Stein um Stein

Um wachsen zu können, will die Porr neues Geld: Eine Kapitalerhöhung von mindestens 30 Millionen Euro soll in den kommenden Wochen über die Bühne gebracht werden.

Große Baustellen ist man bei der Porr gewohnt. Doch diese ist eine besondere - und der oberste Baustellen-Manager Karl-Heinz Strauss (Bild) hat alle Hände voll zu tun: Seit 17 Monaten steht der 51-Jährige an der Spitze des Wiener Baukonzerns und dreht Stein um Stein um, damit die Nummer zwei am heimischen Markt wettbewerbsfähiger wird.

Auch die Chefetage wurde komplett umgebaut: Im Dezember 2011 zog Johannes Wenkenbach in den Vorstand neu ein, seit 1. Februar ist Christian Maier als Finanzchef im Amt. Letzter Streich ist die neue Strategie im Immobilienbereich, wo verschiedene Töchter zusammengelegt wurden, um Kompetenzen zu bündeln und Doppelgleisigkeiten zu vermeiden. "Durch Vereinfachung und flachere Strukturen im gesamten Konzern können wir einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag einsparen“, sagt Strauss.

Einstieg in der Türkei?

Und Sparen tut im 1869 gegründeten Unternehmen durchaus not: Das operative Ergebnis des Vorjahres wird vor allem aufgrund von Problemen in Ungarn und Rumänien zwischen minus 70 Mio. Euro und minus 80 Mio. Euro liegen. "Die persönlichen Einschätzungen sind meistens pessimistischer als die Grundstruktur der Wirtschaft“, meint Strauss. Vor allem für Deutschland, Österreich, die Schweiz, Polen und Tschechien seien die Aussichten nicht so schlecht. Allerdings sei deutlich zu spüren, dass die öffentliche Hand viel spare. "Wir sind am unteren Rand bei den Vergaben angelangt“, so Strauss. Derzeit prüfe die Porr den Einstieg in den türkischen und weitere Schritte am russischen Markt.

Um wachsen zu können, will die Porr neues Geld: Eine Kapitalerhöhung von mindestens 30 Millionen Euro soll in den kommenden Wochen über die Bühne gebracht werden. Strauss, der derzeit sechs Prozent an der Porr hält, will bei dieser Gelegenheit seinen Anteil eventuell auf zehn Prozent aufstocken. Die türkische Renaissance, die rund zehn Prozent der Anteile hat, will mittelfristig auf die Sperrminorität von 25 Prozent kommen. Und der Streubesitz (derzeit 9,5 Prozent) sollte künftig auch größer ausfallen. Um die Porr-Papiere besser handelbar zu machen, wird auch an einen Aktiensplit gedacht.

Schwierige Finanzierung

Die Finanzierung für neue Projekte sei im Moment anspruchsvoll, durch die höheren Eigenkapitalerfordernisse der Banken seien Kredite schwieriger zu bekommen. "Das wird im ersten Halbjahr 2012 die Wirtschaft treffen“, glaubt Strauss. Weniger Auswirkungen erwartet er sich vom Sparpaket, das in seinen Augen nur ein Anfang ist. Dass die Porr auch in der Affäre um Meischberger und Grasser vorkommt, nimmt Strauss mittlerweile emotionslos hin: "Wir arbeiten hier mit den Behörden zusammen und werden sehen, was aus den Vorwürfen wird.“ Bis jetzt habe man intern noch keinen Verdacht auf Unregelmäßigkeiten entdeckt.

Miriam Koch

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