Tchibo/Eduscho: Bis 2010 will Kaffeekette vierzig von 160 Geschäften dichtmachen

Harter Wettbewerb, Finanzkrise und schwächelnde Konjunktur setzen der deutschen Handelskette zu. Jetzt werden auch in ­Österreich Geschäfte geschlossen und Mitarbeiter abgebaut.

Im Tchibo-Sortiment findet man fast alles: Eisenbahnzüge für Kinder, Vasen, Skijacken, Schmuck, Kaffee, Stabmixer. Nur ein Konjunkturankurbler fand sich bislang nicht im Programm. Dabei könnte der deutsche Handelsriese so etwas zurzeit selbst gut brauchen.

Auf Sparkurs
Internationale Finanzkrise und Wirtschaftsabschwung haben nun auch den Kaffeeröster mit wöchentlich wechselndem Zusatzsortiment ins Trudeln gebracht. Das bekannte Hamburger Unternehmen nimmt seit Jahresbeginn im Rahmen einer groß angelegten Neuausrichtung sämtliche 1.200 Filialen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien unter die Lupe. Das Ergebnis der Prüfung sind akribisch ausgearbeitete Sparprogramme, die zu einer Verkleinerung des milliardenschweren Handelsriesen führen.

Geschrumpftes Filialnetz
Im Klartext: Das Filialnetz von Tchibo wird in allen Märkten empfindlich schrumpfen. Wie FORMAT in Erfahrung brachte, soll es in Österreich schon bald nur noch 120 Tchibo/Eduscho-Shops geben. Anfang 2008 waren es noch 160, bis Ende 2010 sollen in Summe 40 Geschäfte zusperren, davon betroffen sind vor allem kleinere Standorte. Auch Mitarbeiter müssen gehen, kolportiert werden 160 bis 180 der österreichweit 1.300 Beschäftigten.

Kleine müssen schließen
Auf die geplanten Filialschließungen angesprochen, hält Tchibo schriftlich fest, dass auch in Österreich „zurzeit alle Filialen auf ihre Konzeptfähigkeit überprüft werden – vor allem jene Filialen, die sich aufgrund einer verhältnismäßig kleinen Verkaufsfläche nicht für eine optimale Umsetzung und Darstellung unseres Sys­temgeschäfts eignen. Als Folge wurden einige Filialen geschlossen (...).“ Die Schließung weiterer Filialen wird zwar nicht dementiert, genaue Zahlen stünden aber noch keine fest. In Sachen Personalabbau sagt das Unternehmen, Mitarbeiter seien „sehr wichtig“ und bei Kündigungen bislang zu einem Großteil in anderen Filialen beschäftigt worden. Ein größerer Personalabbau stehe nicht an.

Depot-Einsparungen
Einsparungspotenzial ortet Tchibo, viertgrößter Kaffeehersteller der Welt, laut FORMAT-Informationen auch im Depotbereich. Landesweit beliefert die Firma mehr als 7.000 Depots im Facheinzel- und Lebensmittelhandel. Bis Ende 2010 sollen es um bis zu 3.000 weniger werden. Neben großen Handelsketten wie Spar, Billa und Merkur gehören auch zahlreiche kleinere Händler zu den Kunden, etwa Bäckereibetriebe an der Peripherie.
Während große Geschäfte weiter beliefert werden, sollen kleinere Filialen künftig ausgelassen werden. „Bei rund zwei Dritteln der Non-Food-führenden Depots im Facheinzelhandel wurde die Gebrauchsartikel-Belieferung eingestellt“, heißt es dazu seitens Tchibo. Der Abbau von bis zu 3.000 Depots wird allerdings als überzogen bezeichnet.

Schweres Umfeld
Tchibo weht schon länger rauer Wind entgegen. Im Frühjahr hatte der mehr als 12.000 Mitarbeiter beschäftigende Konzern das zweite Jahr in Folge eine enttäuschende Bilanz vorgelegt: Der Umsatz ging 2007 um fast ein Zehntel auf 3,6 Milliarden Euro zurück, das Betriebsergebnis (Ebit) fiel ohne Berücksichtigung von Sondereffekten um mehr als 80 Prozent auf nur 23 Millionen Euro. Hintergrund ist unter anderem der Wettbewerb durch expansive Diskonter wie Aldi (Hofer) und Lidl, die in den vergangenen Jahren Tchibos Konzept eines wechselnden Warenangebots erfolgreich kopiert hatten. Hinzu kamen mehrere Neubesetzungen auf oberster Führungsebene sowie Querelen innerhalb der deutschen Eigen­tümerfamilie Herz.

Rückzug aus dem Königreich
Laut einem Bericht der „Financial Times“ Deutschland erwägt Tchibo nun sogar den Rückzug aus Großbritannien, seinem wichtigsten Auslandsmarkt in Westeuropa. Für Tchibo wäre ein Scheitern in Großbritannien ein weiterer Rückschlag in seiner Auslandsstrategie. Denn erst im September 2007 hatte sich der Konzern nach einer dreijährigen Testphase aus den Niederlanden zurückgezogen, zwei Jahre zuvor seine Pläne für einen Einstieg in den US-Markt vorläufig begraben. Großbritannien war im Jahr 2000 der zweite Auslandsmarkt nach Öster­reich, in dem Tchibo sukzessive Filialen eröffnete.

Beliebt in Österreich
Hierzulande kommt Tchibo ob seiner vergleichsweise preiswer­ten Angebotspalette gut an. 1997 übernahm das Unternehmen die hier etablierte deutsche Kaffeekette Eduscho. Seit Jahren wird am „Doppelbranding“, also an einer Zusammenlegung der Marken, gearbeitet; es wurden bereits fast alle Geschäfte in Tchibo/Edu­scho umbenannt. Österreich-Chef Harald Mayer ist vom Doppelbranding überzeugt und will nun auch in Österreich das neue Drei-Säulen-Konzept der Kette (Kaffeegeschäft, Gastronomie, Non-Food) umsetzen: Geschäfte ab hundert Quadratmeter werden einem Facelifting unterzogen – Sitzecken und Umkleidekabinen inklusive. „Eine attraktive Mischung aus Kaffeehaus- und Fachhandelsatmosphäre soll unser großes Kundenvertrauen erfüllen“, heißt es. In Zeiten von Finanzmarktkrise und kränkelnder Konjunktur das richtige Zeichen.

Von Silvia Jelincic

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff