Staatsdruckerei geht an die Börse

Die Österreichische Staatsdruckerei geht diese Woche an die Börse. FORMAT sagt, warum und womit die Anleger in Zukunft rechnen können.

Seit letztem Wochenende stehen die Telefone in der Österreichischen Staatsdruckerei (OeSD) nicht mehr still. Da wurde nämlich bekannt, dass das Unternehmen an die Börse geht, und nun hagelt es unzählige Anfragen, wo denn diese Staatsdruckerei-Aktien zu bekommen seien.

Die Antwort ist leider eine ernüchternde: gar nicht. Zwar notiert die OeSD ab diesem Freitag an der Wiener Börse, allerdings vorerst ohne Streubesitz. Doch die Hoffnung lebt: Bis Ende des Jahres wollen die zwei Hälfteeigentümer Robert Schächter und Johannes Strohmayer 10.000 Stück Aktien verkaufen. Ein Teil davon geht an die OeSD-Mitarbeiter, ein Teil davon wird – allerdings ohne öffentliches Angebot – Streubesitz.
Dennoch: An einer Börse, die mit dem Amag-IPO heuer nur eine größere Emission gesehen hat, sorgt schon eine der­artige Ankündigung für Aufsehen. Zumal die Wahrscheinlichkeit, dass die Staatsdruckerei den Kapitalmarkt bald in größerem Stil anzapft, sehr hoch ist. „Wenn wir eine konkrete Wachstumsstory haben, ist eine größere Kapitalerhöhung sicher möglich“, sagt Schächter, Chef der OeSD. Auch wenn er und sein Partner Stroh­mayer, der den Aufsichtsratsvorsitz innehat, dann weitere Anteile verkaufen müss­ten. „Die Mehr­heit wollen wir in jedem Fall behalten“, schränkt Schächter ein. Mit einer bereits vorhandenen Börsennotie­rung sei man im Fall des Falles flexibler, könne rascher agieren. Jetzt will man vorerst einmal mit der Börse warm werden, sich an die Transparenzregeln gewöhnen.

Politische Schusslinie

Größere Ex­pansionsschritte des Unternehmens, das letztes Jahr 38,7 Millionen Euro umsetzte und 5,3 Millionen Euro Gewinn erzielte, dürften in den nächsten Jahren notwendig werden. Denn am österreichischen Markt, wo die Staatsdruckerei 87 Prozent ihrer Einnahmen generiert, wird es zusehends ungemütlich. Erst im Sommer geriet die Staatsdruckerei ins politische Schussfeld, nicht zuletzt weil Ex-Innenminister Ernst Strasser für sie aktiv gewesen ist. Ebenfalls im Vorstand der Staatsdruckerei: ­Thomas Zach, einst im Kabinett von ­Strasser.
Zahlreiche parlamentarische Anfragen zum Thema, warum die Staats­druckerei, obwohl seit 2002 gar nicht mehr staatlich, hierzulande immer noch über ein Monopol verfüge, wurden abgefeuert. Pässe, Personalausweise, Führerscheine, die neuen elektronischen Zulassungskarten – nahezu alles, was es in Österreich an behördlichen ­Dokumenten zu drucken gibt, wird an die OeSD ausgelagert. Das hat die EU-­Kommission auf den Plan gerufen, Österreich wurde
zu einer Stellungnahme aufgefordert. Seit kurzem widmet sich auch der Ver­waltungsgerichtshof der Monopolfrage. Konkurrent Austria Card hat sich nämlich bei der Vergabe der E-Zulassungs­karten benachteiligt gesehen und ­geklagt. Schächter versteht die Aufregung nicht, er ist überzeugt: „Es gibt kein ­gesetzliches ­Monopol. Die Republik vertraut uns eben, weil sie mit unserer Arbeit zufrieden ist.“

Mehr Auslandsaufträge

Die Solostellung in Österreich scheint jedenfalls nicht auf Dauer abgesichert, weswegen das Unternehmen verstärkt im Ausland wachsen will. Die 13 Prozent Umsatz, die jetzt außerhalb Österreichs erzielt werden, sollen massiv anwachsen. In einigen Jahren, so der ehrgeizige Plan, soll der Auslands- ­sogar größer als der Inlandsanteil sein. Schon jetzt ist die OeSD in 63 Ländern der Welt aktiv: Benzingutscheine in Ecuador gehören ebenso zu ihrem Einsatzbereich wie biometrische Reisepässe für die ­Malediven. Der bislang größte Auslandsauftrag – in zweistelliger Millionenhöhe – wurde heuer im Kosovo an Land gezogen. Seit Oktober werden Pässe für die Bürger Kosovos in Wien gedruckt.
Weitere Expansionsgebiete der Wiener Drucker sind neben Osteuropa der Mitt­lere Osten inklusive Nordafrika und Zentralasien. „Überall, wo Staaten neu entstehen oder ein Land in der Verwaltung Hilfe braucht, wird es für uns interessant“, erläutert Schächter. Punkten könne man im Ausland als österreichischer Anbieter mit einer langjährigen Verwaltungstradition und der politischen Neutralität. Schmiergelder, wie sie bei der Österreichischen Banknoten- und Servicedruckerei jüngst geflossen sein sollen, spielten, so der OeSD-Chef, jedoch keine Rolle. „Mit ­unseriösen Methoden erzielt man in unserem Geschäft langfristig nichts“, ist Schächter überzeugt.
Aber auch gute Kontakte schaden nicht, weshalb wohl neben Zach im Vorstand und dem bestens vernetzten Strohmayer auch die Topbanker Willi Hemetsberger (Ithuba, Ex-Bank-Austria) und Wilfried Stadler (Ex-Investkredit) im Kontrollgremium der Staatsdruckerei sitzen.
Expansion heißt für die Staatsdruckerei aber nicht nur neue Märkte im Ausland, sondern auch neue Geschäftsfelder. Der herkömmliche Druck wird immer mehr zur Hightech-Angelegenheit, auch mit dem Thema „Cyber-Security“ beschäftigt sich die Staatsdruckerei immer öfter. ­„Unser Job lautet Identitätsmanagement. Sicherheit, Komfort und Freiheit sind ­dabei die bestimmenden Parameter“, so Schächter. Ob das auch an der Börse gut ankommt, wird sich in den nächsten ­Monaten zeigen.

– Angelika Kramer

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