Telekom: Aufmarsch der Milliardäre

CARLOS SLIM

Der einflussreiche Mexikaner könnte den „Weißen Ritter“ spielen und die Position der ÖIAG stärken.

NAGUIB SAWIRIS

Der Ägypter will sich kommenden Mittwoch in den Aufsichtsrat der Telekom Austria wählen lassen.

Sie sind milliardenschwer und sollen die krisengebeutelte Telekom Austria aus dem Sumpf ziehen: Carlos Slim, der reichste Mann der Welt, und Naguib Sawiris, Telekom-Tycoon und reichster Mann Afrikas, wollen die Weichen im börsennotierten Unternehmen neu stellen. Bei der Hauptversammlung kommenden Mittwoch könnte es zum großen Showdown kommen. Wie der Telekom-Krimi weitergeht.

Naguib Sawiris ist kein Freund von halben Sachen. In einem "Spiegel“-Interview meinte der ägyptische Geschäftsmann einmal: "Mein Lebensziel war es immer, Erster zu werden.“ Mittlerweile gilt er als reichster Mann Afrikas mit einem geschätzten Vermögen von 12,7 Milliarden Dollar. Nächste Woche wird der Gründer der Telekomfirma Orsacom - so die Aktionäre ihren Segen geben - in den Aufsichtsrat der Telekom Austria (TA) einziehen. Und viele fragen sich: Will Naguib Sawiris auch in der Telekom die Nummer eins werden?

Für die Beziehung zwischen ihm und seinem österreichischen Geschäftspartner Ronny Pecik kann man die Frage wohl bejahen. War Sawiris beim TA-Einstieg laut Pecik ursprünglich als stiller Finanzpartner vorgesehen und er selbst als der wirtschaftlich Bevollmächtigte, so dürfte Sawiris’ Position mittlerweile bedeutend stärker geworden sein, berichten Insider. Denn um die Anteile an der börsennotierten Telekom aufzustocken, musste Pecik seinem milliardenschweren Geldbringer vertraglich mehr Mitsprache einräumen - zum Beispiel, wenn es um einen Weiterverkauf der Telekom-Aktien geht.

Derzeit hält das Duo Pecik & Sawiris 20,12 Prozent an der TA. Ursprünglich wollte man noch vor der Hauptversammlung (HV) kommenden Mittwoch die Sperrminorität melden, also 25 Prozent plus eine Aktie, doch vorerst wird nichts daraus. Zwar halten Pecik und Sawiris die Option auf weitere fünf Prozent, doch wollen sie diese nicht mehr ziehen. Grund: Am Markt wird die Telekom-Aktie aktuell um nur rund 7,70 Euro gehandelt. Gesichert haben sich Pecik und Sawiris das Paket aber schon Ende 2011 um mehr als 8,50 Euro. Das heißt, dass sie rund fünf Millionen Euro verlieren, weil sie die Optionen verfallen lassen. Das Ziel, die Sperrminorität zu erreichen, verfolgt das Duo dennoch weiter. Allerdings sollen die Anteile nun günstiger über die Börse zugekauft werden. Ein guter Plan, wenn die Aktie noch tiefer in den Keller rasselt.

Als Sawiris begann, eine aktivere Rolle zu spielen, wurde spekuliert, er, der ja aus der Branche kommt, könnte die Telekom übernehmen und langfristig behalten wollen. Doch danach sieht es nicht mehr aus. Der Ägypter scheint die Nase wegen der vielen Skandalberichte voll zu haben und will - wie Pecik - nach Erreichen der Sperrminorität einen Weiterverkauf anstreben. Wie es aus dem Umfeld der beiden heißt, werde das aber noch "bis zu zwei Jahre“ dauern. Denn derzeit könne das Aktienpaket nur mit einem Riesenverlust weiterverkauft werden. "Das wäre finanzieller Irrsinn.“

Der Hauptinteressent für einen TA-Einstieg heißt noch immer Telenor. Sawiris hat - im Gegensatz zu Pecik - ein gutes Verhältnis zu den Norwegern. Der Milliardär ist Großaktionär bei der russischen Vimpelcom, an der die Telenor-Gruppe zu rund 36 Prozent beteiligt ist. Sawiris will sich Telenor warmhalten. Erst vor kurzem haben die Norweger ihr Interesse an der Telekom Austria bekräftigt, verhandeln wollen sie nach einem Streit mit Pecik aber nur noch mit Sawiris.

Milliardäre mischen Hauptversammlung auf

Der reichste Mann Afrikas ist aber offenbar nicht der einzige milliardenschwere Unternehmer, der ein Auge auf die teilstaatliche Telekom Austria geworfen hat. Carlos Slim, der reichste Mann der Welt und Eigentümer des Mobilfunkimperiums América Móvil, dürfte sowohl mit ÖIAG-Chef Markus Beyrer als auch mit Pecik einschlägige Gespräche geführt haben. Bestätigungen dafür gibt es von keiner Seite. Dementis aber auch nicht. Erst kürzlich jedenfalls hat der Mexikaner Slim, der sagenhafte 69 Milliarden Dollar besitzt, reges Interesse an Europa bekundet. Beim niederländischen Telekomkonzern KPN will er seinen Anteil gerade von 4,8 auf 28 Prozent aufstocken. Analysten gehen davon aus, dass die Europa-Expansion von Slim damit noch lange nicht abgeschlossen ist. Der Mexikaner soll über freie Mittel von (monatlich!) einer Milliarde Dollar verfügen.

Für die ÖIAG, mit 28,4 Prozent nach wie vor der größte Aktionär der Telekom, könnte der rüstige Mexikaner die Rolle des "White Knight“ übernehmen. Sobald Pecik und Sawiris wieder abspringen, könnte Slim ihre Anteile übernehmen, wird spekuliert. Zumal die TA sowieso irgendwann einen strategischen Partner braucht. Aus der ÖIAG heißt es dazu nur knapp: "Wir bereiten uns auf alles gut vor.“

Auch die Vorbereitungen für die Telekom-Hauptversammlung in der Wiener Stadthalle am 23. Mai laufen auf Hochtouren. Neben der Wahl von Sawiris und Pecik in den Aufsichtsrat dürfte vor allem der Forensik-Bericht der BDO-Wirtschaftsprüfer für Zündstoff sorgen. Denn von den mehr als tausend Seiten Prüfbericht zu den diversen TA-Skandalen sollen die Aktionäre nur wenige Auszüge präsentiert bekommen, keinesfalls das ganze Konvolut. "Bei der Telekom herrscht nach wie vor die Metternich’sche Zensur. Die Aktionäre erfahren nur das, was sie erfahren sollen“, kritisiert Investor Rupert Heinrich Staller.

Glaubt man den Aussagen eines Aufsichtsrats, der in den BDO-Bericht Einsicht nehmen durfte, sind darin aber auch keine Bomben zu finden. Speziell durchleuchtet wurden die Immobiliengeschäfte, das M&A-Geschäft und die Beraterverträge. Der Großteil davon dürfte aber bereits via U-Ausschuss beziehungsweise über die Medien den Weg an die Öffentlichkeit gefunden haben. Inkriminierende Aussagen über aktuelle Vorstandsmitglieder oder Aufsichtsräte der Telekom sollen sich hingegen nicht darin befinden.

Hingegen soll zwischen dem Auftraggeber der Untersuchung, dem Aufsichtsrat der Telekom Austria, und den Prüfern im Vorfeld heftig gestritten worden sein, wie FORMAT von Insidern gehört hat. Die BDO soll mehr als das ursprünglich vereinbarte Honorar gefordert haben, Telekom-Chef Markus Beyrer aber eine Nachbesserung vorerst verweigert haben. Um unliebsame Inhalte zu vermeiden, sei man der BDO letztlich aber finanziell doch etwas entgegengekommen, ist zu hören. Die Kosten für den Bericht dürften schließlich bei knapp einer Million Euro zu liegen gekommen sein.

Was passiert mit Ametsreiter?

Telekom-CEO Hannes Ametsreiter, dessen Vertrag erst Ende 2013 ausläuft, dürfte dem Unternehmen vorerst erhalten bleiben. Zwar hat Pecik mehrfach betont, dass er ohne Ametsreiter und Finanzvorstand Hans Tschuden gut leben könnte, doch los wird er die beiden so schnell nicht. Ametsreiter wird seinen Vertrag wohl weiter abdienen, obwohl er, so ist aus der Telekom zu hören, die vielen Turbulenzen leid sei und für eine schöne Abfertigung durchaus bereit wäre, sich zu verabschieden. Immer wieder wird er mit einem Top-Job bei Red Bull in seinem Heimatbundesland Salzburg in Verbindung gebracht.

Mit einer Sache wird Pecik jedenfalls reüssieren: Er dürfte einen dritten Vorstand durchbringen. Dabei handelt es sich möglicherweise um den Telekom-Konzernstrategen Georg Donaubauer, der Technik-Vorstand werden will. Boris Nemsic, früherer Telekom-General, gehört zu den wenigen, die die Zukunft des krisengebeutelten Unternehmens noch positiv sehen: "Wenn die Altlasten weg sind, wird die Telekom gestärkt in die Zukunft gehen.“

Günter Stummvoll, ÖVP-Nationalrat und Leiter des Finanzausschusses, klingt weniger optimistisch: "Nach der Krise muss die Telekom erst einmal privatisiert werden. Solange der Staat nach Belieben intervenieren kann, wird nichts Gutes passieren.“

- Silvia Jelincic, Angelika Kramer

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