Spiel um Wien

Spiel um Wien

Peter Hötzinger ist ja schon einiges gewöhnt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Erwin Haitzmann leitet er die international tätigen Century Casinos seit 1992 und hat bereits an etlichen Casino-Lizenz-Ausschreibungen rund um die Welt - von Polen bis Kanada - teilgenommen. Doch das, was er momentan in Wien erlebt, ringt ihm bestenfalls ein Kopfschütteln ab.

Denn für richtige Wutausbrüche ist Hötzinger nicht der Typ. "Sehr überrascht und befremdet“ sei er gewesen, als er gehört hat, der Ex-Monopolist Casinos Austria habe bei allen drei aktuell ausgeschriebenen Casinolizenzen - zwei in Wien und eine in Niederösterreich - wieder die Nase vorne. Zumindest soll dies ein Beirat im Finanzministerium unter Führung von Ex-Sektionschef Wolfgang Nolz vorgeschlagen haben.

Auch wenn man im zuständigen Finanzministerium betont, diese Empfehlung sei nicht bindend, Finanzminister Spindelegger und Staatssekretärin Stessl würden erst in den nächsten Tagen, wahrscheinlich noch im Juni entscheiden, dürften die Chancen für das "Flamingo Casino“ von Century Casinos nicht allzu gut stehen. Selbst wenn voraussichtlich nicht alle drei Casinolizenzen an die Casag gehen, dürfte eher Automatenhersteller Novomatic zum Zug kommen, munkeln Branchenkenner. Wahrscheinlichster Ausgang der mehr als ein Jahr dauernden Ausschreibung: Die Novomatic darf ihre Spielhalle im Prater zum Vollcasino ausbauen und bekommt auch den Zuschlag für die - unwichtigere - Niederösterreich-Lizenz in Bruck an der Leitha, die Casag dafür die zweite Wien-Konzession im 15.Bezirk.

Zwischen Wiens Landeshauptmann Michael Häupl und seinem niederösterreichischen Pendant, Erwin Pröll, sei es bereits von langer Hand geplant, dass Novomatic in Wien nicht leer ausgeht, ist zu hören. Als unwahrscheinlich gilt, dass sich Finanzminister Michael Spindelegger ganz dem Wunsch seines Förderers aus Niederösterreich widersetzt. Zu wertvoll ist die Novomatic als Arbeitgeber und Großspender. Auch die bisherigen Steuerleistungen in Österreich sollen für den Big Player Novomatic sprechen.

Aber auch das Intensiv-Lobbying von Faymann-Berater und Casag-Vorstand Dietmar Hoscher dürfte nicht ganz unbelohnt bleiben: Obwohl der Ex-Monopolist Casag bereits bei der Paket-Ausschreibung der sechs Stadt- und Landcasinos erfolgreich war, gehen Branchenkenner davon aus, dass eine Lizenz mit Sicherheit noch dazu kommt. Was dafür spricht: Die Anteile der Republik an den Casinos - die Nationalbank ist indirekt daran beteiligt - würden durch eine zusätzliche Lizenz mehr wert werden. Und bei einem geplanten Verkauf will die Republik so viel wie möglich erzielen.

All dies hieße aber, dass die neuen Bewerber, Century Casinos und die Schweizer Casinos, gemeinsam mit Gauselmann durch die Finger schauen würden. Das Hauptargument dagegen: Beide City-nahen Standorte im Hotel Intercontinental und im Palais Schwarzenberg würden die Casag-Spielbank in der Kärntner Straße in den Ruin treiben. Denn alle wären auf betuchte Klientel ausgerichtet. Erst kürzlich haben die Casinos angekündigt, diesen Standort um einen siebenstelligen Betrag aufrüsten zu wollen.

Für Hötzinger wäre vor allem die Entscheidung für die Casag nur schwer nachvollziehbar: "Die geplanten Standorte der Casinos Austria zielen auf sozial schwächeres Publikum ab, speziell der im Wohngebiet des 15. Wiener Gemeindebezirks, der noch dazu neben einer Schule liegt. Das verstehe ich nicht unter Spielerschutz.“ Und genau das war ja immer als eines der Hauptkriterien für den Zuschlag genannt worden. Auch mit der Steuerleistung des Flamingo Casino - laut Konzept immerhin 13 Millionen Euro - könnte der staatsnahe Konkurrent, so der Century-Chef, nicht mithalten: "Die Vergabe an die Casinos Austria käme einer Lizenzverschwendung gleich.“

Für Century Casinos wäre der österreichische Markt dann für 15 Jahre verschlossen. "Auf zu neuen Ufern“, hieße dann wohl die Devise, vielleicht hin zu noch mehr Schiffscasinos .

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