Stronach: 'Wir haben alle Mitschuld, wenn es nicht gut läuft. Wir müssen uns alle ändern.'

Für Magna-Gründer Frank Stronach war 2009 das Jahr, in dem er durch die versuchte Opel-Übernahme im Fokus der Weltpolitik stand. Mit FORMAT spricht er im Exklusiv-Interview.

FORMAT: Herr Stronach, woran denken Sie, wenn Sie auf das Jahr 2009 zurückblicken?
Stronach: Denke ich an 2009, aber auch an das Ende des Jahres 2008, kommt mir jener wirtschaftliche Vulkan in den Sinn, der die Welt in eine schwere Krise gestürzt hat. Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht und bin sehr enttäuscht, dass die Entscheidungsträger dieser Welt bis heute nicht aufgestanden sind und gesagt haben: „Das war das Problem, das zu so viel Elend geführt hat – und so können wir es lösen, damit es niemals wieder dazu kommt.“

"Wir sind überverwaltet"
FORMAT: Es wurden vereinzelt Maßnahmen gesetzt, zum Beispiel gab es Einschnitte bei Managergehältern und Boni.
Stronach: Das ändert nichts an der Ursache des Problems: Wenn in der Finanzwelt höhere Umsätze erzielt werden als in der Realwirtschaft – also wenn die Wall Street mitunter mehr Geld macht als alle amerikanischen Unternehmen zusammen –, dann kann etwas nicht stimmen. Das gilt nicht nur für Amerika. Das Wohlbefinden einer Nation ist ja leicht feststellbar: Wo mehr importiert wird als exportiert, dort bricht die Wirtschaft zusammen. Leider gibt es Fehler in der politischen und in der wirtschaftlichen Struktur der westlichen Länder. Schon Winston Churchill hat gesagt: „Mit Politikern allein kann es nicht funktionieren.“
FORMAT: Sie sprechen von Strukturproblemen. Wie sehen die aus?
Stronach: Wir sind überverwaltet. Ein Beispiel: Selbst wenn die Arbeiter in einer Fabrik noch so fleißig arbeiten, im Bürogebäude nebenan aber zu viele Bürokraten sitzen und die Verwaltung zu groß ist, ist das Unternehmen nicht konkurrenzfähig. Die Firma Österreich ist genauso überverwaltet wie die anderen westlichen Länder. Man sieht mehr Bürotürme als Fabriken. Leider verstehen viele nicht, dass die Regierung eines Landes auch das Management eines Landes ist. Unglücklicherweise besteht dieses Management aus Politikern.

"Zukunft der Jugend sieht nicht rosig aus"
FORMAT: Haben Sie versucht, mit Politikern darüber zu reden?
Stronach: Natürlich.
FORMAT: Und?
Stronach: Ich hatte das Gefühl, nicht ganz verstanden zu werden. Obwohl es einfach wäre. Natürlich gibt es auch gute Politiker. Und es ist nicht leicht, Politiker zu sein, weil man wenig verdient und oft beschimpft wird. Aber ein Land sollte auf Basis von sozialökonomischen und nicht auf Basis von politischen Überlegungen regiert werden. Für viele ist aber nur die eigene Wiederwahl im Fokus.
FORMAT: Schuld an der Wirtschaftskrise ist also die Politik?
Stronach: Wir haben alle Mitschuld, wenn es nicht gut läuft. Aber die tragenden Säulen sind die Regierungen, die Wirtschaft, die Gewerkschaften, das Schul- und Bildungssystem – und die Medien. Ich warte noch immer, dass Konsequenzen gezogen werden. Es hat sich aber leider noch nichts geändert. Dabei müssen wir uns alle ändern.
FORMAT: Wie lange wird die Wirtschaftskrise anhalten?
Stronach: Leider ist kein Ende in Sicht. Probleme sind wie Krebs: Die gehen nicht von allein weg. Werden die Strukturen nicht korrigiert, wird es mit der Wirtschaft langsam bergab gehen. Die Zukunft der Jugend sieht nicht rosig aus.

Interview: Silvia Jelincic

Wie Frank Stronach Magna durch die Krise führen will und welche Pläne er für die Zukunft schmiedet, lesen Sie im aktuellen Trend-Heft des FORMAT.

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