Telekom Austria: Der Einzug der Mexikaner

Telekom Austria: Der Einzug der Mexikaner

Diese Woche kommt eine Delegation des neuen Telekom-Aktionärs Carlos Slim nach Wien: Auf dem Programm stehen ein Besuch bei Finanzministerin Fekter und eine Präsentation bei A1.

Telekom-Austria-Boss Hannes Ametsreiter ist derzeit auf Urlaub. Er genießt die heißen Tage an kühlen, kleinen Seen in seinem Heimatbundesland Salzburg. Doch die Auszeit muss kommende Woche unterbrochen werden: Denn Vertreter des neuen Telekom-Großaktionärs América Móvil kommen nach Wien und wollen sich zeigen lassen, was sie für rund 1,1 Milliarden Euro in Österreich gekauft haben. "Ziel des Treffens ist das persönliche Kennenlernen der Teams“, heißt es aus dem Unternehmen. Auf der Tagesordnung stehen Führungen an Standorten der Telekom Austria Group wie etwa im Technologiezentrum Arsenal.

Mit dabei ist auch América-Móvil-CEO Daniel Hajj Aboumrad, der Schwiegersohn von Milliardär Carlos Slim. Mit Hajj Aboumrad hat der österreichische Investor Ronny Pecik auch verhandelt, als er seine Anteile an der Telekom den Mexikanern verkauft hat. Auch Pecik, der derzeit ebenfalls gerade urlaubt, wird für diesen wichtigen Termin wohl seinen Yachturlaub vorzeitig abbrechen. Denn neue Probleme sind aufgetaucht - und verschieben das Closing vermutlich nach hinten.

Die Pläne der Mexikaner

In Österreich wollen die Mexikaner ihr Unternehmen präsentieren und dem Telekom-Vorstand darlegen, was sie mit der Telekom alles vorhaben. Es klingt alles gut: Wien soll die Zentrale der Gruppe bleiben. An der Börse soll die Telekom Austria weiter notieren. Und wenn es zu einer Kapitalerhöhung kommt, soll die ÖIAG nicht unter die Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) fallen. Besonders freuen kann sich Ametsreiter. Zu hören ist, dass er weiter Telekom-Chef bleiben soll - bislang stand der General eher auf wackeligem Posten, sein Vertrag läuft bis Ende kommenden Jahres. Dafür könnte Finanzvorstand Hans Tschuden, der bis Ende März 2015 bestellt ist, früher abgelöst werden.

Zu baldigen Veränderungen wird es wohl auch im Aufsichtsrat kommen. Die Mexikaner wollen lieber heute als morgen einen ihrer Leute im Kontrollgremium sehen, ist zu hören. Dafür soll Steigbügelhalter Pecik spätestens in zwei Jahren aus dem Aufsichtsrat ausscheiden.

Widerstand auf verschiedenen Ebenen

Die wirklichen Hürden sind die Behörden: Heikel ist vor allem die Prüfung durch das Wirtschaftsministerium im Rahmen des Außenwirtschaftsgesetzes. Es kann Einspruch erheben, wenn ein Nicht-EU-Ausländer mehr als 25 Prozent an einem österreichischen Infrastrukturunternehmen kaufen möchte.

Dafür, dass die Mexikaner diese Schwelle überschreiten möchten, spricht einiges: Am Anfang hatte die Telekom bekannt gegeben, die Beteiligungen Slims über verschiedene Unternehmen seien nicht zusammenzurechnen. Jetzt, bei der Anmeldung des Deals bei der Wettbewerbsbehörde, war davon nicht mehr die Rede. "Allenfalls könnte ein Beteiligungsgrad von bis zu 25,90 Prozent der Stimmrechte erreicht werden“, heißt es in der Zusammenschlussanmeldung, die auf der Internetseite der Behörde veröffentlicht wurde. Auch Insider und Analysten rechnen damit, dass Slim eher mehr als weniger will.

Noch ist nicht klar, wie das Wirtschaftsministerium entscheidet. Doch für den Fall, dass es grünes Licht für einen Einstieg gibt, ist mit der nächsten Widerstandsfront zu rechnen, diesmal vonseiten der SPÖ und der Belegschaft. "Ob der mexikanische Mobilfunk-Tycoon Slim ein weißer Ritter ist, wird sich zeigen, wenn er sich mit einem Erwerb von bis zu 25 Prozent zufrieden gibt“, sagt der Sprecher der ÖIAG-Betriebsräte, Leopold Abraham. Er warnt vor einer schleichenden Privatisierung. Für die Betriebsräte ist der Staat als Kernaktionär wichtig, unter anderem, um die Grundversorgung und die Sicherheit in Österreich zu gewährleisten.

Gelähmte Staatsholding

Die ÖIAG, die als Staatsholding Österreichs Beteiligung in Höhe von 28,2 Prozent an der Telekom managen soll, ist im Slim-Fall keine Hilfe. Mittlerweile ist man sich dort bewusst, dass eine enge Abstimmung mit den Mexikanern als Syndikat ausgelegt werden könnte - und damit ein Übernahmeangebot für die börsennotierten Anteile nach sich ziehen könnte. Daher geht man vorsichtig auf Distanz zu Slim und seinen Mannen. Nur ein Termin bei Finanzministerin Maria Fekter steht für die Mexikaner laut FORMAT-Informationen auf dem Programm. Sie ist für die ÖIAG zuständig. Aus dem Ministerium gab es jedoch zu diesem Treffen keinen Kommentar.

"Es wird spannend, wie die ÖIAG und Slim zusammenarbeiten werden“, sagt ein Brancheninsider. Denn von den Mexikanern sei bekannt, dass sie sich ins operative Geschäft einmischen, also sehr aktive Shareholder sind. Allerdings werde es alles andere als leicht, die südamerikanischen Modelle auf den europäischen Markt zu transferieren. "Da werden die noch ihre Wunder erleben“, heißt es.

In Südamerika ist der Markt hochpreisig, mit wenig regulatorischen Auflagen und hohem Prepaid-Anteil. In Europa sehen die Rahmenbedingungen komplett anders aus. Allein in der EU gibt es 120 verschiedene Lizenzen mit unterschiedlichsten Rahmenbedingungen. "Das ist so, wie wenn ein europäischer oder amerikanischer Hotelier ein Hotel in Afghanistan errichtet. Da kann er auch nicht viele Erfahrungen mitnehmen“, meint ein Mitbewerber.

Probleme in den Niederlanden

Dass es am alten Kontinent neue Schwierigkeiten gibt, wird Slim auch beim Einstieg bereits bei der niederländischen KPN bewusst geworden sein. Er stieß dort in den vergangenen Wochen beim Versuch, 30 Prozent der Anteile zu kaufen, auf massiven Widerstand der Konzernspitze. Das Management versuchte, mit dem Verkauf der attraktiven deutschen Mobilfunktochter den Mexikaner abzuschrecken. Doch dies gelang nicht, Slim blieb.

Dennoch erklärte Slim am Rande eines Empfangs des US-Botschafters dieser Tage in Mexiko-Stadt, kein weiteres Interesse an Übernahmen in Europa zu haben. "Im Moment sind wir nicht auf der Suche“, meinte er. Zunächst werde das gestärkt, was er besitze. Da trifft es sich gut, dass Telekom-Boss Hannes Ametsreiter Spanisch versteht und auch gerne seinen Urlaub unterbricht, wenn wichtige Treffen anstehen. Dafür führt ihn vielleicht eine seiner nächsten Reisen nach Mexiko.

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