Steuersünder: Nach dem Fall Hoeneß explodieren die Selbstanzeigen

Steuersünder: Nach dem Fall Hoeneß explodieren die Selbstanzeigen

Am Spielfeld mag der FC Bayern vergangenen Dienstag Barcelona 4:0 abgefertigt haben. Aber so wie zumindest eines dieser Tore aus einem klaren Abseits erzielt wurde, steht auch der Präsident des Fussballvereins im Out.

Die Finanzbehörden, der Staatsanwalt, die Politik: Alle zeigen dem Bayern-Boss und Steuersünder Uli Hoeneß die rote Karte. Jetzt wird nur noch über das Ausmaß der Sperre und Höhe der Strafzahlungen verhandelt. Dass er zumindest auf der Ehrentribüne noch den rot-weißen Schal umlegen darf, hat ihn bereits eine Kautionszahlung von fünf Millionen Euro gekostet. Der Weltmeister von 1974 hat sich mit Schwarzgeld in der Schweiz selbst ein Bein gestellt.

Damit haben die jüngsten Enthüllungen über klandestine Finanzjongleure - angeheizt durch Offshore-Leaks-Offenbarungen und ergänzt durch diverse Steuer-CD-Ankäufe, die beispielsweise den Ex-Deutsche-Post-General Klaus Zumwinkel oder den Springreiter Paul Schockemöhle als Steuersünder entlarvt haben - das bisher prominenteste Opfer gefordert. Viel bekannter als Ex-Bayern-Spieler & Manager Hoeneß kann man in Deutschland nicht mehr sein.

Dass die Steuerfahnder jetzt besonders forsch hineingrätschen, macht auch weniger Prominente in Österreich nervös. So wie in Deutschland die Zahl der Selbstanzeigen seit 2010 auf insgesamt gut 47.000 gestiegen ist, berichtet das heimische Finanzministerium ebenfalls von einem deutlichen Zuwachs bei Selbstanzeigen in den vergangenen Wochen. Das verstärkt den Trend, der sich seit dem Auftauchen der ersten Steuer-CDs um die Jahrtausendwende in Deutschland auch hierzulande verstärkt abzeichnet.

Gab es 2007 erst 482 Selbstanzeigen pro Jahr, waren es 2009 schon 1.020. Im Vorjahr brachten die Beichten der Steuersünder dann auch erstmals wirklich viel Geld in die Staatskassen. 2012 wurden allein bis Oktober rund 60 Millionen als "Steuerablass“ eingezahlt. Das ist ein Spitzenwert. Denn alle Selbstanzeigen von 2008 bis Ende 2011 zusammen spülten nur knapp 58 Millionen Euro in die Kassen des Fiskus.

32 Billionen auf Steueroasen

Kein Wunder, dass nun auch auf europäischer Ebene mit verstärktem automatischem Informationsaustausch zwischen den Finanzbehörden die Daumenschrauben für Abgaben-Trickser fester gezogen werden. Denn seit Ausbruch der Finanz- und Schuldenkrise kann es sich kaum eine Regierung noch länger leisten, die Gesamtheit der kleinen Steuerzahler für die Rettung der Banken zur Kasse zu bitten. Vor allem deswegen, weil die Finanz-instiute gleichzeitig als Handlanger jener wenigen Wohlhabenden entlarvt werden, mit deren Hilfe die Vermögen auf Steueroasen in aller Welt vor dem Fiskus versteckt werden.

Dass es sich dabei laut "Tax Justice Network“, einer NGO, die sich weltweit für Steuergerechtigkeit einsetzt, um rund 32 Billionen Euro - etwa die Hälfte des Welt-BIP - handelt, macht den politischen Druck nur noch stärker.

Zuerst hatte die Obama-Regierung mit der Drohung, Schweizer Banken die US-Lizenz zu entziehen, falls sie nicht die Daten von US-Bürgern mit Schweizer Konten rausrückten, das eidgenössische Bankgeheimnis praktisch im Alleingang gekippt.

Dann wurde der Versuch der Schweiz, wenigstens mit einigen großen EU-Staaten bilaterale, die Anonymität ihrer Bankkunden schützende Steuerabkommen zu schließen, im Dezember des Vorjahres durch das Nein der deutschen Opposition zu einem bereits ausgehandelten Deal gekippt. Inzwischen werden solche Vereinbarungen im beginnenden deutschen Wahlkampf nur noch als "Geldwäscheabkommen“ verunglimpft.

Das von Finanzministerin Maria Fekter zwischen Österreich und der Schweiz im Vorjahr nach dem ursprünglichen deutschen Vorbild abgeschlossene Steuerabkommen tritt hingegen mit 1. Juni dieses Jahres in Kraft. Demnach haben Inhaber von Schweizer Konten bis Ende Mai Zeit, diese entweder freiwillig beim österreischen Fiskus zu melden oder aber gegen eine Pauschalabgeltung - je nach Berechnungsschlüssel zwischen 20 bis 40 Prozent des Veranlagungskapitals - anonym zu bleiben.

Teuere Anonymität

"Das erhöhte Aufkommen an Selbstanzeigen“, berichtet dazu der Wiener Steuerberater Nobert Schrottmeyer von der Großkanzlei LeitnerLeitner, "hat damit zu tun, dass sich viele Betroffene nun ausrechnen lassen, welche Variante für sie günstiger ist. In vielen Fällen stellt sich einfach heraus, dass eine Selbstanzeige deutlich weniger kostet. Vorausgesetzt, alle Auflagen werden erfüllt.“

Diese juristischen Auflagen für eine korrekte Selbstanzeige sind allerdings trickreich. Wer ihnen nicht auf Punkt und Beistrich nachkommt, dem drohen schnell - wie der Fall Hoeneß gezeigt hat - Hausdurchsuchungen oder gar Strafverfahren (siehe Wehrheim-Interview ). "Zwar ist eine Selbstanzeige in Österreich grundsätzlich strafbefreiend“, erklärt der Steuerberater Christian Klausner, Partner der Wiener Kanzler Havranek, Fuchs, Partner: "Aber nur dann, wenn für den Verjährungzeitraum von zehn Jahren sämtliche Unterlagen offen gelegt werden und die Finanz nicht bereits vorher mit eigenen Ermittlungen begonnen hat.“

Nur wenn diese Vorausetzungen erfüllt seien, kommt der Steuersünder mit Nachzahlungen von Einkommens-, und Kapitalertragssteuern sowie Verzugszinsen davon. "In vielen Fällen“, sagt auch Klausner, dessen Kanzlei ihr Personal für das Handling des Steuerabkommens mit der Schweiz kräftig aufgestockt hat, "steigen unsere Kunden im Vergleich zur Anonym-Variante mit Selbstanzeigen besser aus.“

Experten orten noch einen weiteren Grund für das nahezu explosionsartige Ansteigen von Selbstanzeigen: Die Angst der Steuerberater, als Steuerflucht-Beitragstäter selbst zur Rechenschaft gezogen zu werden. Ein Brancheninsider: "Vielen drängen ihre Kunden, weil sie Angst haben, im schlimmsten Fall auch ins Gefängnis zu müssen.“ In der Wiener Börse fand zu diesem Thema kürzlich ein Seminar statt. Zahl der Rat suchenden Steuerberater: über 800.

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