Stichtag 30. September: FORMAT empfiehlt KESt-freie Kursraketen

Das letzte legale Steuerschlupfloch für Anleger wird am 1. Oktober geschlossen. FORMAT zeigt, mit welchen Produkten Sie jetzt noch der Aktien-KESt dauerhaft entkommen.

Die Zeit wird langsam knapp. Am 30. September endet ein für allemal die Möglichkeit, steuerfrei in Wertpapiere zu investieren – und das auch noch ganz legal. Schon seit 1. Jänner 2011 gilt für die meisten Neuveranlagungen die Wertpapier-KESt von 25 Prozent auf alle Kursgewinne. Doch es gibt im engmaschigen Steuernetz noch zwei Wochen lang einige Schlupflöcher. FORMAT zeigt, wie Sie diese jetzt noch auf den letzten Drücker nutzen können.

Alle Kursgewinne brutto für netto

Das schnelle Handeln kann sich langfristig bezahlt machen. Wer heuer zu den aktuell niedrigen Börsenkursen eine normale Aktie um 6.000 Euro kauft und nach ein paar Jahren mit etwas Glück um 10.000 Euro verkauft, zahlt von den 4.000 Euro Kursgewinn einen glatten Tausender als Aktien-KESt an den Fiskus. Mit einem der jetzt noch steuerschonenden Produkte kann man den gesamten Profit ohne Abzug einstreifen – und das auch noch bei einem Verkauf viele Jahre später.

Die Bandbreite der Steuerspar-Produkte ist beachtlich. Sie reicht von sicheren Anleihen bis hin zu riskanten Turbozertifikaten (siehe unten ). Dabei unterscheiden sich die Produkte nach der Art der „Steueramnestie“, die es in der Variante Teil- oder Komplettbefreiung gibt.

Generell bleibt bei allen Anleihen, die heute unter dem Ausgabekurs notieren, der Aufholgewinn bis zum höheren Startkurs unbesteuert, es handelt sich also um einen Fall von Teilschutz. Ein Beispiel: Eine Anleihe, die ursprünglich mit Kurs 100 begeben wurde und heute zu 90 zu haben ist, wird zum Schluss der Laufzeit wieder zu 100 getilgt. Den entstehenden Profit von zehn Einheiten kann man brutto für netto behalten. Für die zusätzlich kassierten Zinsen muss man dagegen normal KESt zahlen, ebenso dann, wenn die Anleihe irgendwann über 100 steigt und dann verkauft wird. Wem es also gelingt, eine Anleihe zu 90 zu kaufen und zu 105 zu verkaufen, muss nur für die zusätzlichen fünf Einheiten Steuern zahlen.

Da grundsätzlich alle Zertifikate rechtlich Anleihen sind, betrifft dieser steuerliche Teilschutz auch alle Zertifikate, die momentan unter 100 notieren – gleich ob es sich um ein Garantiezertifikat, ein Bonuszertifikat oder eine andere Variante handelt. Angesichts der schwachen Börsen ist die Auswahl solcher Produkte derzeit ausgesprochen breit – einzige Einschränkung: Ab 1. Oktober ist es zu spät.

Zertifikate mit Vollschutz

Ganz durch die Finger schaut die Finanzministerin bei Anlegern, die vor dem Tag X zu völlig KESt-freien Zertifikaten greifen (vorausgesetzt, die Papiere bleiben mindestens ein Jahr im Depot, damit die Spekulationsfrist abläuft). In diesem fiskalisch besonders lukrativen Bereich gibt es zwei Varianten. Erstens gilt eine Sonderregelung für bestimmte Altemissionen von Indexzertifikaten, die vor dem 1. März 2004 ausgegeben wurden. Die Auswahl ist allerdings begrenzt. Eine Liste der Produkte von Raiffeisen Centrobank (RCB), UniCredit und Volksbanken findet sich unter www.zertifikate-austria.at/kest . Ein Beispiel ist das ATX-Index-Zertifikat der RCB mit der ISIN AT0000340161.

Wesentlich breiter ist das Angebot bei Turbozertifikaten. In dieser auch Hebelzertifikate oder Minifuture genannten Rubrik sind nämlich sämtliche Produkte dauerhaft steuerfrei, die anfangs mit einem Hebel von mindestens fünf ausgegeben wurden. Wie sich der Hebel seitdem entwickelt hat, ist dem Finanzamt gleich.

Die Höhe des Hebels ist gerade für Langfrist-Investoren, die noch über viele Jahre der Steuer entkommen wollen, entscheidend. Produkte mit einem kräftigen Hebel sind nämlich eher etwas für Tageszocker. Bei einem Hebel von 20 reichen schon fünf Prozent Kursverlust der zugrunde liegenden Aktie, damit das Zertifikat völlig wertlos ausgestoppt wird. Umgekehrt kann man natürlich auch bei fünf Prozent Kursgewinn des Basisinvestments den ursprünglichen Einsatz in kurzer Zeit verdoppeln. Bei einem Hebel von fünf überlebt das Zertifikat zwar temporäre Kursverluste in der Größenordnung von 20 Prozent, aber auch solche Dimensionen sind in turbulenten Zeiten wie diesen rasch erreicht.

Wirklich gute Überlebenschancen haben Turbos mit einem Hebel in der Größenordnung zwei. Die Auswahl KESt-freier Produkte ist durchaus beachtlich. So bietet zum Beispiel die Deutsche Bank im Bereich X-markets ein Waves-unlimited-Zertifikat auf Apple mit einem Hebel von aktuell 1,6 (ISIN DE000DB6E5W9). Wer diese Kursrakete schon ab dem Take-off im Februar 2010 hält, hätte jetzt schon den Einsatz mehr als vervierfacht.

Neben Produkten auf Einzelaktien sind auch viele KESt-freie Turbos auf Börsenindizes erhältlich. Der Vorteil: Prinzipiell besteht bei Einzelwerten immer die Gefahr, dass sich eine Unternehmenskrise massiv auf den Wert des Investments auswirkt. Bei einem breit gestreuten Index ist das Risiko deutlich reduziert. So gibt es zum Beispiel von der Erste Bank ein Zertifikat auf den Immobilien-ATX mit einem aktuellen Hebel von 1,89 (ISIN AT0000A0DL07). Hiermit kann man auf einen Schlag in einen Indexkorb aus Titeln wie Immofinanz, CA Immo oder s Immo investieren.

Ein solches Investment ist auch angesichts der derzeitigen Kursturbulenzen eine Überlegung wert. Zwar verliert das Zertifikat 18,9 Prozent, wenn sich der Index um zehn Prozent nach unten bewegt. Wer allerdings angesichts der Unterbewertung der Immobilienaktien (sie notieren teilweise auf der Hälfte des geschätzten Wertes der enthaltenen Immobilien) noch länger auf bessere Zeiten warten kann, ist dann auch bei der Erholung mit entsprechendem Tempo unterwegs.

Wichtig bei solchen Langfristinvestments ist, das Investment zur Sicherheit nicht nur auf einige Zertifikate zu streuen, sondern auch auf mehrere Emittenten. Zertifikate sind nämlich wie bereits erwähnt rechtlich gesehen eine Anleihe der betreffenden Bank. Sollte diese insolvent werden, ist der Kunde nur an der Konkursmasse beteiligt. Es gibt keine Einlagensicherung wie bei Spareinlagen. Das heißt, es gibt ein zweifaches Risiko: Erstens kann sich das Basisinvestment schlecht entwickeln, zweitens kann der Emittent ausfallen. Deshalb sollte man grundsätzlich nur Produkte von Banken kaufen, denen man vertraut. Eine zweite Möglichkeit zur Risikoreduktion ist eine Verringerung des Einsatzes. Wer eigentlich eine Aktie um 2.000 Euro kaufen wollte, kann bei einem Turbozertifikat mit Hebel zwei bloß 1.000 Euro einsetzen und hätte damit ein ähnliches Chancen-Risiko-Profil wie bei einem Direktkauf.

Die Frage der Zinsen

Bei Hebelzertifikaten kauft ein Anleger einen Teil des Investments auf Kredit. Der kostet Zinsen. Bei einem Hebel-zwei-Zertifikat ist die Hälfte des Kaufpreises kreditfinanziert, bei höherem Hebel kauft man noch mehr auf Pump. Für den Anteil, der fremdfinanziert wird, verlangen die Banken unterschiedliche Zinsen. Die Deutsche Bank verrechnet Zinsen in Höhe des Tagesgeldzinssatzes EONIA plus drei Prozent Aufschlag, was momentan etwa 4,2 Prozent ergibt. Bei der Erste Bank wird der variable 3-Monats-Euribor plus ein Aufschlag von 1,5 Prozent verrechnet, aktuell also rund drei Prozent. Die RCB verrechnet EONIA plus 1,5 Prozent bei Rohstoffzertifikaten wie auf Gold oder Öl und plus 2,5 Prozent auf Aktienprodukte.

Zum Ausgleich profitieren die Käufer der Turbozertifikate von Dividenden. Bei der Erste Bank oder der RCB wird die volle Ausschüttung eingerechnet, bei der Deutschen Bank 85 Prozent davon. Heike Arbter, Zertifikate-Chefin der RCB: „Wir geben die Dividenden etwas aggressiver weiter als manche anderen Marktteilnehmer.“

Breite Auswahl im Internet

Auf den Internetseiten vieler Anbieter ist angegeben, ob ein Zertifikat KESt-frei ist oder nicht. Außerdem gibt auch die Telefon-Hotline Auskunft. Die Deutsche Bank ( www.at.x-markets.db.com ) hat die Österreich-Nummer 01/53 181 777. Die Erste Bank ist erreichbar unter 05 0100/18 800, im Internet etwas kompliziert unter www.erstegroup.com , Stichwort Produkte, Menüpunkt Strukturierte Produkte sowie anschließend Turbo-Zertifikate. Bei der RCB wird man schneller unter www.rcb.at und dem rechts befindlichen Menüpunkt Turbo-Zertifikate fündig, die Hotline lautet 01/515 20-484.

Zu kaufen sind die Zertifikate am günstigsten über Onlinebroker, und zwar über die Börsen, etwa Wien oder Stuttgart, und teilweise auch direkt bei den Emittenten. Die Kurse sind grundsätzlich überall gleich, es gelten nur unterschiedliche Orderspesen.

Achtung, Fehlinformation!

Auf der Homepage von X-markets waren bis vor kurzem einige KESt-pflichtige Turbos irrtümlich als KESt-frei bezeichnet. Ein Sprecher der Deutschen Bank: „Wir bedauern sehr die fehlerhaften Angaben. Grund hierfür war ein technischer Fehler in der Übermittlung. Eine Korrektur wurde umgehend veranlasst.“ Betroffen war unter anderem das kürzlich von FORMAT Nr. 33 empfohlene DAX-Zertifikat mit der ISIN DE000DB3HP73. Es empfiehlt sich hier ein rascher Umtausch in einen wirklich KESt-freien DAX-Turbo. Die Deutsche Bank erstattet bei Anruf die Spesen. Und man hat dann noch lange Ruhe vor dem Finanzamt.

– Martin Kwauka

Hier sparen Sie noch Steuern

● Anleihen. Wer Anleihen vor dem 30. September kauft, die unter dem Ausgabepreis notieren, kann den Kursgewinn steuerfrei einstreifen, bis der Ausgabepreis erreicht ist.

● Zertifikate. Die gleiche Regel wie bei Anleihen gilt auch für alle unter dem Anfangskurs notierenden Zertifikate.

● Alte Indexzertifikate. Einige Produkte, die bis zum Frühjahr 2004 emittiert wurden, kann man bei Kauf bis 30. September dauerhaft KESt-frei halten.

● Turbos. Lag der Hebel bei Start mindestens bei fünf, gilt ebenfalls eine dauerhafte KESt-Freiheit auf alle zukünftigen Kursgewinne. Aber nur noch bei rascher Ordererteilung.

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