Sporthandel zeigt Muskeln - Statt Fernreisen bleiben viele Bürger zu Hause und sporteln

Die Österreicher wollen der Krise davonradeln: Der Verkauf von Rädern, Fitness- und Sport­bekleidung boomt wie selten zuvor.

Mehr als Urlaub auf Balkonien ist für viele Österreicher derzeit nicht drin. Reiseveranstalter stöhnen schon seit Monaten über ausbleibende Gäste, ein Aufwärtstrend ist nicht in Sicht. Doch Stubenhocker gibt es deswegen noch lange keine: Weil die Zeiten trist sind, zieht es immer mehr Bürger an die frische Luft. Sporteln ist angesagt, und Händler dürfen sich über sprunghaft gestiegene Umsätze freuen.

Radeln gegen die Krise  
Von Laufschuhen über T-Shirts bis hin zu Rädern: Das Geschäft mit dem Sport läuft wie am Schnürchen. „Negative Wirtschaftsmeldungen belasten die Gemüter. Jeder will jetzt den Stress schnell loswerden“, sagt Gerhard Schwab, Chef von Sport 2000. Die deutlichen Zuwächse führt der Manager vor allem auf das schöne Wetter zurück: „Frau Sonne beflügelt die Branche.“ Auch Hervis-Chef Alfred Eichblatt führt das zweistellige Umsatzplus auf das Frühlingswetter zurück. Der Sport-Hype wird nun durch immer günstigere Angebote verstärkt, Spottpreise locken die Kunden in die Läden: „Der Kauf neuer Laufschuhe ist schnell beschlossen, Konsumen­ten denken da nicht lang nach“, sagt WKW-Handelsobmann Fritz Aichinger, selbst Sportarti­kelhändler. Besonders gefragt aber sind Fahrräder.

Umweltfreundlich flott
„Bei uns macht der Verkauf von März bis August zirka 22 Prozent des Umsatzes aus“, so Intersport-Chefin Gabriele Fenninger. Das Erstaunliche daran: Obwohl der Euro zweimal umgedreht wird, verkaufen sich auch kostspieli­ge Bikes sehr gut. „Eine ordentliche Federgabel, die die Stöße der Straße abfedert und ein Helm sind absolute Musts. ­Sicherheit geht über Sparen“, ist Aichinger überzeugt. Ein neuer Trend hin zu mehr Bequemlichkeit ist das Elektro-Zweirad. Ein Akku verstärkt den Antrieb, was die Körperkräfte schont. Tausend dieser umweltfreundlichen Vehikel – die bis zu 25 km/h schnell sind, eine Reichweite von etwa 40 Kilometern haben und ab 1.000 Euro erhältlich sind – will Intersport heuer verkaufen. „In Österreich hinken wir damit aber nach. In Holland hat sich das Elektrorad bereits etabliert. Ich rechne damit, dass das auch hier der Fall sein wird“, so Fenninger.

Schönwetterstimmung mit Bauchweh  
Händler rechnen für die Sommersaison bereits mit Re­kordumsätzen. Dabei bot schon der Winter reichlich Grund zur Freude. Denn der Schneereichtum bescherte der Branche soeben veröffentlichten Zahlen zufolge ein Plus von 5,2 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro (siehe Grafiken zu Marktanteilen und Umsatzentwicklung des Sportfachhandels). Fenninger: „Mit Skihelmen und Brillen haben wir mehr Umsatz erzielt als mit dem Verkauf von Skiern.“ Intersport konnte die Erlöse ­sogar um neun Prozent auf 537 Millionen Euro steigern. Ob die Schönwetterstimmung anhält, bleibt dennoch ungewiss. „Die Wirtschafts­krise wird nicht spurlos an uns vorübergehen, da wären wir blauäugig“, so Fenninger. Für den „worst case“ sind die Händler gerüstet und haben etwa schon Kosten eingespart: Sport 2000 legte einige Abteilungen zusammen; Intersport Eybl stellte sein Osteuropa-­Engagement ein, und Intersport wird womöglich das Marketingbudget kürzen und Büroumbauten verschieben.

Von Carolina Burger

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