es sollte anders kommen. Peciks Preisvorstellungen waren zu hoch: Er wollte 14 Euro pro Telekom-Aktie, die Norweger waren allerdings nicht bereit, mehr als zwölf Euro zu bezahlen (das Papier notiert derzeit bei rund 8,50 Euro). Zuletzt hätte, so ist zu hören, Pecik sogar nachgeben wollen, doch dafür ist es nun wohl zu spät: Die Fronten sind verhärtet. Außerdem haben die Norweger andere Pläne, und zwar in Indien. Dort hat das Oberste Gericht jetzt wegen eines milliardenschweren Korruptionsskandals die Vergabe von 122 Telekom-Lizenzen im Jahr 2008 für nichtig erklärt. Demnach waren die Lizenzen - unter anderem an Telenor - deutlich unter dem Marktwert vergeben worden. Telenor wehrt sich nun und droht mit einer Zehn-Milliarden-Euro-Klage. Für das kleine Österreich-Business und Peciks Pläne bleibt da keine Zeit und auch kein Geld.

In der Zwischenzeit hat aber auch der Haupteigentümer der Telekom Austria, die Staatsholding ÖIAG, hinter den Kulissen gegen den neuen Großaktionär mobilgemacht. Sie organisiert Widerstand für die Hauptversammlung (HV) am 23. Mai in der Wiener Stadthalle, die damit zum Schlachtfeld werden dürfte.

Zuletzt hatten sich auch ÖIAG-Chef Markus Beyrer und Telekom-CEO Hannes Ametsreiter für einen Weiterverkauf von Peciks Telekom-Anteilen - aktuell 20,12 Prozent - an Telenor starkgemacht. Die Norweger hielten die Staatsholding offenbar für eine berechenbare Größe, berechenbarer jedenfalls als der gebürtige Kroate Pecik. Da Telenor nun kein Interesse mehr hat, versucht Beyrer umso mehr, das Heft wieder in die Hand zu bekommen, um nicht plötzlich mit einem unliebsamen Partner in der TA dazustehen.

ÖIAG macht Druck

Die ÖIAG baut an einem Schutzwall gegen Pecik für die Telekom-HV. Dazu scheuen ÖIAG-Chef Beyrer und Telekom-Boss Ametsreiter keine Mühen. Wie FORMAT in Erfahrung brachte, führten sie bereits etliche Gespräche mit anderen Aktionären, wobei um Schützenhilfe gebeten wurde. ÖIAG-Sprecher Bernhard Nagiller reagiert auf eine diesbezügliche Anfrage ausweichend: "Wir bereiten uns umfassend und präzise auf die HV vor - auch in den von Ihnen angesprochenen Punkten.“ Konkret soll Beyrer aber bereits zumindest zwei Investoren fix auf seiner Seite haben, darunter die Zürcher UBS Bank, die 4,07 Prozent an der Telekom hält.

Das Ziel ist, Pecik bei der HV die Stirn zu bieten und möglichst viele Aktionärsstimmen für sich zu gewinnen. Die ÖIAG selbst besitzt 28,42 Prozent an der börsennotierten Telekom. Und Pecik versucht seinerseits, andere Telekom-Aktionäre um sich zu scharen, um bei der HV seine Interessen durchboxen zu können. Kommentieren will er seine nächsten Schritte zum Angriff auf die Telekom derzeit aber nicht.

Helfen soll ihm dabei vor allem sein Freund Wolfgang Matejka. Der frühere Meinl-Bank-Manager und heutige Chef der Asset Management GmbH managt zwei Fonds, die auf 800.000 Telekom-Aktien kommen: den "Mozart T one“ für die Kapitalanlagegesellschaft (KAG) der Semper Constantia Privatbank und den "Meinl Equity Austria“. Im Grunde ein Tropfen auf den heißen Stein - gemessen an insgesamt 443 Millionen Telekom-Aktien. Doch Matejka soll auch seine hervorragenden und weit verzweigten Kontakte in die Finanzwelt nutzen, um andere Aktionäre für Pecik zu mobilisieren. Matejka selbst bestreitet all dies - auch aus rechtlichen Gründen. "Die Stimmrechte gehören ja nicht mir, sondern der KAG. Ein abgestimmtes Verhalten ist also praktisch gar nicht möglich“, sagt er.

Doch dass zwischen Pecik und ihm ein Naheverhältnis besteht, liegt auf der Hand: Bei der ehemaligen Länderbank teilten sie sich einst ein Büro, zudem gehören 75 Prozent der Asset Management GmbH der Themis Privatstiftung, und deren Stifter sind Ronny Pecik junior und die RPR Stiftung von Pecik senior.

Letzterer hat in einem FORMAT-Gespräch vor einigen Wochen erklärt, für seine Leute am liebsten alle Aufsichtsratsposten bei der Telekom herausholen zu wollen. Mehr als zwei der acht Mandate werden es aber - trotz Matejkas Hilfe - wahrscheinlich nicht werden: Pecik selbst als Vizepräsident und sein Finanzpartner, der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris, als Mitglied des Aufsichtsrats.

Geldsorgen?

Pecik plagen derzeit aber noch ganz andere Troubles: der Zukauf von weiteren Anteilen an der Telekom, um die für wichtige Entscheidungen notwendige Sperrminorität (25 Prozent und eine Aktie) zu erlangen. Schon vor Wochen hätte eine weitere Aufstockung auf rund 25 Prozent gemeldet werden sollen, doch sie blieb bislang aus.

Es gibt zwar Optionen auf diese Anteile, aber die mehr als 200 Millionen Euro, um sie auch ziehen zu können, fehlen. Bislang haben Pecik und Sawiris mithilfe von Schweizer Bankinstituten rund 800 Millionen Euro in die Telekom gepumpt. Doch Sawiris will nach einem Disput mit Pecik vorläufig kein weiteres Geld bereitstellen, weshalb sich dieser wohl oder übel auf die Suche nach neuen Geldgebern begeben muss.

Laut FORMAT-Informationen hat Pecik erst vor kurzem bei einer Schweizer Bank angeklopft, weiters bei Novomatic-Eigentümer Johann Graf und Immobilien-Tycoon Karl Wlaschek, doch sie alle sollen abgewunken haben. Vor kurzem hat Pecik auch noch ein größeres Paket C-Quadrat-Aktien verkauft.

Er weiß: Viel Zeit hat er nicht. Will er auf der HV etwas bewegen, braucht er die Sperrminorität. Pecik gilt zwar als unermüdlicher Kämpfer, dessen Karriere an die des viel zitierten amerikanischen Tellerwäschers erinnert: Er brachte es vom mittellosen Einwandererkind aus zerrütteten Familienverhältnissen zum millionenschweren Investor. Doch die ÖIAG und auch Telekom-General Hannes Ametsreiter, den Pecik am liebsten los wäre, leisten härteren Widerstand, als ihm lieb ist.

Unabhängig von diesem Machtkampf wird auf der Hauptversammlung ein weiteres Störfeuer auf die Telekom Austria zukommen. Angloamerikanische Fonds, die an dem österreichischen Konzern beteiligt sind, bereiten Klagen wegen der mutmaßlichen Aktienkursmanipulationen früherer Topmanager vor, die zur Auszahlung von neun Millionen Euro Bonus an Führungskräfte geführt haben. Für in New York gelistete Fonds dient das hauptsächlich zur rechtlichen Absicherung, wird aber nicht gerade zur Beruhigung der Lage beitragen.

- Silvia Jelincic, Angelika Kramer

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Wegbereiter einer neuen Industrie

Mit dem Schlagwort Industrie 4.0 werden revolutionäre Änderungen der …

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Comeback der Krise?

Auffällig viele Topunternehmen schreiben Verluste, eine Besserung der …

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Innovation - der wichtigste Rohstoff

Im Wettkampf der Regionen muss Österreich noch stärker auf …

50 Millionen Euro Umsatz macht die von Ronnie Seunig gegründete Excalibur City pro Jahr und schafft 500 Jobs. Roger Seunig tritt in die Fußstapfen seines Vaters und setzt dessen pittoreske Visionen fort.
 

Roger Seunig - der Ritter von Kleinhaugsdorf

Roger Seunig übernimmt von seinem Vater das Billig-Paradies Excalibur …